US-Stürmer spricht über das Jahr 2017
Sargent: „Es fühlt sich wie zu Hause an“
Zell - Das Bremer Rathaus mit dem Roland davor bildet die Kulisse für die erste Szene des Videos. Aus dem Off ertönt eine Stimme. Es ist die von Josh Sargent. Der 18 Jahre alte US-Boy des SV Werder spricht über das Jahr 2017.
Ein verrücktes Jahr für ihn. „Ein Jahr, das ich nie vergessen werde“, sagt er. Denn es hat ihn durch zwei Weltmeisterschaften und zu Werder Bremen geführt. In dem Video geht es um diese wunderbare Reise und um seinen Start in Bremen, Sargents erster Profi-Station. „Für mich ist alles neu und alles ist eine Herausforderung. Aber Herausforderungen sind etwas, vor dem ich nie zurückgeschreckt bin“, erklärt der Angreifer. Es klingt so selbstbewusst, so sicher und doch so geerdet, dass das Video direkt neugierig macht, was Josh Sargent noch über sich verraten wird.
Sargent führte die U17 der USA als Kapitän ins WM-Turnier
Doch erstmal ist Vater Jeff an der Reihe. Er steht im Vip-Bereich des Weserstadions, ein Foto von Ailton im Rücken, als er von Nachmittagen im Garten voller Fußball mit seinem erst dreijährigen Sohn erzählt. Und davon wie der als Vierjähriger in einem seiner ersten Spiele neun Tore erzielte. „Wir dachten uns: hmm!“, lacht Sargent senior. Was „hmm“ damals bedeutete? Ganz sicher war es keine Vorahnung, dass Josh Sargent 13 Jahre später die U17-Auswahl der USA als Kapitän ins WM-Turnier in Indien führen würde.
Auch nicht, dass er quasi im Anschluss die U20-WM in Südkorea spielen würde und als zweitbester Torschütze des Turniers mit dem „Silbernen Schuh“ ausgezeichnet würde. Wer hätte das schon ahnen können? „Hmm“ stand lange nur hierfür: „Bis hin zum Alter von 15, 16 Jahren wollte ich lediglich, dass er (Josh) ein College-Stipendium bekommt, um ein paar der Kosten für seine Bildung zu bezahlen. Und dann fingen Scouts an mich anzurufen. Und Agenten fingen an mich anzurufen“, berichtet Jeff Sargent.
Es waren auch Agenten von Werder Bremen dabei. Europa, Deutschland, ein Riesenschritt. Die Sargents sind ihn gegangen, der Vater erklärt: „Josh hat schon in sehr jungen Jahren gesagt, dass er in Europa spielen will. Als Familie ist es nicht immer einfach, sein Kind ziehen zu lassen. Aber wir wollten ihm nie im Weg stehen. Also ließen wir ihn durch jede sich öffnende Tür gehen.“
Aktuell arbeitet Josh Sargent im Trainingslager des Bundesliga-Teams im Zillertal an seinem Durchbruch bei Werder. In Bremen lebt er im Internat im Weserstadion. Praktisch findet er das, er muss nur kurz aus der Tür und steht schon auf dem Fußballplatz. Dort, wo er am liebsten ist, um das zu tun, was für ihn scheinbar sehr leicht ist: Tore schießen. „Es liegt mir im Blut. Ich liebe einfach das Gefühl“, meint Sargent junior, der in seinen ersten beiden Testspielen mit dem Profi-Team tatsächlich jeweils einmal getroffen hat.
Erstes Tor im ersten A-Länderspiel für Sargent
Vieles von dem, was der aus O‘Fallon, Missouri stammende Teenager bisher erlebt hat, besitzt die Wesensmerkmale eines Märchens. Die beiden U-Weltmeisterschaften, gleich anschließend der erste Kontakt zur amerikanischen A-Nationalmannschaft, das erste A-Länderspiel gegen Bolivien Ende Mai diesen Jahres, in dem ihm gleich sein erstes Tor für das US-Team gelang, nun der Anlauf bei den Werder-Profis – Sargent ist so etwas wie der schöne Prinz des US-Fußballs. Und das Video, das ihm gewidmet ist, gehört zur Reihe „Rising“ des US-Soccer-Verbandes. „Rising“ bedeutet so viel wie heranwachsen, entstehen.
Florian Kohfeldt weiß nur zu gut, welches Talent ihm die Werder-Scouts und das Management da in die Hände gegeben haben. Der Werder-Trainer hat nun die Aufgabe, bei der Entwicklung des Torjägers das richtige Tempo zu wählen und in allen Bereichen das richtige Maß zu finden. Einsätze ja, aber nicht zu früh, nicht zu spät. Vorschusslorbeeren ja, aber nicht zu viel, nicht zu wenig. Öffentlichkeitsarbeit ja, aber lieber weniger als viel. Im Zillertal darf Sargent vor keine Kamera, darf kein Interview geben.
Das Video von „US Soccer“ wurde schon vor einigen Wochen produziert. Kohfeldt kommt auch vor in dem Beitrag. Er schüttelt Sargent im leeren Weserstadion die Hand. „Jetzt kannst du in Deutschland deine Tore schießen“, sagt er zu ihm. „Klingt gut“, sagt Sargent, grinst ein bisschen verlegen und geht weiter. Die Kamera hinter ihm her.
Sie hat ihn auch durch die Bremer City begleitet. Rathaus, Roland, Stadtmusikanten. Er kenne das Märchen von Esel, Hund, Katze und Hahn nicht genau, sagt Sargent, „aber ich weiß, dass es Glück bringen soll, den Esel anzufassen“, lacht er und greift zu. Papa Jeff nebendran. Beide glauben, dass sie mit der Wahl Werder Bremen einen Glückstreffer gelandet haben. „Als ich nach Bremen kam, war es ein Bauchgefühl, dass ich hierher gehöre“, verrät Josh Sargent: „Ich weiß nicht, warum. Aber vieles fühlt sich hier genau wie zu Hause an.“
Bremen könnte für ihn zur Basis werden, um die eigene wunderbare Reise durch den Fußball fortzusetzen. Und um das wahrzumachen, was die Macher des Videos von ihm, dem US-Supertalent, hören wollten. „Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um die Nationalmannschaft wieder in die Spur zu bringen“, sagt Josh Sargent.
