Transfer oder Verbleib?

„Es ist eine Fifty-fifty-Situation“: Frank Baumann hofft auf Ducksch-Verbleib bei Werder Bremen

Frank Baumann hofft auf einen Verbleib von Marvin Ducksch beim SV Werder Bremen. Das ist aber alles andere als sicher.
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Frank Baumann hofft auf einen Verbleib von Marvin Ducksch beim SV Werder Bremen. Das ist aber alles andere als sicher.

Es wird im Sommer wieder ein Thema beim SV Werder Bremen sein: Verlässt Marvin Ducksch den SVW oder bleibt er noch länger an der Weser? Was Frank Baumann gegenüber der DeichStube zur Personalie sagt.

Bremen – Über die Art der Anrede lässt sich vortrefflich diskutieren, zu hören war der Satz in der vergangenen Woche dennoch häufig: „Ey Ducksch, kann ich Foto?“ Immer wieder wieselten junge Fans des SV Werder Bremen am Rande der beiden Freundschaftsspiele in Garrel und Blumenthal dem Stürmer hinterher, wollten unbedingt ihr ganz persönliches Erlebnis mit dem 30-Jährigen einsammeln. Ein Knirps war sogar besonders mutig, kletterte die Stufen der Tribüne empor und fragte den ausgewechselten Angreifer höflich: „Darf ich einen Schuh von dir haben?“ Mit dieser Frage hatte selbst Marvin Ducksch nicht gerechnet, irritiert und belustigt hakte er nochmal kurz nach – um dann ganz freundlich zu entgegnen: „Das geht leider nicht. Die brauche ich noch, ich habe nur ein Paar dabei.“ Ein Autogramm samt Selfie gab es aber für den Junior, der letztlich zufrieden von dannen zog. Die Jagd nach Erinnerungsstücken ist nur zur verständlich: Ducksch war erneut eine zentrale Figur im abgelaufenen Werder-Jahr – und zeitgleich ist völlig unklar, wie lange er das noch in Bremen sein wird.

Top-Scorer beim SV Werder Bremen: Bleibt oder geht Marvin Ducksch?

„Es ist vielleicht eine Fifty-fifty-Situation“, meint Werder Bremens Noch-Sportchef Frank Baumann im Gespräch mit der DeichStube. „Ich glaube, dass Marvin weiß, was er an uns hat und wir wissen, was wir an ihm haben.“ Seit drei Jahren trägt Marvin Ducksch nun schon das Trikot des SVW, zwölf Treffer und elf Vorlagen in der vergangenen Spielzeit wieder zum letztlich angstfreien Abschneiden der Mannschaft beigesteuert. Mit diesen 23 Scorerpunkten landete er in der „kicker“-Datenbank auf Rang sieben, ebenso wie Victor Boniface von Meister Bayer 04 Leverkusen oder Xavi von RB Leipzig. Zum Vergleich: Duckschs ehemaliger kongenialer Sturmpartner Niclas Füllkrug, der auf der Zielgeraden des vorherigen Transfersommers zu Borussia Dortmund gewechselt ist, brachte es ebenfalls auf zwölf Tore und acht Assists. Ducksch agierte phasenweise derart auffällig, dass er es zwischenzeitlich sogar bis in die Nationalmannschaft schaffte, für die er zweimal spielte.
 
Misstöne gab es trotzdem immer wieder. Mal ist die Chancenverwertung das Ziel der Kritiker, dann die Körpersprache oder Zweikampfführung des Fixpunktes im System von Trainer Ole Werner. Das Verhältnis zu den eigenen Fans ist deshalb etwas ambivalent, auch weil es in den sozialen Medien häufig wüste Beschimpfungen oder Beleidigungen hagelte. Marvin Ducksch ließ sich von diesen Wortmeldungen mehr mitnehmen als ihm guttat, fühlte sich über große Teile der Saison deshalb von der gesamten Anhängerschaft des SV Werder Bremen und auch den Medien nicht genügend wertgeschätzt. Ein Aspekt, der keine unwesentliche Rolle bei seiner jetzigen Entscheidung spielen wird. Dem Vernehmen nach soll der Torjäger einem Transfer jedenfalls nicht abgeneigt sein. Spannend ist nur, ob das ebenso lukrative wie sportlich reizvolle Angebot auch wirklich hereinkommt. Frank Baumann betont trotzdem sicherheitshalber noch einmal: „Er hat jetzt zwei Jahre lang alle Kritiker widerlegt, dass er nicht erstligatauglich sei. Seine Quote spricht absolut für ihn, deswegen würde ich mich sehr freuen, wenn wir weiterhin den Weg gemeinsam gehen können.“ Und der 48-Jährige hat noch mehr Lob parat, um die Bedeutung des gebürtigen Dortmunders zu unterstreichen: „Marvin war für uns der vielleicht wichtigste Spieler in der Aufstiegssaison, denn als Neuzugang kam er relativ unbelastet hierher und hat dafür gesorgt, dass wir uns neues Selbstvertrauen geholt haben. Er hat direkt performt und dazu beigetragen, dass Niclas Füllkrug wieder in die Spur gefunden hat.“

„Wechsel ist möglich“: Frank Baumann über den Verbleib oder Transfer von Werder Bremens Marvin Ducksch

Werder Bremen wirbt also mit vielen warmen Worten um Ducksch. Und um ehrlich zu sein: Größeren Handlungsspielraum hat der Bundesligist aktuell auch kaum. Was mit einem besonderen Detail im Vertrag von Marvin Ducksch zu tun hat. Am 14. Juni beginnt bekanntlich die Europameisterschaft in Deutschland – und exakt bis zu diesem Tag gilt auch eine vereinbarte Ausstiegsklausel, die es dem Stürmer ermöglicht, für eine festgeschriebene Ablösesumme den Verein zu verlassen. Im vergangenen Jahr hatte Ducksch seinen Kontrakt an der Weser bis 2026 verlängert, eine eingebaute Wechsel-Option wie diese ist längst Alltag im Profigeschäft. Ursprünglich war davon ausgegangen worden, dass ein Club bis zum EM-Start knapp unter zehn Millionen Euro zahlen müsste, um den Offensivmann zügig zu verpflichten, doch kürzlich berichtete dann „Sky“ von einer Summe von lediglich sieben Millionen Euro.
 
Werder Bremen muss also erst einmal abwarten, wie sich die Causa Marvin Ducksch entwickelt. Erst ab dem 15. Juni sitzen die Bremer bei allen Entscheidungen wieder mit im Boot. Eine Garantie für einen Verbleib ist das nicht – bei aller Vorfreude auf eine weitere Zusammenarbeit. „Wenn es für ihn und auch für Werder ein passendes Angebot gibt, dann wissen alle, dass in diesem Geschäft eben auch ein Wechsel möglich ist“, sagt Frank Baumann. „Deswegen sollte man nichts ausschließen.“ (mbü/kni)

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