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Bremen - Als Werder Bremen beim FC Augsburg 3:1 siegte, klebte Clemens Fritz daheim am Fernseher. Bremer Spiele sind mittlerweile wieder Pflichttermine für den 37-Jährigen.
Nach seinem Karriereende vor zehn Monaten hatte sich der Ex-Kapitän der SV Werder erstmal Abstand von Club und Fußball verordnet. „Ich wollte in Ruhe die Vergangenheit reflektieren“, sagt er. Mittlerweile hat er aber wieder die Zukunft in den Blick genommen. Vor knapp drei Wochen startete sein Trainee-Programm bei Werder. Fritz wird in den kommenden zwei Jahren zum – ja, zu was eigentlich ausgebildet?
Ein klares Ziel hat der prominente Azubi noch nicht. „Ich schaue erstmal überall ein bisschen rein“, sagt der 37-Jährige, der die Freiheit genießt, sich nicht jetzt schon auf einen klar definierten Weg begeben zu müssen. Die Abbiegungen liegen noch vor ihm. Um am Ende zu wissen, welche er nimmt, absolviert er jetzt die Schnupperjahre in Bremen, wird im Verein alle Abteilungen durchlaufen. „Es ist spannend“, meint Fritz: „Für mich ist es wichtig, mich weiterzubilden, mich möglichst breit aufzustellen. Wo die Reise letztlich hingehen wird, weiß ich wirklich noch nicht. Ich bin auch ganz froh, dass ich mir diese Orientierungsphase erlauben kann.“
Trainer, Manager, Scout, Berater – das Berufsfeld Fußball ist für einen wie Clemens Fritz, der nicht nur 331 Bundesliga-Spiele absolviert hat (288 davon für Werder Bremen) und 22 Mal für die deutsche Nationalmannschaft spielte, sondern auch über ein schlaues Köpfchen verfügt, wie ein reich gedeckter Tisch. Er kann sich aussuchen, wo er zugreift. Satt wird er auf jeden Fall werden.
Derzeit lässt sich Fritz von Frank Baumann in die Geheimnisse des Managements einweihen. Er begleitet den ehemaligen Mitspieler und jetzigen Sportdirektor zu Terminen, nimmt an Sitzungen teil. Und lässt sich sicher auch en detail erklären, wieso Baumann das geworden ist, was er jetzt ist. Der 42-Jährige hatte seine Karriere nach der Profi-Laufbahn einst auch als Trainee beim damaligen Werder-Chef Klaus Allofs begonnen. Jetzt weiht er Fritz in die Kniffe und Abläufe des Geschäfts ein. Interessant sei das, meint Fritz, „mehr kann ich aber noch gar nicht sagen. Ich bin doch erst seit zwei Wochen dabei.“
Fritz warnt vor zu viel Sicherheit im Abstiegskampf
Schreibtisch statt Fußballplatz – man kann davon ausgehen, dass Clemens Fritz diesen Wechsel problemlos vollzieht. Hin und wieder mag er aber auch noch die Nähe zur Mannschaft, schaut in der Kabine vorbei, besucht die alten Kollegen, mit denen er in der vergangenen Saison noch gemeinsam auf dem Platz stand. „Man läuft sich hier ja zwangsläufig über den Weg“, sagt er mit einem Lachen. Auf gute Tipps und Ratschläge verzichtet er dann, er weiß schließlich, dass Trainer und Team schlau genug sind, mit dem (fast schon bewältigten) Abstiegskampf richtig umgehen.
Wenn er aber gefragt wird, dann sagt Fritz dies zur Bremer Situation: „Aus meiner Sicht ist man erst sicher, wenn man die nötigen Punkte hat. Der VfB Stuttgart war vor zwei Jahren ein gutes Beispiel. Dort ist passiert, womit niemand mehr gerechnet hatte.“ Der VfB sah sich schon gerettet, stürzte im Saisonendspurt aber noch auf einen Abstiegsplatz. „Deswegen“, meint der erfahrene Fritz, „tun bei uns alle gut daran, sich nicht zu sicher zu fühlen.“ Er klingt dabei schon wie ein Trainer. Oder doch wie ein Manager...?