Werder-Star über sich, die WM und den HSV
Kruse: „Ich bin kein perfekter Mensch“
Mainz - Manchmal lohnen sich Umwege: Weil Max Kruse am Samstagabend im ZDF-Sportstudio in Mainz eingeladen war, hing er nicht wie der Rest des SV Werder im Freiburger Winter fest – und kam sogar noch in der Nacht in Bremen an.
Dazu legte der 29-Jährige im TV-Studio einen sympathischen Auftritt hin und versenkte an der legendären Torwand vier seiner sechs Versuche. Kruse ist eben ein Ausnahmefußballer. Das Sportstudio nimmt sich immer viel Zeit für seine Gäste. Und so kamen Moderator Sven Voss und Max Kruse durchaus ins Plaudern. Dabei ging es natürlich auch um Kruses Image als etwas anderer Profi, der bei Werder viele Freiheiten genießt und wie Voss behauptete „an der langen Leine“ gehalten wird.
„Was heißt an der langen Leine?“, erwiderte Kruse und antwortete sich selbst: „Jeder Mensch hat Hobbys, ich finde da nichts Schlimmes dran. Ich fahre mal zum Pokerturnier und trinke dafür keinen Alkohol. Ich weiß nicht, was von beidem unprofessioneller ist.“ Kruse lachte, das Publikum lachte. Ernst fügte der 29-Jährige dann aber noch an: „Ich bin sehr fokussiert auf Fußball, verhalte mich sehr professionell und will immer das Maximale mit der Mannschaft erreichen. Aber ich bin auch kein perfekter Mensch.“
„Wohlfühlfaktor bei Werder zu 100 Prozent gegeben“
Auf dem Platz ist er manchmal aber nahe dran, zumindest präsentierte er vor gut einer Woche beim Training eine perfekte Zirkusnummer mit seinem Teamkollegen Justin Eilers. Sie hatten gekonnt ein Kaugummi hochgehalten. Die DeichStube hatte mitgefilmt – und natürlich wurde diese Szene auch im Sportstudio gezeigt. „Mit Justin war es tatsächlich das erste Mal“, berichtete Kruse: „Wir haben selbst nicht daran geglaubt, dass es funktioniert. Schön, dass es geklappt hat.“ Am Ende war das Kaugummi tatsächlich wieder in Kruses Mund gelandet.
Der gebürtige Reinbeker braucht diesen Spaß beim Fußball. In Wolfsburg hatte er ihn bei seiner letzten Station etwas verloren, deshalb kam er im Sommer 2016 nach Bremen. „Der Wohlfühlfaktor ist bei Werder zu 100 Prozent gegeben, deswegen habe ich mich ja auch für Werder entschieden“, sagte Kruse. Das lässt doch hoffen, dass der beste Mann im Kader seinen bis 2019 laufenden Vertrag verlängern wird.
Aktuell heißt das Top-Thema aber Abstiegskampf. „Es wird bis zum Ende eine enge Kiste“, prophezeite Kruse, schaute aber schon gespannt auf das Nordderby am Samstag gegen den Hamburger SV: „Wir haben eine Riesenchance, auf neun Punkte vom HSV wegzuziehen. Das wäre ein Riesenschritt.“ Natürlich hat er mitbekommen, dass die Stimmung in Hamburg mehr als angespannt ist. Die Fans hatten den Profis beim Heimspiel gegen Leverkusen für den Fall des Abstiegs auf einem Banner gedroht: „Bevor die Uhr ausgeht, jagen wir euch durch die Stadt.“
Der HSV war geschockt – Kruse auch ein bisschen: „Ich bin ganz froh, dass ich so etwas noch nicht lesen musste, das ist keine schöne Situation für einen Spieler. Die Situation ist nicht einfach, aber man sollte Contenance bewahren.“ Und den Spaß nicht verlieren, also scherzte Kruse noch: „Ich hoffe, wir sorgen dafür, dass die Stimmung da nicht besser wird. Aber wir versuchen, das fußballerisch zu lösen.“
WM-Chancen: Kruse gibt weiter Gas bei Werder
Genauso entspannt geht er das Thema WM 2018 in Russland an. Natürlich wäre er gerne dabei. Doch bislang hat Bundestrainer Joachim Löw den Bremer nicht zurückgeholt, nachdem er ihn im März 2016 wegen einiger unglücklicher Vorfälle aussortiert hatte. „Er entscheidet das, und das akzeptiere ich“, sagte Kruse und fügte noch an: „Entschieden wird aber auf dem Platz, vom Reden ist noch niemand irgendwo hingefahren.“ Also gibt Kruse weiter im Werder-Trikot Gas, um sich vielleicht doch noch seinen WM-Traum erfüllen zu können.
Im Sportstudio konnte er jedenfalls schon mal fußballerisch überzeugen. Vier Treffer an der Torwand sind noch nicht vielen Profis vergönnt gewesen. Der Rekord liegt bei fünf. Kruses Clou: Er versenkte alle Versuche ins obere Loch. Eine absolute Seltenheit, wie Moderator Voss feststellte – und irgendwie auch ganz passend zu Kruse. Der Werder-Profi wurde dann vom ZDF noch in der Nacht mit einer kleinen Maschine nach Bremen gebracht – genauer gesagt zum kleinen Flugfeld im benachbarten Ganderkesee. Da schlief Werder noch in Freiburg, dort hatte der Flieger wegen Eis und Schnee nicht starten können.
Max Kruse: Seine Karriere in Bildern




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