Weit weg von der Komfortzone

Marco Grüll steckt bei Werder in der Zwickmühle – und es gibt noch keinen Ausweg

Marco Grüll steckt in der Zwickmühle. Der Offensivspieler muss bei Werder Bremen wieder positionsfremd aushelfen. Wie soll sich so sein Stand verbessern?

Marco Grüll kennt das schon. Es ist ihm nicht zum ersten Mal während seiner Zeit beim SV Werder Bremen passiert. Als die Hanseaten am vergangenen Wochenende ihr Testspiel in Cottbus bestritten (4:2), wurde der Österreicher dringend gebraucht, um sich auftuende Lücken in anderen Mannschaftsteilen zu schließen. Liebend gern würde der 28-Jährige offensive Akzente setzen, doch zum wiederholten Male musste er als Außenverteidiger ran.

Grülls Flexibilität bleibt Fluch und Segen zugleich: Sie beschert ihm allerlei Lob – dass er sich in den Dienst des Teams stellt, wird dem Mann aus Schwarzach im Pongau hoch angerechnet. Andererseits: Dass der achtfache Nationalspieler überhaupt vermehrt den Rückwärtsgang einlegen muss, hängt auch damit zusammen, dass er sich im Angriff bislang keineswegs unverzichtbar gemacht hat.

Stürmer Marco Grüll musste auch im Testspiel des SV Werder Bremen gegen Energie Cottbus als Außenverteidiger aushelfen.

Flexibilität von Marco Grüll Fluch und Segen: Offensivspieler muss bei Werder Bremen oft positionsfremd aushelfen

Zwei Bundesligajahre bei Werder Bremen hat Marco Grüll inzwischen hinter sich. 63 Partien hat er in dieser Zeit in Deutschlands höchster Spielklasse absolviert, dabei neun Tore erzielt und drei weitere Treffer der Kollegen vorbereitet. Die Effizienz, sie bleibt eine Baustelle beim Österreicher, der zu selten Gefahr ausstrahlt, wenn er denn mal angreifen darf. Liegt der Fokus auf der Defensive, wird es mit dem Toreschießen verständlicherweise noch schwieriger.

„Man muss bei ihm derzeit mitbedenken, dass er aufgrund seiner Vielseitigkeit auf Positionen zum Einsatz kommt, die in der kommenden Saison für ihn so nicht vorgesehen sind“, sagt Peter Niemeyer, Werder Bremens Leiter Profifußball, im Gespräch mit der DeichStube über Marco Grülls bislang noch recht unauffällige Vorbereitung. „Diese Rolle versucht er aktuell so gut wie möglich auszufüllen. Wir hoffen, dass die anderen Spieler schnellstmöglich wieder fit sind, damit er auch wieder auf seiner Stammposition spielen und dort seine Leistung zeigen kann.“

Aushilfe Marco Grüll soll bei Werder Bremen künftig wieder in seine Komfortzone zurückkehren - nur wann?

Doch eine allzu schnelle Änderung der Lage ist nicht in Sicht. Auf der rechten Seite ist Mitchell Weiser nach seinem Kreuzbandriss auch nach 13 Monaten noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte, zudem plagt sich Felix Agu einmal mehr mit Beschwerden herum, die eine optimale Präparierung für den Ernstfall erschweren. Die erhoffte Verstärkung für die Schienen ist bei Werder Bremen noch nicht da, weshalb Olivier Deman aktuell der einzige etatmäßige Außenverteidiger ist. Und Marco Grüll weiterhin die Aushilfe geben dürfte.

Aber die Hoffnung bei allen Beteiligten ist groß, dass der 28-Jährige demnächst in seine Komfortzone zurückkehren kann – und dort dann auffälliger agieren wird als noch in der Vorsaison beim SV Werder Bremen. „Dann geht es für ihn darum, wieder in seine offensiven Abläufe zu kommen und durch erfolgreiche Aktionen Selbstvertrauen zu sammeln“, sagt Niemeyer. „Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass Grüllo für uns offensiv einen Unterschied machen kann.“ (mbü/bvo)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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