Werder-Weggefährten plaudern
Nutella und Pokern waren bei Werder ausdrücklich erlaubt - Baumann, Harnik und Kohfeldt über das Karriereende von Max Kruse
Max Kruse hat seine Karriere beendet. Gegenüber der DeichStube haben sich mit Frank Baumann, Martin Harnik und Florian Kohfeldt drei seiner Weggefährten beim SV Werder Bremen zum Spieler und Menschen geäußert.
Bremen – Insgesamt 94 Pflichtspiele hat Max Kruse während seiner frisch beendeten Karriere einst für den SV Werder Bremen bestritten – und dabei sportlich ohne Frage Spuren hinterlassen. Aber auch neben dem Platz war Kruse am Osterdeich stets eine schillernde Figur, ein Typ, wie es so schön heißt, an den sich einige einige ehemaligen Werder-Weggefährten im Gespräch mit der DeichStube erinnern.
Sportchef Frank Baumann spricht über Transfer von Max Kruse zum SV Werder Bremen
Frank Baumann - Der Sportchef des SV Werder Bremen hat Max Kruse im Sommer 2016 zurück nach Bremen geholt – inklusive ganz spezieller Zusagen:
„Eigentlich müsste ich schlechte Erinnerungen an den Transfer haben, weil ich damals schon im Urlaub auf Mallorca war, als die Sache Fahrt aufnahm. An Urlaub war dann nicht mehr zu denken. Aber im Ernst: Max war natürlich eine ganz wichtige Verpflichtung für uns als Verein.
Es war nicht einfach, ihn von einem Wechsel zu überzeugen, eigentlich hatten wir gar keine Chance. Er hatte ja schon Länderspiele gemacht und in Wolfsburg ein gewisses Gehaltsniveau erreicht. Ich weiß noch, dass sich unser damaliger Trainer Viktor Skripnik und seine beiden Assistenten Torsten Frings und Florian Kohfeldt mit Max in Berlin getroffen haben. Am Ende ist es uns gelungen, ihn für eine Rückkehr nach Bremen zu begeistern.
Max wollte sich als Typ nicht verbiegen, sondern so bleiben, wie er ist. Das haben wir akzeptiert und ihm damals sogar zugesagt, dass wir ihm jeden Morgen ein Glas Nutella auf den Frühstückstisch stellen und er im Sommer auch gerne zum Pokern nach Las Vegas fliegen kann – so lange die sportlichen Leistungen stimmen. Das war dann ja auch der Fall. Max war Dreh- und Angelpunkt unseres Spiels, ehrgeizig und sehr professionell. Er hat aber eben auch nach außen gezeigt, dass es ein Leben abseits des Fußballs gibt. Ich habe ihn ja früher sogar noch als Mitspieler bei Werder erlebt. Schon da war zu erkennen, dass er sehr viel mitbringt, was sich in seiner Karriere dann auch immer wieder bestätigt hat.“
Werder Bremen-Kumpel Martin Harnik schwärmt vom Fußballer und Menschen Max Kruse
Martin Harnik - Der Ex-Profi wechselte 2005 als Jugendspieler gemeinsam mit Max Kruse vom SC Vier- und Marschlande zum SV Werder Bremen, für den sie 51 Mal gemeinsam auf dem Platz standen:
„Max hat eine geile Karriere hinter sich. Er hat sich trotz des öffentlichen Drucks nie verstellt, ist immer authentisch geblieben und hat auch die Konsequenzen akzeptiert. Davor ziehe ich meinen Hut! Max war ein Instinktfußballer. Mit seinem klassischen Kruse-Haken hat er nicht nur bei uns in der Jugend dominiert, sondern auch auf höchstem Niveau in der Bundesliga, das ist herausragend. Es war wie bei Arjen Robben: Jeder kannte den Trick, kaum einer konnte ihn verhindern.
Max war auch ein super Passgeber und ein richtiger Drecksack vom Elfmeterpunkt. Das ist nicht so leicht, dort kühlen Kopf zu bewahren. Da spiegelt sich seine Leidenschaft zum Pokern wider. Er ist ein Gambler. Er spielt nicht mit den Karten, sondern mit den Gegnern. Max ist unglaublich intelligent und seinen Gegnern fast immer einen Schritt voraus. Fußballerisch haben wir unglaublich viel voneinander profitiert – erst in der Jugend, dann bei den Werder-Amateuren und im zweiten Anlauf auch bei den Werder-Profis. Max ist ein großartiger Partner auf und neben dem Platz. Ich freue mich, dass wir ab Januar einen gemeinsamen Podcast rausbringen. Das wird kein Mainstream, das wird richtig cool!“
Ex-Trainer Florian Kohfeldt plaudert über das besondere Verhältnis zwischen ihm und Max Kruse beim SV Werder Bremen
Florian Kohfeldt - Unter dem Ex-Coach des SV Werder Bremen, der heute die KAS Eupen in Belgien trainiert, bestritt Max Kruse einst 75 Spiele. Nur unter Lucien Favre kam er in seiner Laufbahn noch öfter zum Einsatz, nämlich 77 Mal:
„Auch wenn es am Ende vielleicht nicht mehr besonders überraschend war, finde ich es sehr schade, dass Max seine Karriere beendet hat. Er war ein außergewöhnlicher Spieler und hatte auf dem Platz Fähigkeiten, die nur wenige Spieler in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland hatten. Egal, ob er mit einem Verein gegen den Abstieg oder um die Champions-League-Plätze gespielt hat – Max war immer in der Lage, seine Mannschaften auf ein anderes Niveau zu heben.
Wir hatten während unserer gemeinsamen Zeit in Bremen und Wolfsburg ein ein sehr ehrliches Verhältnis, immer am Erfolg orientiert, aber auch hart zueinander. Max und ich haben unzählige Gespräche geführt, aber Small Talk war wirklich nie dabei. Es ging ausschließlich um die Sache. Als ich damals Cheftrainer bei Werder wurde, hat er mir als Erstes gesagt, dass er das nicht gut findet. So klar war unser Umgang vom ersten Tag an. Später habe ich ihm dann mal dazu geraten, doch bitte mit einem anderen Fitnesslevel aus der Winterpause zurückzukehren. Die Grenzen, die ich Max als Trainer aufgezeigt habe, hat er immer akzeptiert. Deswegen verstehe ich es auch nicht, wenn es heißt, dass er sich nicht unterordnen könne. So habe ich das nie erlebt.
Nachdem er nun sein Karriereende verkündet hat, habe ich ihn erstmal zufriedengelassen. Eine einfache SMS reicht mir da auch nicht. Ich werde mich bei Zeiten definitiv nochmal ganz in Ruhe bei ihm melden.“ (dco/kni)
Schon gelesen? „Nicht alles ist Friede, Freude, Sonnenschein“: Ex-Werder-Bremen-Profis Martin Harnik und Max Kruse gewähren regelmäßig Einblicke in die Profi-Welt - und ecken dabei auch mal an!