Werder vor Luxusproblem?

Plötzlich ist die Auswahl groß: Wie sich Werder Bremens Konkurrenzkampf nach Ablauf der Transferphase gestaltet

Der SV Werder Bremen hat sich spät im Sommer-Transferfenster noch einmal erheblich verstärkt - was das für den Kampf um die Startelf-Plätze bedeutet!

Bremen – Etwas kurios ist es schon: Da hat Horst Steffen mittlerweile (endlich) einen Kader beisammen, der ihm vielfältige Möglichkeiten und Optionen bietet – aktuell bekommt der Cheftrainer des SV Werder Bremen davon im Alltag aber noch nicht viel mit. Es ist bekanntlich Länderspielpause, dementsprechend steht der 56-Jährige dieser Tage mit einer Kleingruppe auf den Trainingsplätzen am Osterdeich. Rechtzeitig vor dem kommenden Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach (Sonntag, 17.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) wird sich das jedoch ändern, womit der Konkurrenzkampf innerhalb des Teams nicht nur auf dem Papier, sondern auch auf dem Rasen ganz neu entfacht wird. In mehreren Mannschaftsteilen von Steffens bevorzugtem 4-2-3-1-System dürfte er spannend werden.

Der SV Werder Bremen hat in den letzten Tagen des Sommer-Transferfensters noch einmal kräftig auf dem Transfermarkt nachgelegt: Mit Yukinari Sugawara, Victor Boniface und Cameron Puertas könnten drei Neuzugänge zur künftigen Stammelf gehören.

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Mio Backhaus im Tor des SV Werder Bremen gesetzt, gleiches gilt für Kapitän Marco Friedl in der Innenverteidigung

Tor: Zwischen den Pfosten sind die Rollen bei Werder Bremen klar verteilt: Mio Backhaus (21) ist die frisch gekürte Nummer eins und genießt das volle Vertrauen des Trainerteams. Dem neuen U21-Nationaltorhüter wird generell eine große Zukunft prophezeit, auch außerhalb Bremens. Dass er in seiner ersten Bundesligasaison – bis dato bringt es Backhaus auf lediglich zwei Einsätze im Oberhaus – womöglich etwas Lehrgeld zahlen muss, ist in Werders Überlegungen eingepreist. Damit der gebürtige Mönchengladbacher seinen Status einbüßt und der ausgeliehene Ersatzmann Karl Hein (23, Arsenal London) an ihm vorbeizieht, müsste er schon mehrfach übel danebengreifen. Markus Kolke (35) ist und bleibt derweil die erklärte Nummer drei hinter den beiden deutlich jüngeren Kollegen.

So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach aussehen!

Innenverteidigung: Was die Besetzung der zwei Positionen im Zentrum der Viererkette angeht, kann Horst Steffen aus sieben Profis wählen – zumindest theoretisch. Da Kapitän Marco Friedl grundsätzlich als linker Innenverteidiger gesetzt ist, streiten sich die anderen Kollegen um den freien Platz an seiner rechten Seite. Die besten Aussichten genießt dabei der erfahrene Niklas Stark. Sowohl Amos Pieper, der nach einer Hüft-OP noch ausfällt, als auch Julian Malatini, dessen angestrebte Ausleihe nicht zustande kam, müssen bis auf Weiteres mit der Rolle des Herausforderers leben. Gleiches gilt für Nachwuchstalent Mick Schmetgens, der sich vornehmlich in der U23 des SV Werder Bremen Spielpraxis holen soll. Karim Coulibaly ist da schon einen großen Schritt weiter. Der Linksfuß hat sich den Status des ersten Friedl-Vertreters gesichert und ist fest auf dem Radar von Horst Steffen. Auch Neuzugang Maximilian Wöber (Leeds United) kommt für den linken Innenverteidigerposten infrage, fehlt mit einer Muskelverletzung aber noch länger.

Außenverteidigung: So lange Mitchell Weiser (Kreuzbandriss) nicht zur Verfügung steht, heißt der rechte Außenverteidiger des SV Werder Bremen: Yukinari Sugawara. Der Neuzugang vom FC Southampton hat bei seinem Debüt gegen Leverkusen auf Anhieb überzeugt und die Qualität dazu, dem Bremer Spiel auf der rechten Seite Schwung zu verleihen. Isaac Schmidt, gekommen von Leeds United, also ebenfalls neu im Team, steht als Back-up für den Japaner bereit. Spannend wird die Situation, wenn Leistungsträger Weiser zurückkehrt, was allerdings erst 2026 der Fall sein wird. Für den Posten des linken Außenverteidigers gibt Werders Kader drei nominelle Optionen her – Felix Agu, Olivier Deman und Maximilian Wöber. Ein Trio, in dem der nigerianische Nationalspieler Agu ganz klar die Nase vorn hat und derzeit sogar ohne direkte Konkurrenz dasteht, weil Deman (Bruch des Außenknöchels) und Wöber verletzt ausfallen.

