Werders Friedl ehrlich
Erst Foul ohne Platzverweis, dann Foul ohne Elfmeter: Werders Kapitän Marco Friedl in zwei brenzligen Szenen im Fokus
Es waren zwei Foulspiel-Szenen, bei denen Marco Friedl jeweils im Mittelpunkt stand. Einmal wurde der Werder-Kapitän übel ganz abgeräumt und einmal teilte er selbst aus. So haben die Beteiligten die Situationen gesehen.
Bremen – Die Dusche hatte Marco Friedl noch gar nicht gesehen, der Schweiß tropfte ihm eifrig von der Stirn. Aber immerhin konnte der Kapitän des SV Werder Bremen schon wieder lachen. Dabei fehlte nicht viel und der 27-Jährige wäre zur tragischen Figur während des Heimspiels gegen den FC St. Pauli avanciert. Erst überstand er ein rüdes Foul ohne folgenschwere Verletzung, dann hatte der Innenverteidiger Dusel, dass ein missglückter Zweikampf im eigenen Strafraum nicht mit einem möglicherweise spielentscheidenden Elfmeterpfiff für die Hamburger endete. Ziemlich viel Trubel also in einer Partie, die mit einem 0:0 endete.
Etwas mehr als eine halbe Stunde war gespielt, als Friedl heftig von Gegenspieler Carlo Boukhalfa abgeräumt wurde. Der Österreicher krümmte sich voller Schmerzen, schlug heftig auf den Boden und von seinen Lippen war deutlich abzulesen: „Das ist Rot!“ Schiedsrichter Tobias Reichel (Sindelfingen) sah das offenkundig anders. Der Unparteiische hatte die Szene gar nicht erst als Foul geahndet, somit gab es nicht einmal eine Gelbe Karte. „Ich bin niemand, der Karten fordert“, sagte Marco Friedl hinterher pflichtbewusst. „Für mich hat es sich angefühlt wie ein klassischer Zu-Spät-Kommer überm Knöchel. Er hat es nicht gepfiffen, deshalb kann er da nicht Gelb geben - aber gar nichts zu geben, finde ich schon sehr lustig.“
Werder Bremens Marvin Ducksch wütend über nicht gegebenen Platzverweis für Foul an Marco Friedl: „Ganz klare Rote Karte“
Auch Teamkollege Marvin Ducksch konnte mit der Zurückhaltung des Unparteiischen wenig anfangen. „Für mich war das eine ganz klare Rote Karte. Ich weiß nicht, warum man sich so etwas nicht noch einmal anschaut“, zürnte der Offensivmann des SV Werder Bremen. „Dafür ist der VAR doch da.“ Und Ducksch ergänzte: „Ich habe den Schiedsrichter gefragt, und er hat mir gesagt, dass alles gecheckt wurde. Es sei ein Foulspiel gewesen, aber mehr auch nicht. Ich glaube aber, dass es mehr war und finde das sehr fragwürdig.“ Trainer Ole Werner meinte derweil: „Ich habe mich auch gewundert, dass es dort gar nichts gab und denke, dass man da über Dunkelgelb bis Rot sprechen kann.“ Die gute Nachricht war, dass Marco Friedl trotz großer Schmerzen bis zum Schluss weiterspielte und optimistisch in die Zukunft schaute. „Es wird nicht so schlimm sein, denke ich, aber es tut natürlich weh, wenn du so getroffen wirst“, sagte er, während Ole Werner erklärte: „Ich habe die Hoffnung, dass wir da mit dem Schrecken davongekommen sind.“
Genauso wie in Minute 73, als Marco Friedl abermals im Fokus stand. Dieses Mal hatte er Elias Saad im Strafraum des SV Werder Bremen zu Fall gebracht, doch recht überraschend griff Schiedsrichter Reichel auch dieses Mal nicht zur Pfeife. „Ganz ehrlich: Ja, ich treffe ihn“, gab Werders Kapitän später zu Protokoll. „Mein Gefühl war aber die ganze Zeit, dass die Aktion vorher außerhalb des Strafraums beginnt. Wenn es einen Elfmeter gibt, darf ich mich nicht beschweren. Schade für die, Glück für uns.“ (mbü)
Rubriklistenbild: © gumzmedia