DeichStube-Interview
„Genieße es total“: Ex-Werder-Keeper Luca Plogmann über seinen Durchbruch in Holland und den Traum von der Bundesliga
Torhüter Luca Plogmann spricht im DeichStube-Interview über sein Leben als Nummer eins beim holländischen Erstligisten Go Ahead Eagles, seinen Bundesliga-Traum und eine mögliche Rückkehr zum SV Werder Bremen.
Bremen – Lange galt er an der Weser als großes Versprechen für die Zukunft, letztlich kam Luca Plogmann bei Werder Bremen aber nicht über einen Bundesliga-Einsatz hinaus. Nach 15 Jahren verließ er den Club vor zweieineinhalb Jahren - direkt nach dem Wiederaufstieg. Böse ist er deshalb nicht. Im Gegenteil! Inzwischen ist der 24-Jährige beim niederländischen Erstligisten Go Ahead Eagles durchgestartet. Im DeichStube-Interview spricht der Torwart über seinen Status als Nummer eins, das Leben in Holland, seine Sushi-Vorliebe und den Traum von einer Bundesliga-Rückkehr.
Werder Bremen-Ex-Profi Luca Plogmann spricht im DeichStube-Interview über seinen Durchbruch bei den Go Ahead Eagles
Luca Plogmann, haben Sie eigentlich eine Lieblingssushi-Bar in Deventer?
Ja! Wir haben hier vom Verein direkt eine Sushi-Bar – das ist ein Lieferservice. Da wird eigentlich jeden Donnerstag bestellt. Da gibt es noch ‘ne Dragon Roll extra (lacht). Auch meine Freundin findet das Essen mega.
Es heißt, Sie kochen auch selbst ganz gerne. Woher haben Sie diese Leidenschaft?
Die habe ich selbst entwickelt, schätze ich. Als Fußballer hat man ja abends oft noch Zeit und weiß, dass es für den Körper nicht verkehrt ist, wenn man gesund isst. Da probiere ich mich selbst gerne aus und entweder gelingt es oder eben nicht. Aber mir schmeckt’s in der Regel und das ist das Wichtigste.
In Deutschland galten Sie lange als eines der größten Torwart-Talente und wurden von nicht wenigen Experten als kommende Nummer 1 des SV Werder Bremen gehandelt. Nach dem Wiederaufstieg im Sommer 2022 trennten sich Ihre Wege allerdings – nach 15 Jahren im Verein. Wie schwer ist Ihnen dieser Schritt gefallen?
Es war okay, dass die Wege sich trennen. Als Spieler merkt man irgendwann, wenn der Weg nicht mehr weitergeht. Ich habe zwar noch Spiele in der U23 gemacht, aber mein Anspruch war ja nicht, da hängenzubleiben, sondern ich wollte ja vorwärts kommen. Für Werder ging es zurück in die 1. Liga und für mich ging der Weg eben woanders weiter. Ich musste zusehen, dass ich schnell Minuten kriege. Deshalb bereue ich den Schritt, den ich gemacht habe, überhaupt nicht.
Sie haben dann einen Vertrag beim niederländischen Erstligisten Go Ahead Eagles Deventer unterschrieben. Wie kam es dazu?
Nachdem mein Vertrag bei Werder ausgelaufen war, hatte ich ein paar Angebote, die ich aber abgelehnt hatte. Dann kam die Offerte aus der 1. holländischen Liga von den Eagles, die mir die Chance gegeben haben. Trotzdem war es ein Schritt mit Fragezeichen.
Warum?
Das erste Mal aus Deutschland wegzugehen, das erste Mal richtig raus aus Bremen zu sein und den Schritt ins Ausland zu wagen. Das war schon ein Abenteuer. Die Saison war zu dem Zeitpunkt auch schon fortgeschritten. Ich kam in eine Mannschaft rein, die topfit ist. Ich habe mich zwar individuell mit einem Torwarttrainer fitgehalten, aber es ist schon etwas anderes, wenn man in ein Team stößt, das seit drei Monaten voll im Saft ist.
