Werder ohne Chance

Kaum konkurrenzfähig: Werder Bremen bekommt in Frankfurt die eigenen Probleme schonungslos aufgezeigt

So ist der SV Werder Bremen kaum konkurrenzfähig in der Bundesliga: Die Grün-Weißen bekommen von Eintracht Frankfurt schonungslos die eigenen Probleme aufgezeigt!

Frankfurt – Tore über Tore, die Bilder in schwarz-weiß, und das Ganze unterlegt mit dem Mando-Diao-Hit „Down In The Past“ – die Stadionregie von Eintracht Frankfurt hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen, um das ausverkaufte Haus am Samstag kurz vor dem Anstoß auf das Heimspiel gegen den SV Werder Bremen einzustimmen. Über den großen Videowürfel, hoch über dem Rasen, flimmerte eine Kurzzusammenfassung des legendären Frankfurter 7:0-Erfolgs über Werder, datierend vom 4. April 1964. Zugegeben: Der Bezug zur Gegenwart fiel da zunächst schwer, hatte sich aber spätestens nach dem Schlusspfiff herauskristallisiert. Denn selbst wenn es für die Bremer 61 Jahre später nicht ganz so bitter kam, waren sie den Hessen im August 2025 ebenfalls in allen Belangen unterlegen und verloren am Ende deutlich – 1:4 (0:2). Ein (nicht ganz unerwarteter) Fehlstart in die neue Saison, der das ohnehin triste Werder-Bild noch ein Stückchen trister werden ließ. „Wir dürfen weiter arbeiten.“ Mit diesem Satz schloss Trainer Horst Steffen sein Spiel-Resümee. Genug zu tun gibt es wahrlich. Auf und neben dem Platz.

Felix Agu (am Ball) erwischte keinen guten Tag im Auswärtsspiel des SV Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt - Kapitän Marco Friedl war nach der Partie mit der Teamleistung unzufrieden.

Werder Bremens Marco Friedl nach Pleite gegen Eintracht Frankfurt: „Wir müssen als Team bessere Leistungen bringen“

Dass die Bremer angesichts von stockenden Transferplänen und großer Personalsorgen beim Vorjahresdritten und Champions-League-Teilnehmer aus Hessen nicht als Favorit ins Rennen gehen, stand von vornerein fest. Und doch war es erschreckend zu sehen, wie sehr sich die Mannschaft das Leben selbst schwer machte. „Wir haben uns drei von vier Gegentore selbst eingeschenkt“, kritisierte Kapitän Marco Friedl. „Das gehört zur Wahrheit und macht die Situation nicht besser.“ Auf die großen Umbauten im Defensivverbund – angefangen bei der neuen Nummer eins Mio Backhaus bis zur Außenverteidiger-Aushilfe Julian Malatini – wollte Friedl das nicht ausschließlich schieben: „Trotzdem müssen wir als Team bessere Leistungen bringen. Wir haben so einen kleinen Kader, da müssen wir einfach zusammenhalten und an unser Limit kommen. Und zwar nicht über ein paar Minuten oder eine Halbzeit, sondern über die gesamte Dauer. Sonst reicht es nicht. Gegen keine Mannschaft der Liga.“ Es waren auffallend alarmierende Worte, vor allem nach einem ersten Spieltag. Und doch waren sie nach der Pleite gegen Eintracht Frankfurt genauso sehr berechtigt. Das Nervenkostüm des SV Werder Bremen, das lässt sich festhalten, ist bereits zu Saisonbeginn extrem angespannt. Was fraglos mit dem bisher völlig verkorksten Transfersommer zusammenhängt.

Während sich Marco Friedl einen erneuten Appell in Richtung der Bosse des SV Werder Bremen verkniff („Ich habe meine Meinung dazu gesagt. Mehr gibt es dazu von mir nicht“), kündigte Sportchef Clemens Fritz an, „dass wir noch etwas tun werden“. Was genau und wann, ließ er offen. Erneuerte aber das Credo, dass bei Werder Sorgfalt vor Aktionismus gehe. Klar ist: Zeit für Verstärkungen ist nur noch bis Montag, 1. September, 18 Uhr. Dann schließt das Sommer-Transferfenster in Deutschland. Cheftrainer Horst Steffen sagte nach dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt: „Wir sind alle darum bemüht, dass wir unseren Kader so aufstellen, dass wir besser werden.“ Erreichbar ist das für den 56-Jährigen neben der Verpflichtung von neuen Spielern durch gutes Training und das Hoffen auf eine baldige Rückkehr der ersten verletzten Profis. „Dann haben wir einen guten Kader beisammen“, sagte er – und betonte: „Dafür sind aber noch ein paar Dinge zu tun, das ist ganz klar.“

Werder Bremens Horst Steffen: „Je länger das Spiel gedauert hat, desto mehr Räume mussten wir öffnen - der Gegner hat das ausgenutzt“

Bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Eintracht Frankfurt musste Horst Steffen mit dem arbeiten, was ihm aktuell bei Werder Bremen an fittem Personal zur Verfügung steht. Abgesehen von je einer etwas besseren Phase pro Halbzeit sah das über weite Strecken nicht bundesligatauglich aus. Die Folge: Vor der Pause besorgten Can Uzun (22.) und Jean-Matteo Bahoya (25.) per Doppelschlag das 2:0 für die Hausherren, was einen ordentlichen Bremer Beginn torpedierte. Steffen: „Nach dem 0:2 war es schleppend bis zur Halbzeit, weil nicht mehr ganz so viel Überzeugung in unserem Spiel war.“ Für Durchgang zwei hatten sich die Bremer in der Kabine zwar viel vorgenommen – dazu, es umzusetzen, kamen sie aber nicht, weil Bahoya mit seinem zweiten Treffer für die Vorentscheidung sorgte (47.). An den Kräfteverhältnissen änderte auch das schnelle Bremer 1:3 durch Justin Njinmah nichts mehr (48.). „Je länger das Spiel gedauert hat, desto mehr Räume mussten wir öffnen. Da hat der Gegner dann einfach die Qualität, um das auszunutzen“, sagte Steffen über das Tor von Ansgar Knauff, der in der 70. Minute den 4:1-Endstand markierte. Dass sich die Werder-Krise an diesem Tag weiter verschärfen würde, hatte schon lange vorher festgestanden. „Wir stehen nicht gut da. Gerade läuft vieles in die falsche Richtung“, monierte Marco Friedl.

Ganz am Ende war also klar, dass die Stadionregie mit dem Frankfurter 7:0-Erfolg aus der Vergangenheit eine gute Videoauswahl getroffen hatte. Gut wäre es für alle Bremer nur, wenn die Fans von Eintracht Frankfurt mit ihrem Blick in die Zukunft nicht Recht behalten: 76 Minuten waren am Samstag gespielt, als die Frankfurter Nordwestkurve lautstark „Absteiger, Absteiger, Absteiger“ in Richtung des SV Werder Bremen skandierte. (dco)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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