Werders schwierige Verhandlungen

Kapino kämpfte für seinen Wechsel

Stefanos Kapino trägt seit Mittwoch die Werder-Raute auf der Brust.
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Stefanos Kapino trägt seit Mittwoch die Werder-Raute auf der Brust.

Bremen - Die Torwartsuche des SV Werder war schon ein wenig kurios. Mehrfach hatte Sportchef Frank Baumann angekündigt, ein Transfer stünde kurz bevor – und dann geschah nichts.

Bis Montag. Da konnte der Bundesligist endlich Vollzug melden: Stefanos Kapino wechselt von Nottingham Forest und soll die Nummer zwei hinter Jiri Pavlenka werden. Als Ablöse sind 400 000 Euro im Gespräch. Die Summe kann sich durch Bonuszahlungen aber noch verdoppeln. Nun erklärt Baumann der DeichStube, warum alles ein bisschen länger gedauert hat – und lobt dabei ausdrücklich den Spieler.

„Stefanos hat wirklich alles getan, um den Transfer möglich zu machen. Es war alles nicht ganz so einfach“, berichtet Baumann. Ins Detail wollte der Sportchef dabei nicht gehen. Angeblich soll Kapino für seinen Zweijahres-Vertrag in Bremen (mit Option auf eine weitere Saison) auf nicht gerade geringe Zahlungen seines Ex-Clubs verzichtet haben – und zwar nicht von Nottingham, sondern von Olympiakos Piräus. Wobei der Unterschied gar nicht so groß ist, beide Vereine haben denselben Besitzer – Evangelos Marinakis. Und im Winter war Kapino mal eben vom griechischen zum englischen Club transferiert worden.

Große griechische Torwart-Hoffnung

Glücklich wurde Kapino auf der Insel nicht. Irgendwie zieht sich das auch durch die ganze Karriere des 24-Jährigen. Irgendetwas kam immer dazwischen. Nur der Anfang hätte kaum besser sein können. Schon als 17-Jähriger stand er im Tor des Erstligisten Panathinaikos Athen und sogar der Nationalmannschaft. Das hatte vor ihm in diesem Alter noch keiner geschafft, er galt als die große griechische Torwart-Hoffnung. „Damals gab es einen ganz schönen Hype um Stefanos“, erinnert sich Baumann. Bis 2014 lief auch alles prima, Kapino durfte sogar als Ersatztorhüter mit zur WM nach Brasilien.

Werder-Sportchef Frank Baumann.

Danach wagte er den Schritt in die Bundesliga zum FSV Mainz 05 – Ablöse 2,2 Millionen Euro. Doch der 1,96 Meter große Keeper verlor das Duell mit Loris Karius, der inzwischen beim FC Liverpool unter Vertrag steht. Ärgerlich daran: Kapino sei angeblich vor der Verpflichtung gesagt worden, dass Karius wechseln und er die Nummer eins sein wird. Es kam anders – und der Grieche nur zu zwei Einsätzen in der Bundesliga, weil Karius vom Platz geflogen war. Aus Werder-Sicht ist diese Phase aktuell nicht ganz unwichtig. Schließlich ist Kapino als klare Nummer zwei hinter Pavlenka eingeplant. „Wir haben uns natürlich bei Mainz erkundigt“, berichtete Baumann: „Er hat sich dort tadellos verhalten und seine Rolle akzeptiert.“

Bereits früher über Verpflichtung nachgedacht

Erst nach der Saison zog Kapino damals seine Konsequenzen, ging zurück nach Griechenland – zu Olympiakos Piräus. Kein einfacher Wechsel als ehemaliger Panathinaikos-Profi. Die Fanlager der beiden Clubs sind ziemlich verfeindet. Es lief gar nicht so schlecht, bis Kapino vor einem Jahr in der Qualifikation zur Champions League patzte. „Danach hatte er keinen leichten Stand mehr“, so Baumann. Der 42-Jährige weiß das so genau, weil er den Weg des Griechen schon lange verfolgt. Werder hätte bereits früher über eine Verpflichtung nachgedacht, dann sei es aber jeweils anders gekommen.

In der Saison 14/15 stand Kapino in zwei Spielen zwischen den Mainzer Pfosten.

Nun passte der Zeitpunkt für beide Seiten. Beim englischen Zweitligisten Nottingham, für den Kapino erst am Ende der Saison zum Einsatz gekommen war, fühlte sich Kapino nicht so richtig gut aufgehoben. „Es ist sehr wichtig und gut für mich, dass ich nun wieder hier in der Bundesliga spiele“, lässt sich der Keeper nun von Werder zitierten – und er lobt Baumann: „Immer, wenn wir Gespräche geführt haben, habe ich sein Vertrauen gespürt. Das war wirklich beeindruckend.“ Dabei wurde ihm auch deutlich seine Rolle zugewiesen, wie er bestätigt: „Pavlenka ist natürlich die klare Nummer eins. Er hat eine unglaubliche letzte Saison gespielt. Ich bin hier, um dem Team weiterzuhelfen.“ Dass Kapino das kann, davon ist Baumann natürlich überzeugt: „Wir haben jetzt eine richtig gute Nummer zwei.“

Unsinn, einen Kampf um das Bremer Tor auszurufen

Eigentlich hätte Michael Zetterer diese Position einnehmen sollen, doch mit seiner komplizierten Handverletzung fällt der 23-Jährige noch für unbestimmte Zeit aus. Als Nummer drei darf der erst 18-jährige Luca Plogmann von den Profis lernen. Als Notnagel gehört Torwart-Oldie Jaroslav Drobny (39) noch eine Saison zum Kader.

Werders Nummer eins ist und bleibt Jiri Pavlenka.

Die Reihenfolge ist ziemlich festgelegt. Aber Baumann verbietet niemandem, sich durch Leistungen aufzudrängen. „Natürlich will Stefanos sicherlich irgendwann auch spielen.“ Doch aktuell sei es Unsinn, einen Kampf um das Bremer Tor auszurufen. Dafür sei Pavlenkas Vorsprung viel zu groß. Wichtiger ist dem Sportchef etwas anderes: „Wir können beruhigt sein, wenn Pavlas mal etwas passieren sollte. Stefanos hat Erfahrung. Und wer wie er Derbys in Griechenland erlebt hat, der kann mit Druck umgehen.“

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