Wechsel nach Holland? Werder Bremen-Ex-Torhüter Luca Plogmann: „Das war gar nicht so schwer“
Wie schwierig war es, zum ersten Mal im Ausland komplett auf sich allein gestellt zu sein?
Das war gar nicht so schwer. Ich bin ein Typ, der sich schnell mit neuen Umständen arrangieren kann. Klar bin ich an freien Tagen auch mal nach Bremen gefahren. Das ist ja nur gut zwei Stunden entfernt. Aber ich habe mich sehr gut akklimatisiert im Verein. In der Mannschaft hatten wir eine super Mischung mit vielen internationalen Spielern, und es hat mega Spaß gemacht im Training, wir hatten eine richtig gute Qualität. Der Fußball in Holland liegt mir persönlich sehr, weil der Fokus voll auf dem Spielerischen liegt. Das hat mir den Einstieg erleichtert.
Werden Sie eigentlich oft in der Stadt erkannt?
Ja, das ist hier schon echt verrückt. Selbst wenn du „nur“ in der 2. Liga spielst, kennt dich in Holland jeder. Es gucken wirklich alle Fußball.
Es heißt, dass Sie „erstaunlich gut“ niederländisch sprechen für jemanden, der erst so kurze Zeit da ist. Wie kommt das?
Nach etwa einem halben Jahr habe ich hier mehr oder weniger zufällig jemanden im Verein getroffen, der holländisch lehrt. Als feststand, dass ich für noch ein Jahr nach Dordrecht verliehen werde, dachte ich: Dann kann ich ja auch weiter lernen. In der 2. Liga wurde es dann zum Ritual, dass wir jeden Freitagmorgen den Kopf trainiert haben, bevor wir dann abends gespielt haben. Da war morgens immer eine Stunde Unterricht. Mit der Zeit habe ich mich in der Kabine auch immer mehr reingehört. Und es kommt auch beim Trainer und den Mitspielern super an, wenn du die Sprache sprichst und dich für das Land interessierst.
Ihren Durchbruch in Holland haben Sie bei einer einjährigen Leihe an den Zweitligisten FC Dordrecht geschafft, wo Sie richtig durchgestartet sind. Wie kam es dazu?
Nach meinem ersten Jahr bei den Eagles, in dem ich nicht zum Einsatz gekommen bin, war im Sommer die Überlegung: Was jetzt? Ich musste ja mal spielen. Dann hat Go Ahead mir großes Vertrauen geschenkt, weil ich sie im Training und einigen Freundschaftsspielen überzeugt habe. Sie haben gesagt, dass sie großes Potenzial in mir sehen und dass sie für mich einen Leih-Verein finden. Dann kam Dordrecht um die Ecke. Ein relativ kleiner Verein aus der 2. Liga, der aber in dem Sommer eine Zusammenarbeit mit Feyenoord Rotterdam gestartet hat. Ich habe mit den Verantwortlichen gesprochen und die Idee hat mir sofort gefallen. Der kleine Club, bei dem talentierte Spieler geparkt werden für ein Ausbildungsjahr, um sich zu zeigen. Gleichzeitig aber auch die Idee des Fußballs. Das ist alles supergut aufgegangen, wir haben eine ganz starke Saison gespielt und sind Vierter geworden.
Wie wichtig war dieser Schritt für Sie und Ihre Entwicklung?
Es hätte nicht besser laufen können. Es war einfach wichtig, dass ich mal eine Saison durchspiele, dass ich 40 Spiele mache im Jahr, um das Vertrauen in meine Stärke zu gewinnen. Wenn du Woche für Woche auch in großen Stadien wie in Groningen oder Breda vor 20.000 Zuschauern spielst, hilft das natürlich auch. Das ist nicht wie die Regionalliga Nord in Deutschland.
Werder Bremen-Ex-Keeper Luca Plogmann bei den Go Ahead Eagles die Nummer eins: „Da geht noch mehr“
Es wurde aber noch besser: Als Sie im Sommer nach Deventer zurückkehrten, avancierten Sie nach dem Abgang von Torhüter Jeffrey de Lange zu Olympique Marseille zur neuen Nummer eins. Was war das für ein Gefühl?
