Keine Torwart-Debatte bei Werder
Luxus zwischen den Pfosten: Zetterer überzeugt mit guten Leistungen - Pavlenka bleibt trotzdem Werders Nummer eins
Michael Zetterer vertritt den zurzeit verletzten Jiri Pavlenka im Tor des SV Werder Bremen und zeigt dabei gute Leistungen. Könnte der 28-Jährige den tschechischen Nationalkeeper sogar ganz verdrängen? Was Trainer Ole Werner zu der Torwartdiskussion sagt.
Bremen – Die Antwort kommt schnell. Sehr schnell sogar. „Wir werden da sicherlich kein Problem haben“, ist sich Ole Werner sicher. Und ganz Unrecht hat der Trainer des SV Werder Bremen mit dieser Einschätzung ja auch nicht. Schließlich kann er sich bei seinen Torhütern Jiri Pavlenka und Michael Zetterer bislang darauf verlassen, dass er in dieser Saison gute Leistungen zwischen den Pfosten zu sehen bekommt. Da Ersterer jedoch aktuell verletzt ist und Letzterer den eigentlichen Stammkeeper mehr als würdig vertritt, droht aber eben doch ein Dilemma, das zum Dauerthema werden könnte. Ein echtes Luxusproblem. Wenn nämlich das Leistungsprinzip im Bremer Kader gilt, dann gibt es nicht wirklich einen Grund, Michael Zetterer demnächst wieder auf die Bank zu setzen. Oder etwa doch?
Werder Bremens Ole Werner über Michael Zetterer: „Er hat gute Leistungen in allen drei Spielen gezeigt“
„Er hat gute Leistungen in allen drei Spielen gezeigt“, lobt auch der Coach des SV Werder Bremen seine Nummer zwei, die unlängst beim Remis gegen den VfL Wolfsburg einmal mehr viel Souveränität ausstrahlte. Bei hohen Flanken des Gegners packte der 28-Jährige sicher zu, als zusätzliche Anspielstation verlieh er der eigenen Defensive bei diversen Rückgaben Sicherheit. Und dann waren da ja noch die starken Flachpässe im Spielaufbau, mit denen er aus dem Sechzehner heraus Offensivaktionen seiner Mannschaft initiierte. Kurzum: Michael Zetterer zeigt derzeit Leistungen, die nicht unbedingt von einem Profi erwartet werden können, der sich Positiverlebnisse sonst monatelang nur auf dem Trainingsplatz oder in seltenen Testspielen holen kann.
Und so wie es ausschaut, muss er das demnächst auch wieder tun. Daran ändert auch der schon dritte gute Auftritt in Folge nichts. „Ich kann eigentlich nur wiederholen, was ich die letzten Wochen auch gesagt habe: Wir sind auf der Torhüterposition sehr, sehr gut aufgestellt“, betont Ole Werner gebetsmühlenartig, wenn er auf einen langfristigen Personaltausch im Kasten des SV Werder Bremen angesprochen wird. Und der 35-Jährige schiebt hinterher: „Grundsätzlich sind wir mit einer klaren Rollenverteilung in die Saison gegangen – und ich habe nichts Neues dazu zu sagen.“
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Werder Bremens Jiri Pavlenka arbeitet an seinem Comeback - steht Michael Zetterer auch gegen Eintracht Frankfurt im Tor?
Soll heißen: Sobald Jiri Pavlenka wieder fit ist, spielt er auch. Da passt es ins Bild, dass der 31-Jährige am Dienstag zumindest schon wieder für ein individuelles Training auf dem Rasen stand, während die Teamkollegen frei hatten. Ob die Nummer eins des SV Werder Bremen aber schon am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt (17.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) zurückkehrt, ist völlig offen. „Pavlas macht seine Fortschritte“, meint Ole Werner, der aber auch darauf verweist, dass man sehen müsse, wie der tschechische Nationalkeeper nun durch die Woche komme. Fest steht: In der anschließenden Länderspielpause wird Pavlenka auf jeden Fall in Bremen bleiben, für die beiden entscheidenden Partien in der EM-Qualifikation gegen Polen und Moldawien ist er aufgrund seiner Adduktorenblessur nicht nominiert worden. Was für ihn doppelt ärgerlich ist, denn zuletzt hatte sich Pavlenka einen Stammplatz in der Auswahl gesichert und Hoffnungen auf Einsätze bei der Europameisterschaft im kommenden Jahr in Deutschland geäußert. Ob das ersehnte Ticket von seinem Team tatsächlich gelöst wird, muss er nun tatenlos aus der Ferne betrachten. „Er war die Nummer eins, aber hat sich jetzt leider verletzt. Das ist ärgerlich, aber ich glaube, wir schaffen das“, sagte Nationaltrainer Jaroslav Silhavy am Dienstag.
Jiri Pavlenka bleibt bei Werder Bremen die Nummer eins - Michael Zetterer bleibt Ersatzkeeper
Positiv betrachtet kann sich Jiri Pavlenka also hundertprozentig auf seine Rückkehr ins Tor des SV Werder Bremen konzentrieren. 221 Pflichtspiele hat er seit seinem Wechsel im Sommer 2017 für die Bremer absolviert, sich vor allem durch starke Rettungstaten auf der Linie einen Namen gemacht und dabei auch den einen oder anderen vermeintlich Unhaltbaren pariert. Ein klares Plus gegenüber Zetterer, der zuletzt aber auch kaum einmal in eine derartige Verlegenheit gebracht wurde. Was an Werders verbesserter Defensive liegt – und automatisch die Frage aufwirft, ob diese lediglich mit oder auch ganz entscheidend wegen Michael Zetterer im Rücken besser agiert.
Diese elementare Rätselaufgabe muss das Trainerteam lösen. Oder hat sie eben bereits für sich gelöst. Schließlich ist Jiri Pavlenka auch weiterhin gesetzt. Gegen Eintracht Frankfurt darf eventuell nochmal der Stellvertreter zeigen, was er kann. „Wir können gegen jede Mannschaft etwas holen – egal ob Bayern, Dortmund oder Frankfurt“, hatte Michael Zetterer jüngst im Vereins-TV erklärt. „Wenn wir zu hundert Prozent auf dem Platz sind und jeder sich reinhaut – so wie es in den letzten drei Spielen der Fall war –, dann haben wir gegen jede Mannschaft in der Liga eine Chance.“ An Selbstvertrauen mangelt es dem gebürtigen Münchener also nicht. Auf forsche Kampfansagen in Richtung Jiri Pavlenka hat er bislang dennoch verzichtet, doch auch so hat der Stammtorhüter des SV Werder Bremen zweifelsfrei mitbekommen, dass sein Konkurrent reichlich Werbung in eigener Sache betrieben hat. (mbü)