Baldiger Vollzug?

Eine Frage von Details: Neuer Vertrag für Werder-Kapitän Marco Friedl in der Mache

Verlängert Marco Friedl bald seinen Vertrag bei Werder Bremen? Jetzt haben sich der Österreicher sowie die Verantwortlichen vielsagend dazu geäußert.

Bremen – Noch ist es nur eine Tendenz. Aber eine, die einen erfolgreichen Abschluss in greifbare Nähe rücken lässt. Kapitän Marco Friedl soll unbedingt beim SV Werder Bremen bleiben, längerfristig – und so wie es ausschaut, ist das keineswegs nur ein frommer Wunsch der Verantwortlichen. Offizielle Wasserstandsmeldungen gibt es aus der Geschäftsstelle zwar traditionell nicht, nach Informationen der DeichStube trennen beide Seiten aber nicht mehr viel. Lediglich an Details muss noch gefeilt werden, ehe Vollzug in Sachen Vertragsverlängerung gemeldet werden kann. Dazu passen auch die jüngsten Worte von Friedl selbst. „Es gab positive Gespräche“, bestätigt der Kapitän via „Sky“ und schiebt vielsagend hinterher: „Ich fühle mich sehr wohl und blicke positiv in die Zukunft. Ich denke, dass wir uns schon irgendwie treffen können …“

Werder Bremen hofft, den Vertrag mit Marco Friedl zeitnah zu verlängern

Bis zum Sommer 2026 läuft der aktuelle Vertrag des Österreichers ursprünglich noch, nur ungern möchten sie bei Werder Bremen mit ungeklärten Verhältnissen in eine theoretisch letzte Saison Friedls am Osterdeich gehen. Deshalb ist durchaus Eile geboten, diese Personalie wollen sie in der Chefetage keineswegs auf die lange Bank schieben. Und das tun sie auch nicht. Denn selbst wenn Marco Friedl gewisse Abschiedsgedanken formuliert oder Gespräche mit anderen Vereinen geführt hätte – was, wie zu hören ist, nicht der Fall war –, wäre das für die nächste Transferperiode nicht unwesentlich gewesen. Durch einen Marktwert von zehn Millionen Euro (Quelle: transfermarkt.de) könnte ein Wechsel gutes Geld bringen – doch bei Werder sind sie in diesem Fall schärfer auf den Spieler als auf Zuwachs fürs Bankkonto. „Er ist unser Kapitän und man sieht, wie wichtig er für uns ist“, betont Peter Niemeyer als Leiter Profifußball gegenüber der DeichStube. „Natürlich hoffen wir, dass wir zueinander finden.“

Aus nachvollziehbaren Gründen: Mit Marco Friedl in der Startelf ist Werder Bremen um eine Klasse besser – das belegen auch die statistischen Werte der laufenden Saison. Zugegeben, wenn der 27-Jährige von Beginn an auf dem Platz stand, fingen sich die Hanseaten auch schon 25 Gegentore ein. Ohne ihn waren es allerdings bereits deren 28. Noch deutlicher wird die Diskrepanz beim Blick auf die geholten Punkte. Verteidigte Friedl vom Anpfiff weg mit den Kollegen, reichte es bisher zu neun Siegen, fünf Unentschieden und fünf Niederlagen. Das wiederum ergibt einen Zählerschnitt von 1,68 pro Partie, in sechs Fällen hielt Werder sogar – wie zuletzt gegen Kiel und Frankfurt – in der Defensive die Null. Ohne Friedl sprangen nur zwei Siege bei einem Unentschieden und sechs Niederlagen heraus (Schnitt: 0,77), lediglich in einer dieser Partien blieb Werder ohne Gegentreffer. Wenig verwunderlich also, dass Chefcoach Ole Werner seinen Abwehrchef ebenso wie Nebenmann Niklas Stark erst kürzlich als „tragende Wände“ bezeichnete. Auch Letzterer ist noch bis 2026 an den SVW gebunden, eine vorzeitige Trennung wird, Stand jetzt, nicht anvisiert.

Marco Friedl hat großen Anteil am Aufschwung bei Werder Bremen - gibt sich aber bescheiden

Marco Friedl, der just gegen Frankfurt sein 150. Bundesligaspiel für Werder Bremen bestritt, will den jüngsten Aufschwung nur ungern mit seiner eigenen Person in Einklang bringen. „Wir machen es sehr gut gegen den Ball und haben da im Moment eine andere Spannung als in den vergangenen Wochen“, lobt der Ex-Münchener lieber die Arbeit des gesamten Teams. „Ich bin froh, dass die Mannschaft im Moment so gut funktioniert und dem Gegner wenig Raum hinter der Kette geboten hat.“ Ganz ähnlich sieht es Amos Pieper, neben Marco Friedl und Stark aktuell Dritter im Bunde der letzten Reihe vor Torhüter Michael Zetterer: „Dass wir gut verteidigt haben, fängt vorne an. Wir machen das als Mannschaft, und das macht es momentan einfacher“, meinte er kurz nach dem 2:0-Erfolg gegen Frankfurt: „Wenn die Abstimmung so gut ist, dann kann es aussehen wie heute.“ Klingt einfach, war es für Werder rund um den desaströsen Februar aber bekanntlich keineswegs. Jetzt wirkt die Werner-Elf wieder deutlich stabiler – und das soll auch so bleiben.

Deshalb fordert Leistungsträger Marco Friedl: „Das müssen wir Woche für Woche bringen, um Spiele zu gewinnen. Diesen Schwung müssen wir mit in die nächsten Spiele nehmen.“ Etwas mehr als sieben Jahre ist er nun bei Werder. Als großes Talent war er einst vom FC Bayern ausgeliehen und später fest verpflichtet worden. Die Formkurve zeigte keineswegs immer nur steil nach oben, allzu häufig erlebte der Mann aus Kirchbichl auch zwischenzeitliche Rückschläge. Doch er ließ sich nie unterkriegen, arbeitete vehement dagegen an und steig zur absoluten Führungsfigur auf. Marco Friedl steht somit heute ein Stück weit symbolisch dafür, wie eine Talententwicklung an der Weser ablaufen kann: weniger Soforthilfe, eher Fortschritt mit Geduld. Das kann funktionieren, muss es aber nicht. Auch deshalb sind sie bei Werder Bremen so erpicht darauf, schnell Klarheit mit dem Kapitän zu haben. Einen Spieler seiner Kategorie könnte sich der Verein auf dem Transfermarkt nicht so einfach noch einmal schnappen. (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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