Schon im Laufe der Rückrunde in Dordrecht haben wir Gespräche mit den Eagles geführt. Da ist schnell klar geworden, dass ich zurückkehre und dass sie volles Vertrauen in mich haben. Als mein Konkurrent dann gewechselt ist, kam mein Moment. Das war für mich ein überragendes Gefühl und ich freue mich riesig, hier die Nummer eins zu sein.
Sie haben seitdem jedes Ligaspiel über die volle Distanz absolviert, sind vier Mal ohne Gegentor geblieben. Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Leistungen?
Für mich persönlich waren am Anfang der Saison ein paar komische Spiele dabei, wo ich gefühlt einen Ball aufs Tor kriege, der dann vom Innenpfosten reingeht. Das ist natürlich nicht angenehm für einen Torwart. Aber ich spüre, dass ich der Mannschaft immer mehr Sicherheit gebe im Spielaufbau, aber auch mit meinen Paraden. In den letzten zehn, 15 Spielen habe ich auch Punkte festgehalten für uns und meinen Teil beigesteuert.
Mit den Eagles überwintern Sie in der Eredivisie auf Platz sieben. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?
Ich finde, dass wir bis jetzt eine sehr ordentliche Saison spielen. Man darf nicht vergessen, dass wir im Sommer gleich vier Top-Spieler verkauft haben. Es war wie ein Neustart. Jetzt haben andere Spieler die Chance, sich zu zeigen. In der Tabelle stehen vor uns eigentlich nur die Topclubs. Mit der Punkteausbeute können wir schon zufrieden sein, aber ich finde, da geht sogar noch mehr.
Woran machen Sie das fest?
Wir spielen aus meiner Sicht einen sehr guten Fußball und es macht mega Spaß, wenn man zum Beispiel nach Alkmaar fährt und nicht denkt: Boah, scheiße. Die schießen uns ab. Das Gegenteil ist der Fall: Wir haben bewiesen, dass wir auch in solchen Spielen mithalten und sogar besser sein können. Auch gegen Ajax Amsterdam zu Hause haben wir unentschieden gespielt und hätten eigentlich gewinnen müssen. Da steckt also noch mehr drin in der Mannschaft.
Luca Plogmann über Wiedersehen mit Werder Bremen-Ex-Star Davy Klaassen in Holland: „Das hat ihm imponiert“
Beim 1:1 gegen Ajax sind Sie auf Ihren Ex-Werder-Kollegen Davy Klaassen getroffen, der sogar das Ausgleichstor geschossen hat...
Abgesehen vom Gegentor war es ein cooles Wiedersehen. Wer hätte gedacht, dass wir uns fünf Jahre später unter diesen Umständen in Holland wieder treffen? Ich habe ihm anschließend gratuliert, dass er bald Papa wird und er hat sich für mich gefreut, dass ich jetzt bei so einem coolen Verein in seiner Heimat spiele. Davy hat auch gut gefallen, wie offensiv wir gegen sie aufgetreten sind. Das hat ihm imponiert.
Im Sommer haben Sie mit den Eagles gegen Brann Bergen sogar um die Qualifikation zur Conference League gespielt. Auch wenn Sie da noch nicht zum Einsatz kamen und letztlich knapp gescheitert sind - wie war es?
Ganz ehrlich: Es war sensationell für den Verein und die Stadt, dass wir, wenn auch nur kurz, in Europa gespielt haben. Es war eine Mega-Stimmung und ich bin froh, dass ich das miterleben durfte.
Sie sind jetzt 24 Jahre jung, Stammkeeper in der Eredivisie, haben Ihren Marktwert gerade von 300.000 auf 800.000 Euro gesteigert. Hand aufs Herz: Ist die Bundesliga immer noch ein Ziel von Ihnen?
