Höttges mit 79 Jahren gestorben

Viel mehr als ein „Eisenfuß“: Ein Nachruf auf die große Werder-Legende Horst-Dieter Höttges

Der als „Eisenfuß“ bekannte Horst-Dieter Höttges zählt zu den größten Legenden des SV Werder Bremen, mit Deutschland wurde er außerdem Welt- und Europameister. Nun ist er 79-jährig gestorben.
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Der als „Eisenfuß“ bekannte Horst-Dieter Höttges zählt zu den größten Legenden des SV Werder Bremen, mit Deutschland wurde er außerdem Welt- und Europameister. Nun ist er 79-jährig gestorben.

Er zählt zu den größten Legenden des SV Werder Bremen, war Europa- und Weltmeister. Jetzt ist Horst-Dieter Höttges im Alter von 79 Jahren gestorben. Ein Nachruf auf einen Mann, der viel mehr war als nur ein „Eisenfuß“.

Bremen – Diesen Triumph Spitfire musste er unbedingt haben, die Sache hatte nur einen Haken: Horst-Dieter Höttges besaß 1965 gar keinen Führerschein. Also ließ er sich von Hans Schulz, seinem Teamkollegen beim SV Werder Bremen, mit dem schmucken Roadster aus England durch Bremen fahren. „Das war schon eine verrückte Geschichte“, erinnert sich Schulz im Gespräch mit der DeichStube: „Als ich mich dann geweigert habe, ihn nach Mönchengladbach zu bringen, hat er mir das Auto kurzerhand für kleines Geld verkauft. Horst war immer auch sehr großzügig.“ Und keineswegs großspurig, wie die Anekdote auf den ersten Blick vielleicht vermuten lässt. Höttges agierte nur immer sehr zielstrebig und wurde unter dem Spitznamen „Eisenfuß“ zu einem der erfolgreichsten Fußballer des SV Werder Bremen. Am 22. Juni ist der Ehrenspielführer im Alter von 79 Jahren verstorben, wie die Familie jetzt bekanntgab. Höttges litt seit Jahren unter Demenz, genauso wie seine Frau. Gemeinsam lebten sie in einer Seniorenresidenz im Bremer Umland. Die beiden Söhne überlegen nun mit Werder, wie eine angemessene Beisetzung für den Meister von 1965, den Europameister von 1972 und den Weltmeister von 1974 aussehen könnte.

„Eisenfuß“ Horst-Dieter Höttges tot: Werder Bremen würdigt ihn als „einen der größten Werderaner aller Zeiten“

„Mit Horst-Dieter Höttges verlieren wir einen der größten Werderaner aller Zeiten und einen der besten Fußballer, die es je in Deutschland gab“, betont Werder-Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald in einer Mitteilung des Clubs. 1964 war Höttges von Borussia Mönchengladbach an die Weser gewechselt und holte mit den Grün-Weißen sofort die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte. „Horst war der jüngste Spieler in unserer Mannschaft, aber er war so präsent und stark, dass wir alle wussten: Das ist ein absoluter Nationalspieler. Werder hatte viele gute Fußballer, aber Horst war ein Ausnahmefußballer“, urteilt Schulz und möchte in Sachen Spitzname unbedingt noch etwas klarstellen: „Horst wurde ja als ,Eisenfuß’ bezeichnet, weil er niemanden schonte und keine Verletzungen kannte, aber er war auch ein guter Techniker. Der Ball war nicht sein Feind. Sonst hätte er auch nicht diese Karriere machen können. 66 Länderspiele waren früher unglaublich viel. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was er in der heutigen Zeit für einen Marktwert hätte.“

Horst-Dieter Höttges wäre es wahrscheinlich egal gewesen, ein Wechsel kam für ihn nicht infrage, obwohl ihn zahlreiche Clubs holen wollten. Aus gutem Grund: Kein Stürmer auf dieser Welt spielte gerne gegen Höttges, der in der Abwehr stets ziemlich kompromisslos zu Werke ging. Die Schalke-Legende Stan Libuda sagte mal vor einem Spiel gegen Werder Bremen: „Nee, Trainer. Da brauch’ ich gar nicht erst mitfahren. Da geht es gegen den Höttges. Da seh’ ich den Ball genau zweimal: Beim Anstoß und wenn die das Tor geschossen haben.“

Horst-Dieter Höttges hielt legendäres Versprechen: „Solange ich bei Werder spiele, steigt der Verein nicht ab“

Horst-Dieter Höttges wurde schnell Nationalspieler, war bei gleich drei Weltmeisterschaften dabei: 1966, 1970 und 1974. Die Krönung gab es zum Schluss mit dem Titelgewinn. Zwei Jahre zuvor hatte der gebürtige Mönchengladbacher schon den EM-Titel bejubeln dürfen. „In Mannschaften, die im Rückblick vor allem für ihre Spielstärke gepriesen werden, war er der fleißige Arbeiter, dem kein Weg zu weit, kein Auftrag zu schwer war – und der damit seine Kollegen glänzen ließ. Ohne Spieler wie ihn kann keine Mannschaft erfolgreich sein“, unterstreicht DFB-Präsident Bernd Neuendorf die Bedeutung des Verteidigers.

Trauerflor und Gedenkminute: Werder Bremen würdigt bei Eröffnungsspiel gegen den FC Bayern Legende Horst-Dieter Höttges!

