DeichStube-Meinung zum Werder-Coup
Kommentar zur Füllkrug-Verpflichtung: Werders vielversprechende Wette
Der Transfer von Niclas Füllkrug könnte sich für Werder Bremen zum Coup entwickeln, doch er ist auch riskant, meint DeichStube-Chefreporter Daniel Cottäus in seinem Kommentar.
Niclas Füllkrug ist zurück beim SV Werder Bremen. Was noch vor wenigen Wochen wie eine fußball-romantische Vorstellung klang, ist seit Dienstagnachmittag tatsächlich Realität. Der Mittelstürmer, inzwischen 33 Jahre alt, wechselt für ein Jahr auf Leihbasis von West Ham United an den Osterdeich. Für Werder ist das in allererster Linie eine gute Nachricht. Der Transfer könnte sich gar zum echten Coup entwickeln und dem Kader genau jenes Element hinzufügen, das in der Offensive schon seit langer Zeit schmerzlich fehlt – Torgefahr! Riskant ist der Füllkrug-Deal für den SV Werder Bremen trotzdem, einer Wette gleich, die schonungslos Handeln und Möglichkeiten des Clubs auf dem Transfermarkt offenbart.
Kommentar: „Funktioniert nach Naby Keita und Victor Boniface auch das Modell Niclas Füllkrug nicht, käme Werder Bremens Clemens Fritz gewaltig in Erklärungsnot“
Bleibt der in seiner Karriere immer wieder von Verletzungen ausgebremste Niclas Füllkrug fit, hebt er den Angriff des SV Werder Bremen ad hoc auf ein neues Level. Der Bundesliga-Torschützenkönig von 2023 kennt Verein und Liga in- und auswendig und bringt inzwischen auch internationale Erfahrung mit. Füllkrug ist eine Galionsfigur, ein Gesicht, nein: ab sofort wieder das Gesicht des Vereins, das volle Identifikation mit Werder lebt und verkörpert. Genau das unterscheidet den Füllkrug-Deal von den Transfers eines Naby Keita oder zuletzt Victor Boniface, die in Bremen höchstens kreative Ergüsse in soziale Netzwerke schrieben – wegen anhaltender körperlicher Probleme und mangelnder Integration aber keine Erfolgsgeschichte.
Niclas Füllkrug soll sich körperlich in einem Top-Zustand befinden, seine letzte größere Verletzung liegt lange zurück. Werder Bremen ist nun die Wette darauf eingegangen, dass es während der Saison so bleibt, was nicht zuletzt für Sportchef Clemens Fritz wichtig ist. Anders formuliert: Funktioniert nach Naby Keita und Victor Boniface auch das Modell Füllkrug nicht, käme der Ex-Profi gewaltig in Erklärungsnot.
Kommentar: „Dass die wirtschaftliche Belastung der Rückkehr von Niclas Füllkrug überschaubar ist, ist ein elementarer Punkt für Werder Bremen“
Dass die wirtschaftliche Belastung der Füllkrug-Rückkehr überschaubar ist, ist ein elementarer Punkt für Werder. Zur Wahrheit des Deals gehört nämlich auch, dass es der Scouting-Abteilung nicht gelungen ist, Alternativen zu finden, die qualitativ passend und bezahlbar sind. Werder ist auf dem in Teilen überhitzten Markt in vielen Momenten kaum handlungs- und wettbewerbsfähig. Dass in Eren Dinkci und nun Niclas Füllkrug doch wieder zwei Spieler per Leihe und jeweils ohne Kaufoption kommen, unterstreicht das. Beide Deals versprechen fraglos sportlichen Erfolg, für einen nachhaltigen Aufbau stehen sie nicht.
Die große Aufgabe im Fall von Niclas Füllkrug wird es nun für Cheftrainer Daniel Thioune sein, den neuen Führungsspieler clever ins Gefüge einzubauen, sodass er auf dem Platz mit Toren weiterhilft, gleichzeitig aber die Entwicklung von Talenten wie Salim Musah nicht blockiert. (dco)
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