Ja, natürlich. Die Top-5-Ligen in Europa sind immer ein Ziel, dafür spielt man ja Fußball. Ich finde die Spiele hier in Holland schon richtig cool, wenn wir in den großen Stadien auflaufen. Die Stimmung ist richtig gut, das macht schon was her. Ich setze mir nach oben keine Grenzen. Die Bundesliga ist super interessant, weil es meine Heimat ist und ich sie wöchentlich verfolge.
Wäre auch eine Rückkehr zu Werder für Sie eines Tages vorstellbar?
Klar. Ich bin mit Werder aufgewachsen. Ich habe eine enge Verbindung zum Verein. Wenn ich am Wochenende auf die Ergebnisse schaue, gucke ich immer zuerst: Wie hat Werder gespielt? Bremen ist meine Heimatstadt, meine Eltern und meine Familie wohnen da. Das Weserstadion ist wunderschön und es würde mich stolz machen, nochmal zurückzukehren. Andererseits bin ich gerade total glücklich mit meiner Rolle in Holland bei den Go Ahead Eagles und deshalb ist das für mich aktuell auch überhaupt kein Thema.
Torhüter Luca Plogmann über seine Bundesliga-Premiere für Werder Bremen: „Richtig realisieren konnte ich das nicht“
Bei Werder ist Michael Zetterer inzwischen die Nummer eins. Sie kennen sich noch gut aus gemeinsamen Bremer Tagen. Konnten Sie sich von ihm etwas abschauen?
Zetti war zu der Zeit damals leider noch viel an seiner Hand verletzt und wurde dann verliehen an unseren „Erzfeind“ PEC Zwolle. So viel haben wir also nicht gar zusammen trainiert. Insgesamt ist es für ihn aber natürlich top gelaufen. Ich glaube, es war schwer für ihn, aus dem Verletzungspech rauszukommen. Umso mehr freut es mich für ihn, dass er es jetzt zum etablierten Bundesliga-Torwart geschafft hat und Woche für Woche Top-Leistungen abruft. Er ist ein Keeper, der auch viel Fußball spielt. Diese Mentalität eines Feldspielers gefällt mir.
In Ihrer Vita steht bislang ein Bundesliga-Einsatz. Bei Werder feierten Sie 2018 Ihr Debüt auswärts bei Eintracht Frankfurt (2:1) – mit gerade einmal 18 Jahren. Wie war das damals für Sie?
Es war mein zweites Spiel auf der Bank bei Werder. Ich war noch richtig jung. Ich weiß noch, dass ich in der Halbzeit dachte: Ich laufe mich gar nicht warm, weil die Chance, dass ich reinkomme, sowieso winzig klein ist. Und dann ging es plötzlich doch ganz schnell durch die Verletzung von Jiri Pavlenka. Da stand ich auf einmal auf dem Platz und dachte: Boah, ich spiele Bundesliga. Aber so richtig realisieren konnte ich das alles nicht.
Ihre erste Aktion war gleich ein Elfmeter gegen Sebastien Haller. Vor dem Schuss haben Sie versucht, ihn mit etwas Trashtalk aus der Ruhe zu bringen. Auch wenn er letztlich verwandelte, woher hatten Sie dieses Selbstvertrauen - oder wie Martin Harnik hinterher sagte: „Diese verrückte Ader“?
Zu dem Zeitpunkt war ich die Nummer drei bei Werder, also eigentlich gar kein richtiger Teil der Mannschaft und bin dann auf einmal reingerutscht. Wenn du dann auf dem Platz stehst, musst du natürlich den Schalter umlegen, Torwart sein, deinen Mann stehen, Bälle halten und Verantwortung übernehmen. Das habe ich in dem Moment versucht. Da ist es scheißegal, ob du 18 oder 35 bist. Da musst du die Nummer eins von Werder auf dem Platz vertreten und es war mega cool, das zu dürfen.
Können Sie es heute umso mehr genießen, Stammkeeper zu sein?
Ich genieße es schon. Es ist schön, wenn ich durch die Stadt laufe und die Leute erkennen mich als die Nummer eins von den Go Ahead Eagles. Das macht mich schon stolz und da gehe ich auch mit einer anderen Haltung durchs Leben. Es macht einfach Spaß. (mwi)