Mit Werder Bremen lief es für Höttges irgendwann nicht mehr so gut. Doch er stemmte sich mit aller Macht gegen den Niedergang. „Solange ich bei Werder spiele, steigt der Verein nicht ab“, lautete sein legendäres Versprechen, das er auch einhielt. 1978 beendete Höttges seine Profi-Karriere – nach 420 Bundesligaspielen. Nur Keeper Dieter Burdenski hat noch mehr Partien für Werder absolviert. Unvergessen ist Höttges‘ Abschiedsspiel 1979 gegen eine Weltauswahl im Weserstadion. Die Einnahmen spendete er später der Aktion „Ein Herz für Kinder“. Die Trikots ließ er von allen Teilnehmern unterschreiben und lagerte sie in seinem Haus in Achim. Denn der Fußballer Horst-Dieter Höttges war auch ein leidenschaftlicher Sammler – vor allem bei seinen Länderspielreisen. Dieser Höttges-Schatz kam Ende vergangenen Jahres unter den Hammer, um auch mit diesem Geld wieder etwas Gutes zu tun. „Mein Vater hat immer gesagt, dass er etwas zurückgeben will. Er war ohnehin jemand, der gerne geschenkt hat“, berichtete damals Höttges’ Sohn Andree.

Horst-Dieter Höttges: Seine Karriere in Bildern

8. Mai 1965: Horst-Dieter Höttges (li.) feiert die Meisterschaft mit Werder Bremen.
8. Mai 1965: Horst-Dieter Höttges (li.) feiert die Meisterschaft mit Werder Bremen. © imago
Höttges (re.) im Duell mit Schalkes Reinhard Libuda im April 1965.
Höttges (re.) im Duell mit Schalkes Reinhard Libuda im April 1965. © imago
Saison 1967/68: Höttges im Duell mit Bayerns Gustav Jung. Das Auswärtsspiel in München gewinnen die Bremer mit 3:2.
Saison 1967/68: Höttges im Duell mit Bayerns Gustav Jung. Das Auswärtsspiel in München gewinnen die Bremer mit 3:2. © imago
Horst-Dieter Höttges im Duell mit Franz Beckenbauer 1969.
Horst-Dieter Höttges im Duell mit Franz Beckenbauer 1969. © imago
Europameister 1972: Horst-Dieter Höttges (re.) und Gerd Müller nach dem Sieg.
Europameister 1972: Horst-Dieter Höttges (re.) und Gerd Müller nach dem Sieg. © imago
Familienmensch Höttges 1974.
Familienmensch Höttges 1974. © imago
Die Weltmeister von 1974. Horst-Dieter Höttges ist oben Links im Bild zu sehen - und sichtlich gierig auf den Pott.
Die Weltmeister von 1974. Horst-Dieter Höttges ist oben Links im Bild zu sehen - und sichtlich gierig auf den Pott. © imago
18.03.1977: Werder Bremen fegt Borrussia Dortmund mit 3:0 aus dem heimischen Stadion, im Bild erziehlt Höttges das 2:0.
18.03.1977: Werder Bremen fegt Borrussia Dortmund mit 3:0 aus dem heimischen Stadion, im Bild erziehlt Höttges das 2:0. © imago
Berti Vogts gratuliert Horst-Dieter Höttges bei dessen Abschiedsspiel am 1. Dezember 1977.
Berti Vogts gratuliert Horst-Dieter Höttges bei dessen Abschiedsspiel am 1. Dezember 1977. © imago
Heimflug nach Bremen: Horst-Dieter Höttges und Willi Lemke nach dem Sieg des Europapokals der Pokalsieger am 7 Mai 1992.
Heimflug nach Bremen: Horst-Dieter Höttges und Willi Lemke nach dem Sieg des Europapokals der Pokalsieger am 7 Mai 1992. © imago
Horst-Dieter Höttges im März 2016.
Horst-Dieter Höttges im März 2016. © imago

Werder-Bremen-Legende Horst-Dieter Höttges gestorben: „Er war Werder und der Fußball sein Leben“

Sein Vater war auch nach der Karriere dem Fußball treu geblieben. Der Sportartikelhersteller Puma machte ihn zum Vertreter für den norddeutschen Raum, eine damals gängige Praxis bei den Stars der Branche. Zudem arbeitete er im Nachwuchsbereich des SV Werder Bremen. Höttges war sich dabei auch nicht zu schade, als Betreuer eingesetzt zu werden und Fahrdienste zu übernehmen. Den Führerschein hatte er ja inzwischen. Jahrelang gehörte es zum täglichen Bild am Weserstadion, dass Höttges mit seinem Mercedes die Wege in der Pauliner Marsch abfuhr und dabei immer wieder einen Plausch mit den Trainern und Spielern abhielt. Eine Notlösung: Denn wie früher die Trainingseinheiten auch zu Fuß zu besuchen, war ihm nicht mehr möglich. Der Fußball hatte seine Spuren hinterlassen. Genauso wie der Kampf mit dem Alkohol. Horst-Dieter Höttges musste sich zurückziehen, konnte nicht wie seit Jahrzehnten üblich die Werder-Spiele live im Stadion verfolgen.

„Dass er so lange vor Ort war, obwohl es ihm schon sehr schlecht ging, hat vor allem eines gezeigt: Er war Werder und der Fußball sein Leben“, sagt Schulz – und der 80-Jährige spricht aus, wie sich viele in der grün-weißen Welt gerade fühlen: „Ich bin einfach sehr traurig.“ (kni)

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