Langes Statement vor Abschied

„Durfte hier nicht nur Fußballer, sondern auch Mensch sein“: So emotional bedankt sich Bittencourt für seine Zeit bei Werder

Leonardo Bittencourt verlässt den SV Werder Bremen spätestens im Sommer. In einem außergewöhnlichen Statement bedankt sich der Profi jetzt mit emotionalen Worten.

Bremen – Es ist ein Abschied, der Leonardo Bittencourt nicht leichtfällt. Knapp sechseinhalb Jahre ist es jetzt her, dass der Mittelfeldspieler zum SV Werder Bremen wechselte, doch spätestens im kommenden Sommer wird Schluss für ihn an der Weser sein. Das bestätigte nach vorherigen Medienberichten nicht nur der Verein ganz offiziell am Dienstagabend, auch der 31-Jährige veröffentlichte eine emotionale Botschaft an die Fans.

Es gibt Profis, die schreiben bei einem nahenden Abgang ein paar nette Zeilen, packen ein Foto daneben – und dann ist das Karrierekapitel für sie auch schon erledigt. Bei Leonardo Bittencourt ist das anders, weshalb er einen anderen Weg wählte und einen langen Brief schrieb. „Viele von euch haben mich über all die Jahre begleitet – im Stadion, in der Stadt, bei Auswärtsspielen. Wir haben tolle Momente miteinander geteilt und begeistert jeden 3er-Lachs gefeiert. Aber wir haben auch dunkle Momente zusammen durchlitten“, leitet der Deutsch-Brasilianer seinen Post auf Instagram ein. „Dafür möchte ich jetzt schon einmal Danke sagen. Danke an alle Verantwortlichen, an meine Mitspieler, an die Mitarbeitenden im ganzen Verein und an euch Fans an der Weser. Ihr habt mich immer spüren lassen, dass ich Teil dieser besonderen Werder-Familie bin und dass ich hier nicht nur Fußballer, sondern auch Mensch sein durfte. Diese Wertschätzung bedeutet mir extrem viel.“

Leonardo Bittencourt verlässt den SV Werder Bremen am Saisonende - der auslaufende Vertrag wird nicht verlängert.

Leonardo Bittencourt will sich vor Abschied von Werder Bremen weiter voll reinhängen – wenn er denn darf

Eine Wertschätzung, die keine Einbahnstraße ist, sondern in vielen Fällen auf Gegenseitigkeit beruht. So wie bei Clemens Fritz. „In den letzten sechseinhalb Jahren hatte ich mit Leo immer ein gutes und offenes Verhältnis. Auch in den Gesprächen über seinen auslaufenden Vertrag hatten wir einen offenen und ehrlichen Austausch, an dessen Ende die einvernehmliche Entscheidung stand, dass wir uns im Sommer trennen werden“, erklärt Werder Bremens Fußball-Chef auf der Internetseite des Clubs. „Wir sind sehr dankbar dafür, was Leo bisher für Werder auf und neben dem Platz geleistet hat. Er war in all den Jahren ein wichtiger Faktor in der Kabine, hat Dinge auch immer wieder kritisch angesprochen und hat sich voll mit seiner Aufgabe identifiziert. Wir sind überzeugt, dass er sich bis zum letzten Spieltag für Werder voll reinhängen wird.“

Genau diesen Anspruch hat auch Leonardo Bittencourt an sich selbst – wenngleich er bei seiner eigenen Formulierung in typischer „Leo-Manier“ auch einen kleinen Seitenhieb versteckt. „Eines kann ich euch versprechen: Solange ich hier bin, haue ich auf dem Platz wie immer alles raus – wenn ich spiele...“ Zuletzt war das nicht mehr so häufig der Fall, auch während des jüngsten Nordderby war Bittencourt nur Bankdrücker, was ihm überhaupt nicht schmeckte. Aktuell bringt er es auf sieben Saisoneinsätze, zur Startelf gehörte er dabei lediglich einmal. Trainer Horst Steffen setzt auf andere Spieler. Insgesamt schmücken 179 Pflichtspieleinsätze (20 Tore, 15 Vorlagen) für Werder Bremen seine Vita, bei keinem seiner anderen Clubs war der einst als „Wandervogel“ abgestempelte Profi länger.

Leonardo Bittencourt verlässt Werder Bremen und findet emotionale Worte: „Danke für die Liebe, die Lautstärke, den Support“

Werder war und ist für mich ein besonderer Ort. Ich habe hier so viel erlebt, bin als Spieler und Mensch gewachsen und werde diese Zeit immer in meinem Herzen tragen. Auch wenn ich demnächst einen neuen Weg einschlage, bleibt unsere Verbindung bestehen – das ist für mich keine Floskel, sondern ein tiefes Gefühl“, sagt Leonardo Bittencourt. „Gleichzeitig spüre ich, dass für mich der richtige Moment gekommen ist, nochmal eine neue Herausforderung anzunehmen. Ich fühle mich topfit, habe große Lust, weiter Verantwortung zu übernehmen. Ob in Deutschland oder im Ausland, das wird sich zeigen. Wichtig ist für mich, dass es menschlich und sportlich passt – so wie es hier in der Werder-Familie für mich immer gepasst hat.“

Ob die Trennung tatsächlich erst im Sommer erfolgt, ist offen, denn nach Informationen der DeichStube würden die Hanseaten dem Mann mit der Rückennummer zehn bei einem Winter-Wechsel keine Steine in den Weg legen. Da stehen also spannende Wochen bevor, am 1. Januar öffnet das Transferfenster. Doch noch zählt Werder Bremen. Und so besteht die Chance auf weitere schöne Momente für spätere Erinnerungen. Aber auch jetzt schon ist das Gedächtnis des Profis prall gefüllt. „Danke für alles, Bremen“, betont Leo Bittencourt abschließend. „Für die Liebe, für die Lautstärke, für den Support. Wir sehen uns im Stadion.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © IMAGO/nordphoto

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