Werder-Kritik trotz Sieg

Nach schwachem Auftritt: Thioune mit klarer Ansage an Werder-Profi Mbangula – „Er muss mehr arbeiten und sich unverzichtbar machen“

Nach einem schwachen Auftritt im DFB-Pokal gegen den Lüneburger SK kritisiert Werder Bremens Trainer Daniel Thioune Samuel Mbangula deutlich.

Marco Friedl war der Ärger anzumerken. Kaum ertönte der Halbzeitpfiff beim 3:0-Sieg des SV Werder Bremen im Pokalspiel gegen den Oberligisten Lüneburger SK Hansa, da sprintete der Bremer Kapitän in die Kabine. Dort hatte er einige schärfere Worte an seine Kollegen zu richten, die insbesondere im ersten Abschnitt die nötige Kreativität und Spiellaune im letzten Drittel ordentlich vermissen ließen. Ein exemplarisches Beispiel war der Auftritt von Samuel Mbangula.

Eine der wenigen Szenen, in denen Samuel Mbangula mal seinem Gegenspieler entwischt: Der Profi des SV Werder Bremen zeigte bei DFB-Pokal-Duell mit dem Lüneburger SK eine schwache Leistung.

Werder Bremens Kapitän Marco Friedl übt Kritik: „Das sind Sachen, die nerven nicht nur mich“

„Ich habe in der Halbzeit gesagt, dass die Flügelspieler nach innen kommen müssen, wenn der Außenverteidiger hochgeht und wir Innenverteidiger andribbeln. Das war in der ersten Halbzeit nicht einmal der Fall. Das sind Sachen, die nerven, nicht nur mich, denn es ist anders besprochen“, machte Friedl nach der Partie in Richtung von Mbangula und Justin Njinmah deutlich und schob vielsagend hinterher: „Deshalb verstehe ich auch, dass der Trainer in der Pause zweimal gewechselt hat.“

Unter anderem der Belgier Samuel Mbangula blieb nach einer äußerst schwachen Vorstellung in der Kabine. Beim zweiten Wechsel, dem von Senne Lynen, war es aufgrund der langen verletzungsbedingten Ausfallzeit des Sechsers bereits im Vorfeld so besprochen gewesen. Mbangulas Auswechslung hatte hingegen eindeutig sportliche Gründe, wie Cheftrainer Daniel Thioune im Nachgang der Partie erklärte. „Ich war nicht zufrieden, wir waren nicht zufrieden – unter anderem mit der Umsetzung des Matchplans. Er sollte deutlich weiter oben stehen, Eins-gegen-eins-Situationen kreieren und versuchen, für Torchancen zu sorgen. Das ist ihm ein bisschen abgegangen.“ Zwar hatte der 22-Jährige auf der linken Außenbahn mehrere Ballkontakte, doch die meisten Zweikämpfe konnte er nicht für sich entscheiden. Zudem unterliefen ihm gleich mehrere vermeidbare Abspielfehler und Unkonzentriertheiten.

Nach schwachem Auftritt - Daniel Thioune mit klarer Ansage an Werder Bremens Samuel Mbangula: „Er muss mehr arbeiten“

Und das, obwohl im Laufe dieser Vorbereitung alle Beteiligten im Werder-Lager nicht müde wurden, öffentlich den anderen, verbesserten Auftritt Mbangulas in Bremen zu betonen. Durch den Umzug seiner Verlobten und des gemeinsamen Kindes nach Bremen sollte sich der junge Belgier nach einem insgesamt eher verkorksten ersten Jahr endlich an der Weser so richtig wohlfühlen. Samuel Mbangula schien – zumindest war das der öffentliche Eindruck – innerhalb des Teams deutlich mehr angekommen zu sein. Zur Wahrheit gehört aber eben auch, dass bereits seine Auftritte in der Vorbereitung – mit Ausnahme des Spiels bei Energie Cottbus – deutlich verbesserungswürdig waren. Ein Umstand, der auch innerhalb des Weserstadions registriert wird. Dort soll man mit den Auftritten des Zehn-Millionen-Einkaufs aus dem Vorjahr bei Weitem noch nicht zufrieden sein. Umso mehr sollte sich der Flügelspieler nun eigentlich gegen Lüneburg positiv in den Fokus spielen.

„Er muss jetzt einfach mal wieder ein bisschen mehr arbeiten und sich unverzichtbar machen“, wurde Thioune deutlich. „Es war heute gegen einen Oberligisten für alle eine Aufgabe, sich da freizuspielen. Da hat es Sam dann nicht so gemacht, wie ich es mir gewünscht hätte.“

Auch Werder Bremens Sportchef Clemens Fritz nimmt Samuel Mbangula in die Pflicht: „Hätte mir mehr Tempo in den Aktionen gewünscht“

Auch Sportchef Clemens Fritz zeigte sich nicht einverstanden mit der Leistung des zweitteuersten Neuzugangs der Vereinsgeschichte. „Ich hätte mir von ihm heute ein bisschen mehr Zutrauen und Tiefgang gewünscht. Auch Tempo in den Aktionen“, sagte Fritz, der allerdings auch betonte: „Wir haben heute nicht alles richtig gemacht und haben noch Luft nach oben. Das betrifft nicht nur Sam.“

Und auch Daniel Thioune wollte trotz der Kritik die allgemeine Hoffnung, dass Samuel Mbangula in seiner zweiten Saison bei Werder Bremen endgültig durchstartet, nicht aufgeben. „Wir arbeiten weiter fleißig mit ihm und hoffen, dass sich das wieder ändert und bessert.“ Dafür wird sich der 22-Jährige jedoch steigern müssen. „Jeder hat den Auftrag, sich unverzichtbar zu machen. Das ist ihm heute nicht ganz so gelungen“, stellte Thioune klar. (bvo)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Oliver Ruhnke

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