Werder-Routinier nur Joker

„Da denkst du erstmal: Sch***e“: Bittencourt über seine Joker-Rolle gegen Leverkusen und wie er Werder die Wende brachte

Leonardo Bittencourt musste beim 3:3 gegen Bayer Leverkusen erstmals unter Trainer Horst Steffen auf die Bank des SV Werder Bremen. Wie der Routinier über die Joker-Rolle denkt und wie er die Wende brachte.

Bremen – Leonardo Bittencourt stand bereits an der Seitenlinie bereit, als er noch mitansehen musste, wie Niklas Stark mit einer Grätsche einen Elfmeter für Leverkusen verursachte und obendrein Gelb-Rot kassierte. So kam es, dass der erfahrene Mittelfeldspieler beim Heimspiel des SV Werder Bremen gegen Bayer 04 Leverkusen nicht beim Stand von 1:2, sondern bei einem Zwei-Tore-Rückstand und in Unterzahl eingewechselt wurde. „Da denkst du erstmal: Scheiße“, brachte Bittencourt nach der Partie seine Gefühlswelt auf den Punkt. „Aber direkt danach habe ich den Jungs probiert mitzugeben: Was soll jetzt noch passieren? Ich hatte das Gefühl, wir können sie trotzdem noch ein bisschen ärgern.“

Leonardo Bittencourt kam gegen Bayer Leverkusen als Joker ins Spiel und brachte mit Werder Bremen die Wende.

Mit Leonardo Bittencourt schafft Werder Bremen die Wende gegen Bayer Leverkusen: „Was soll jetzt noch passieren?“

Und das taten die Bremer – bekanntlich mit Erfolg. In der vierten Minute der Nachspielzeit erzielte Karim Coulibaly das 3:3. Leo Bittencourt hatte mit seiner Hereingabe den Ausgleich mit vorbereitet und insgesamt großen Anteil am Aufschwung des SV Werder Bremen in der Schlussphase. Der Deutsch-Brasilianer forderte viele Bälle, trieb seine Nebenmänner lautstark an und erwies sich als äußerst giftig im Gegenpressing. „Der Mut, den ich in die Mannschaft gebracht habe, der hat sich ausgezahlt“, meinte der 31-Jährige selbstbewusst, ruderte aber auch gleich ein wenig zurück: „Ich weiß aber auch, dass da ein bisschen Glück dazugehört.“

Dass Leonardo Bittencourt überhaupt nur von der Bank kam und nicht in der Startelf stand, war zunächst eine kleine Überraschung. An seiner Stelle begann der erst 18-jährige Patrice Covic neben Senne Lynen auf der Doppelsechs, rückte im Pressing aber auch immer wieder als eine Art Achter vor. „Ich habe die Leistung von Patrice in der Vorbereitung gesehen und hatte das Vertrauen, dass er es auch auf dieser Position gut machen wird. Seine hochintensiven Läufe waren der ausschlaggebende Grund, da er viele Situationen zulaufen kann. Deshalb hat er den Vorzug vor Leo erhalten“, erklärte Werder Bremens Cheftrainer Horst Steffen. Und fügte an: „Leo hat dann aber auch eindrücklich gezeigt, dass er da ist.“

Werder Bremens Leonardo Bittencourt über Bank-Rolle unter Horst Steffen: „Klar, ist das beim ersten Mal enttäuschend“

Für Leonardo Bittencourt war es nicht das erste Mal, dass er nach einer Nicht-Nominierung für die Startelf als Joker entscheidend eingriff. „Ich habe dem Trainer gesagt: Wenn ich reinkomme, probiere ich alles, das Beste zu geben und der Mannschaft so zu helfen“, betonte er. Ganz ohne Enttäuschung ging die Entscheidung des Trainers, nach zwei Pflichtspielen in der Startelf ihn erstmal auf die Bank zu setzen, aber nicht an ihm vorbei. „Klar, das ist beim ersten Mal ein bisschen enttäuschend, dass man das Vertrauen nicht noch weiter bekommt“, gab der gebürtige Leipziger zu. „Ich hätte mir schon gewünscht, dass ich heute die Chance bekomme. Aber gut – ich glaube, das ist der Umbruch, der auch zum Verein dazugehört. Die jungen Spieler sollen spielen, die müssen spielen, und deswegen kann ich das auch verstehen und probiere ihnen halt von hinten den Rücken freizuhalten.“

Das gelang dem 31-Jährigen gegen die Werkself eindrucksvoll. Dass am Ende aber vor allem Werder Bremens Youngster wie Coulibaly und Covic im Rampenlicht standen, störte ihn nicht – er betonte dennoch. „Um Gottes Willen, wir dürfen den Jungs jetzt nicht den Rucksack mit Kieselsteinen aufsetzen. Sie sollen so befreit wie möglich aufspielen – und den Rucksack mit den Kieselsteinen, den können sie mir geben. Das kriege ich schon hin.“ (bvo)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Marcel von Fehrn

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