Werder-Krise
Werder-Kapitän Marco Friedl schlägt Alarm: „Wir müssen alle eine Schippe drauflegen, ansonsten wird es eng“
Während der Länderspielpause spricht Kapitän Marco Friedl über die sportliche Krise des SV Werder Bremen, Trainer Ole Werner, die Gegentor-Flut sowie über das Wiedersehen mit Ex-Bremer und BVB-Star Niclas Füllkrug. Der 25-jährige Österreicher hat eine klare Forderung an alle Werder-Spieler.
Bremen – Die Aktion nur für sich genommen, wäre nicht weiter erwähnenswert gewesen: ein verunglückter Fernschuss, der irgendwo auf der Tribüne anstatt auch nur in der Nähe des Tores landet. Und so blieb sie vollkommen zurecht eine Randnotiz während Werders 2:3-Heimniederlage gegen die TSG Hoffenheim. Nur eben für Marco Friedl nicht. „Nach meinem unfassbaren Schuss, der 25 Meter drüber ging, hab ich es wieder gemerkt“, berichtet der Kapitän des SV Werder Bremen und meint mit „es“ seine eigentlich als auskuriert betrachtete Bauchmuskelverletzung, die am vergangenen Spieltag wieder aufbrach. „Ich hätte lieber nicht schießen sollen“, sagt Friedl, für den während der aktuellen Länderspielpause nun zunächst abermals individuelles Training angesagt ist. Was den Österreicher aber nicht davon abhält, gegenüber Journalisten Klartext zu sprechen. Schnell wird dabei klar: Friedl ist gerade ziemlich unzufrieden, was ausdrücklich nicht nur an seinen lädierten Bauchmuskeln liegt. Es gibt da weitere unangenehme Punkte, die den 25-Jährgen nerven.
„Es ist schon seit Längerem Thema bei uns, dass man nicht weiß, was man bekommt. Wir haben extreme Schwankungen in unseren Leistungen“, sagt Marco Friedl – und hält fest: „Wir bekommen die Spiele über 90 Minuten nicht so hin, wie wir es uns vorstellen.“ Eine Tatsache, die sich nach nunmehr sieben Spieltagen auch in der Tabelle widerspiegelt. Auf Rang 14 mit sechs Zählern auf dem Konto geht der Blick des SV Werder Bremen längst nach unten, nicht nach oben. Was den Kapitän zu folgendem Appell an seine Mitspieler bewegt: „Es geht darum, dass wir unsere Punkte holen, und die haben wir bisher nicht so geholt, wie wir uns das vorgestellt haben. Die nächsten Wochen werden nicht einfacher. Ich will nicht sagen, dass es Fünf vor Zwölf ist, aber wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass wir alle eine Schippe drauflegen müssen.“ Pause. Zusatz: „Ansonsten wird es eng.“ Das sei aber auch jedem bewusst. Unter anderem, weil regelmäßig darauf hingewiesen werde.
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Werder Bremen-Kapitän Marco Friedl fordert klare Leistungssteigerung: „Ansonsten wird es eng.“
„Wir Führungsspieler und auch sonst alle im Verein gehen knallhart miteinander ins Gericht. Es kann sein, dass das dem einen oder anderen manchmal nicht so gefällt, aber es geht darum, dass wir an unser Leistungslimit kommen, und das haben wir in den vergangenen Wochen nicht geschafft.“ Dass deshalb oftmals die wackelige Defensive des SV Werder Bremen in der Kritik steht, empfindet Innenverteidiger Marco Friedl als unfair: „Es gibt viele Gründe, warum wir zu viele Gegentore kassieren. Das liegt nicht immer nur an der Abwehr. Die ganze Mannschaft ist dafür verantwortlich. Es ist ein Kollektivproblem.“
Vor dem Hoffenheim-Spiel hatte Friedl zwei Partien verletzt zuschauen müssen (Stichwort: Bauchmuskeln), gegen Köln (2:1) und in Darmstadt (2:4) war er nicht mit dabei. Womöglich hätte Cheftrainer Ole Werner aber sogar dann nicht auf Marco Friedl gesetzt, wenn der topfit gewesen wäre. Zumindest hatte der 35-Jährige vor dem Köln-Spiel darauf verzichtet, seinem damals noch nicht verletzten Kapitän auf Nachfrage eine Einsatzgarantie auszusprechen. Sagen wir es so: Als Rückendeckung für Friedl, so die allgemeine Lesart, kam das nicht an. „Ich habe das relativ unaufgeregt aufgefasst“, sagt Friedl, schiebt aber sogleich hinterher: „Klar hätte er sich da anders positionieren können. Fakt ist, dass ich immer spielen will, und ich gehe auch davon aus, dass ich gespielt hätte.“ Grundsätzlich könne er die Sicht Werners aber nachvollziehen, „denn die letzten Wochen waren nicht so, dass man bei irgendjemandem am Dienstag oder Mittwoch schon sagen muss, dass er spielt. Auch beim Kapitän nicht.“
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Werder Bremen-Kapitän Marco Friedl stärkt Trainer Ole Werner den Rücken: „Er ist absolut top für uns“
In der Tat schwankt auch Werder Bremens Mann mit der Rückennummer 32 weiterhin stark in seinen Leistungen, ist deshalb sportlich nicht über jeden Zweifel erhaben. Mit dem Trainer spreche er sehr viel, berichtet Friedl, ehe er unmissverständlich deutlich macht, dass er Ole Werner für den richtigen Mann am richtigen Ort hält: „Ich bin sehr froh, dass wir diesen Trainer haben und hoffe, dass es noch sehr, sehr lange so bleibt.“ Auch in der sportlich schwierigen Zeit habe sich Werner nicht verändert. „Er versucht, sich von jedem eine Meinung einzuholen und die Dinge auch aus der Sicht von uns Spielern zu sehen“, sagt Friedl und hält zur Sicherheit noch einmal fest: „Der Trainer ist absolut top für uns.“ Nach Clemens Fritz als Leiter Profifußball und Sportchef Frank Baumann ist der Kapitän nun bereits der dritte Werder-Wortführer, der Werner öffentlich demonstrativ den Rücken stärkt – und stattdessen die Spieler in die Pflicht nimmt, das Ruder herumzureißen. Nach Möglichkeit, so unwahrscheinlich sich das dieser Tage auch lesen mag, bereits am kommenden Spieltag auswärts beim formstarken Vizemeister Borussia Dortmund (Freitag, 20. Oktober, 20.30 Uhr im DeichStube-Liveticker).
„Jetzt kommt ein Gegner, gegen den man eine Topleistung braucht. Darauf arbeiten wir hin. Solche Spiele brauchst du, um vielleicht den Turnaround zu schaffen“, sagt Marco Friedl – und erinnert: „Ich bin lange genug im Verein. Es gab viele schwierige Phasen. Im Großen und Ganzen sind wir da immer wieder herausgekommen, wenn wir als Mannschaft zusammengestanden haben.“ (dco)