Mittelfeldzentrum des SV Werder Bremen dürfte im Optimalfall aus Senne Lynen, Jens Stage und Romano Schmid bestehen

Doppelsechs: Zwei defensive Mittelfeldspieler als Absicherung vor der Abwehr – so lässt Horst Steffen im Zentrum am liebsten spielen. In Bremen hat er sein Wunsch-Duo dafür bereits auserkoren: Senne Lynen und Jens Stage. Sind beide fit, bilden sie die Doppelsechs des SV Werder Bremen, wobei Stage der etwas offensivere Part zukommt. Derzeit erholt sich der Däne noch von einer Belastungsreaktion im Fuß. In Werders Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach könnte er erstmals in dieser Saison dem Kader angehören. Bisher wurde er von Leonardo Bittencourt (in Bielefeld und Frankfurt) sowie von Nachwuchstalent Patrice Covic (gegen Leverkusen) vertreten. Während sich Covic weiter vorne wohler fühlt, dürfte Routinier Bittencourt die Back-up-Rolle zufallen. Auch Neuzugang Cameron Puertas (Al-Qadsiah) kann vor der Abwehr spielen. Grundsätzlich ist der 27-Jährige aber als Ideengeber hinter den Spitzen eingeplant. Talent Wesley Adeh soll derweil in der U23 weiter reifen. Skelly Alvero, dessen geplante Ausleihe nicht zustande gekommen ist, hat weiterhin einen schweren Stand.

Offensives Mittelfeld: Mit seinem Abgang war fest gerechnet worden, Romano Schmid ist aber auch nach Ablauf der Sommer-Transferfrist noch immer Profi des SV Werder Bremen, was Trainer Horst Steffen ein Luxusproblem in der offensiven Mittelfeldzentrale beschert. In den ersten drei Pflichtspielen der Saison war der Österreicher auf der Zehnerposition gesetzt. Ab sofort liefert er sich dort allerdings ein heißes Duell mit Neuzugang Cameron Puertas, der hinter den Spitzen ebenfalls große Stärken hat. Ausgang offen. Möglich, dass Schmid perspektivisch auf die Flügel ausweicht. Auch Talent Patrice Covic macht sich Hoffnungen auf Einsatzzeit im Zentrum, wird aber auf seine Chancen warten müssen. Sein Vorteil: Trainer Steffen hält sehr viel von ihm und traut ihm die Bundesliga vorbehaltlos zu. Keine großen Aussichten auf Einsatzzeit hat aktuell hingegen Isak Hansen-Aaröen, der sich im Sommer gegen eine erneute Ausleihe entschieden hat und sich in Bremen beweisen möchte.     

Sturmzentrum beim SV Werder Bremen: Wenn Victor Boniface fit ist, ist der Nigerianer gesetzt

Flügelpositionen: Neuzugang Samuel Mbangula, Justin Njinmah und Marco Grüll – in erster Linie diese drei Angreifer konkurrieren um die zwei Plätze auf den offensiven Außenbahnen des SV Werder Bremen. Während sich Mbangula links wohler fühlt und Njinmah rechts zu Hause ist, kann der flexible Grüll auf beiden Seiten spielen, was ihm im engen Rennen um Einsatzzeit helfen könnte. Mbangula und Njinmah haben derweil den Trumpf der hohen Geschwindigkeit auf ihrer Seite. Dazu kommt, dass Trainer Horst Steffen auf den Flügeln durchaus experimentierbereit ist. So ließ er während des Pokalspiels in Bielefeld etwa Patrice Covic auf der linken Seite beginnen. Demnach ist es denkbar, dass im Laufe der Saison weitere Bremer Profis zu Flügelspielern werden, die sich dort derzeit vielleicht (noch) nicht sehen. 

Mittelstürmer: Hier ist die Hierarchie klar: Ist Victor Boniface fit und in Form, spielt er auch. Als Stürmer, der in der Bundesliga bereits nachgewiesen hat, dass er zur obersten Güteklasse zählt, kann er die Offensive des SV Werder Bremen bestenfalls auf ein ganz neues Level heben. Als Herausforderer lauert Keke Topp im Schatten des Nigerianers auf seine Chance. Nach einer durchwachsenen Vorbereitung zeigte der 21-Jährige zuletzt verbesserte Leistungen. Zuletzt bekam allerdings Marco Grüll den Vorzug und dürfte eine Option fürs Zentrum bleiben. Als weiterer Mittelstürmer stünde darüber hinaus noch der junge Salim Musah zur Verfügung, der in der laufenden Saison aber eigentlich fest in der U23 eingeplant ist. (dco)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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