3:3 gegen Bayer Leverkusen
Erst Schnitzer, dann umjubelter Held: Werder-Youngster Coulibaly feiert verrückte Startelf-Premiere – und stellt Rekord auf
Erst unterläuft ihm ein folgenschwerer Fehler, am Ende wird er aber der umjubelte Held: Der erst 18-jährige Karim Coulibaly rettet Werder Bremen spektakulär einen Punkt gegen Bayer Leverkusen - und schreibt Geschichte.
Bremen – Selten hat man das Weserstadion so laut und enthusiastisch erlebt wie beim späten 3:3-Ausgleich im Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen. Grund dafür war eine jener Geschichten, die wohl – wie heißt es so schön? – nur der Fußball schreibt. Lange Zeit sah nämlich alles danach aus, als würde das Startelf-Debüt von Karim Coulibaly beim SV Werder Bremen kein glückliches werden – nur damit der 18-Jährige am Ende doch noch als gefeierter Held des Tages dastand. „Ich habe ihm das Tor sehr gegönnt“, sagte Cheftrainer Horst Steffen über den späten Ausgleichstreffer Coulibalys in der vierten Minute der Nachspielzeit: „Das Spiel wird ihm ganz viele Erkenntnisse bringen.“ Ganz nebenbei schrieb Coulibaly auch noch Geschichte: Mit 18 Jahren, drei Monaten und sieben Tagen ist er nun noch vor dem bisherigen Rekordhalter Aaron Hunt (18 Jahre, fünf Monate, acht Tage) der jüngste Torschütze der Werder-Historie.
Werder Bremen-Talent Karim Coulibaly hat sich gegen Bayer Leverkusen „von Minute zu Minute gesteigert“
Aber der Reihe nach: Keine fünf Minuten waren gespielt, da unterlief dem Youngster ein haarsträubender Fehlpass in Richtung Felix Agu, den Bayer-Stürmer Nathan Tella abfing – Sekunden später stand es 0:1. Auch im Anschluss war Karim Coulibaly die Nervosität anzumerken, mehrfach unterliefen ihm leichtfertige Fehlpässe im Aufbauspiel. „In der ersten Halbzeit sah er ein bisschen unglücklich aus, aber das kann passieren“, meinte Leonardo Bittencourt. Auch Steffen machte deutlich, dass er nie an einen vorzeitigen Wechsel gedacht hatte. Ganz im Gegenteil: „Ich habe Karim total vertraut. Er hat sehr früh einen Schnitzer gemacht, aber dann hat er einfach weitergespielt.“ Abgesehen von einem Ballverlust vor dem Leverkusener Lattentreffer in der Nachspielzeit der ersten Hälfte stabilisierte sich Coulibaly tatsächlich immer mehr – oder wie Werder Bremens Sportchef Clemens Fritz es ausdrückte: „Er hat sich von Minute zu Minute gesteigert und in der zweiten Hälfte sehr gut gespielt.“
Ein solcher Fehler gleich zu Beginn, beim erst zweiten Bundesliga-Einsatz und dann auch noch bei der Startelf-Premiere, hätte andere 18-Jährige womöglich aus der Bahn geworfen – nicht jedoch Karim Coulibaly. „Er hat eine super Vorbereitung absolviert, ist ein sehr abgeklärter und mutiger Junge, und ich hatte null Bedenken bei ihm“, stellte Romano Schmid klar. Selbst als Werder Bremen nach dem Platzverweis gegen Nebenmann Niklas Stark nur noch zu zehnt spielte und in Skelly Alvero ein gelernter Mittelfeldspieler in die Innenverteidigung rückte, steigerte sich Coulibaly weiter in seinem Auftritt. „Er ist ein sehr, sehr guter Fußballer, ein richtig guter Junge. Und es freut mich natürlich, wenn er am Ende vielleicht ein Stück weit seinen Fehler wieder gutmachen konnte. Das tut ihm auch gut“, betonte Bittencourt.
Werder Bremens Karim Coulibaly verwandelt das Weserstadion mit seinem Tor in ein Tollhaus - und schreibt Geschichte
Damit zum entscheidenden Moment des Nachmittags: dem späten Ausgleichstreffer. Nach einer Flanke von links köpfte Senne Lynen zunächst an die Latte, doch der aufgerückte Karim Coulibaly reagierte am schnellsten, drückte den Abpraller aus wenigen Metern über die Linie.. „Ich bin der Meinung, mutige, gute Spieler werden dann auch belohnt. Das habe ich ihm vor dem Spiel gesagt: Wenn wir einen mutigen Karim haben, wird er ein gutes Spiel machen. Und ja – er ist der Matchwinner“, erklärte Schmid. „Aber selbst, wenn er das Tor heute nicht gemacht hätte, ist er ein Junge mit einer großen Zukunft, wenn er dranbleibt und gesund bleibt. Dann gehören solche Halbzeiten wie die erste einfach dazu“, ergänzte Bittencourt.
Es war allen Beteiligten bei Werder Bremen anzumerken, wie erleichtert sie über diese Wendung der Ereignisse waren. Denn zu schnell können Spiele mit solch folgenschweren Fehlern dazu führen, dass junge Spieler ihr Selbstvertrauen verlieren. „Ich fand ihn heute sehr selbstbewusst. Trotz des Drucks hat er weiterhin viele Bälle gefordert. Er hat das Ganze sehr mannhaft genommen“, lobte Steffen und fügte an: „Das war eine Leistung, die ich trotz der Fehler als gut bewerte und auf der er aufbauen kann.“ Dass nicht sofort alles klappt, sei völlig normal: „Das passiert vielleicht bei den Top-Talenten vom FC Barcelona, aber bei uns müssen die Jungs solche Erfahrungen erst noch machen.“ Am Ende ist es ja schließlich gut gegangen – und Karim Coulibaly darf sich nun auf die Fahne schreiben, bei seinem ersten Bundesliga-Startelfeinsatz das Weserstadion in ein Tollhaus verwandelt und sich in die Geschichtsbücher eingetragen zu haben. (bvo)
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