Werder-Krise dauert an
Mehr Einheit, weniger Ego: Werder zeigt sich trotz nächster Niederlage verbessert – hat aber noch weiten Weg vor sich
Werder Bremen hat nach den zuletzt schwachen Auftritten in der Liga und dem blamablen DFB-Pokal-Aus in Bielefeld eine Reaktion gezeigt, sein Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg aber dennoch verloren. So ordnen die Protagonisten die aktuelle Krise ein.
Bremen – Egal wohin man hörte, dieser eine Satz war überall zu vernehmen. Mal sprach ihn Milos Veljkovic, dann Amos Pieper, später waren es Peter Niemeyer und Ole Werner. Aus sechs Worten bestand er und beschrieb das, worauf alle, die es mit dem SV Werder Bremen halten, gehofft hatten: „Wir haben die richtige Reaktion gezeigt.“ Die nächste Niederlage hatte es trotzdem gegeben, nun schon die fünfte in Folge. Mit 1:2 unterlagen die Norddeutschen dem VfL Wolfsburg, verharren in der Tabelle bei 30 Zählern und haben jetzt noch 13 Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone. Nur noch. Zutaten einer trügerischen Mixtur, die noch richtig gefährlich werden kann. Deshalb wollte sich auch niemand auf der oft zitierten Reaktion ausruhen. Alles andere wäre auch fahrlässig.
Fünfte Niederlage in Folge: Werder Bremen steckt tief in der Krise - „Es passt, dass wir das Spiel verlieren“
„Es war vieles von dem da, was wir uns vorgenommen haben und was wir brauchen werden in den nächsten Wochen. Es war aber das Mindeste, was wir an Reaktion zeigen konnten“, mahnte etwa Innenverteidiger Pieper und fügte vielsagend an: „Von der Qualität der Chancen her müssen wir das Spiel gewinnen, aber es passt in die Situation, dass wir es verlieren.“ Immerhin: Nach dem frühen 0:1 durch Patrick Wimmer (6.), bei dem Torhüter Michael Zetterer keinen guten Eindruck hinterließ, hätte es nicht verwundert, wenn Werder Bremen nach den Ereignissen der Vorwochen auseinandergebrochen wäre. Doch das passierte nicht.
Werder Bremen wehrte sich, nahm die Zurückhaltung der Gäste dankend an und erspielte sich gute Chancen. Erst André Silva (20./22.) und vor allem Jens Stage (29.) sorgten allerdings nicht für den verdienten Ausgleich. Stattdessen war auch nach der Pause wieder direkt der erste Schuss des Gegners drin, bei dem Zetterer abermals unglücklich agierte, und die Elf von Trainer Ole Werner musste einem Zwei-Tore-Rückstand hinterherlaufen. Das tat sie zwar weiterhin bemüht, aber nicht mehr ganz so zwingend wie zuvor. Mehr als ein spätes Tor von Mitchell Weiser (90.) gelang nicht mehr.
Werder Bremen zeigt Reaktion auf enttäuschende Auftritte, steckt nach Niederlage gegen VfL Wolfsburg aber weiter in der Krise
„Wir haben insgesamt ein gutes Heimspiel gemacht, das wir in puncto Effektivität verloren haben“, befand Werder Bremens Chefcoach Ole Werner, demonstrierte aber regelrecht eine gehörige Portion Optimismus: „Vom Auftreten her war es verbessert und so, wie es sein muss. Daran können wir uns für die nächsten Aufgaben, die nicht leichter werden, ein Beispiel nehmen. Aber wenn wir das gemeinsam tun und dann hoffentlich auch mal der eine oder andere Spieler zurückkommt und fit bleibt, bin ich guter Dinge, dass wir bald wieder etwas zu feiern haben.“ Eigentlich benötigt seine Mannschaft jedoch schnell Erfolgserlebnisse. Für die Tabelle, aber vor allem für den Kopf und das eigene Wohlbefinden. Sonst wird das Krisengerede so bald nicht abebben.
In diesen Tagen sind die Profis jedenfalls wahrlich nicht zu beneiden. Sie alle wissen, dass sie sich und ihre Mannschaft in eine äußerst frustrierende Situation manövriert haben, auch den Fans eine Menge zugemutet haben. Doch bei der Suche nach dem einen prägnanten Grund, der verständlich machen soll, was dem SV Werder Bremen seit dem Jahreswechsel genau abhandengekommen ist, tappen auch sie im Dunkeln. Was keine Überraschung ist. Bei der Vielschichtigkeit der Probleme sollen sie das Unerklärliche irgendwie erklärbar machen. Kein einfacher Job. Mitchell Weiser probierte es trotzdem. „Wir tun uns schwer, die Spiele erfolgreich zu gestalten. Das ist uns vorm Winter gelungen. Da haben wir auch nicht besseren Fußball gespielt, aber wir haben einfach die entscheidenden Zweikämpfe gewonnen, und das gelingt uns im Moment nicht“, verdeutlichte der 30-Jährige am „Sky“-Mikrofon. „Deswegen verlieren wir die Spiele, doch darum geht es im Fußball: die entscheidenden Dinge für sich zu entscheiden. Das hat bei uns nichts mit Ego zu tun, sondern einfach gerade auch mit Qualität.“
Werder Bremen nach Niederlage gegen VfL Wolfsburg tief in der Krise: „Jeder muss hart an sich arbeiten“
Wahre Worte, die viel über Werder Bremens Ist-Zustand aussagen. Und so bleibt den Bremern aktuell nichts anderes übrig, als dieser Qualität wieder nachzueifern, das verschüttete Können zurück ans Tageslicht zu hieven. „Jeder muss bei sich selbst anfangen und Tag für Tag hart an sich arbeiten“, forderte Milos Veljkovic. „Man darf nicht zu weit nach vorne schauen im Fußball, sondern muss versuchen, es Schritt für Schritt besser zu machen. Dann kommt auch irgendwann das Resultat.“ Die Rückkehr zu fußballerischer Normalität ist also möglich, aber sie wird wohl noch dauern. „Wir haben heute schon wieder ein normales Spiel gemacht“, meinte Ole Werner immerhin. „Wir haben aktuell ein Problem mit der Effektivität, wenn es ums Gewinnen von Spielen geht – sowohl offensiv als auch defensiv.“
Und selbstverständlich spiele es auch eine Rolle, dass Leistungsträger bei Werder Bremen aus verschiedensten Gründen nicht auf ihrem Topniveau agieren, häufige Ausfälle den Rhythmus empfindlich stören und jetzt auch noch eine Krankheitswelle durch den Kader schwappt. Gepaart mit den schlechten Ergebnissen der jüngeren Vergangenheit können die Schultern da schon mal durchhängen. „Natürlich ist es in solch einer Phase für den Kopf schwierig, aber du kommst da nur heraus, wenn du investierst und jeden Tag gemeinsam hart arbeitest“, unterstrich Ole Werner. „Wenn wir das tun, werden wir auch wieder einen richtigen Weg einschlagen. Wie weit er ist, das weiß ich nicht.“ (mbü)