Podcast der Ex-Werder-Spieler

„Nicht alles ist Friede, Freude, Sonnenschein“: Ex-Werder-Profis Harnik und Kruse gewähren Einblicke in die Profi-Welt - und ecken dabei auch mal an

Beim SV Werder Bremen gingen Martin Harnik (li.) und Max Kruse (re.) früher gemeinsam auf Torejagd, heute plaudern die Ex-Profis und Freunde im gemeinsamen Podcast aus dem Nähkästchen.
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Beim SV Werder Bremen gingen Martin Harnik (li.) und Max Kruse (re.) früher gemeinsam auf Torejagd, heute plaudern die Ex-Profis und Freunde im gemeinsamen Podcast aus dem Nähkästchen.

Eskapaden, hohe Gehälter und kostspielige Luxusgüter: Martin Harnik und Max Kruse verraten in ihrem gemeinsamen Podcast interessante Details über den Profifußball und Werder Bremen. Die DeichStube hat für euch einmal reingehört.

Bremen – Das Licht war leicht schummrig. Irgendwo knarzte ein Stuhl, der Geruch von Schweiß und Frikadellen lag in der Luft. Eine Handvoll Journalisten hatte sich eingefunden, um den Neckereien von Max Kruse und Felix Kroos zu lauschen. Schlagfertig erinnerten sie sich an vergangene Tage beim SV Werder Bremen, plauderten ein wenig aus dem Nähkästchen. Und plötzlich fiel der Satz: „Einen Podcast mache ich auch bald. Das wird der zweitbeste im neuen Jahr.“ Etwas mehr als zwei Monate ist das jetzt her, Kruse hatte mit seiner Aussage im Rahmen des Oldenburger Hallenturniers für Traditionsmannschaften auf das Erfolgsprojekt „Einfach mal Luppen“ angespielt, das Felix Kroos gemeinsam mit seinem Bruder Toni auf die Beine gestellt hat. Wöchentlich gewährt das Duo Einblicke ins eigene Leben und die Sportwelt, hat eine riesige Fangemeinde angehäuft. Seit zehn Folgen greift nun auch Max Kruse zum Mikrofon, gemeinsam mit Freund und Ex-Werder-Kollege Martin Harnik wird im „Flatterball“-Podcast über das Fußballgeschäft gefachsimpelt. Nicht einfach nur so, sondern offen und ehrlich. Mitunter derart direkt, dass angeeckt wird.  
 
„Ich fliege natürlich mit auf dem Flatterball, aber es sind in erster Linie deine Aussagen, die polarisieren, was an sich für unseren Podcast cool ist, weil er dadurch sehr viel Aufmerksamkeit bekommt“, räumte Martin Harnik in der jüngsten Episode ein. Gerade erst hatte Max Kruse mit Kritik an Niko Kovac, seinem ehemaligen Trainer beim VfL Wolfsburg, für Aufsehen gesorgt. So urteilte der ehemalige Angreifer des SV Werder Bremen unter anderem über den Coach: „charakterlich absolute Katastrophe“. Das Medienecho blieb nicht aus – auch weil Kruse seinen ehemaligen Mitspieler Yannick Gerhardt mit in die Angelegenheit hineinzog, obwohl dieser noch beim VfL unter Vertrag steht. Ein Fehltritt, der dem 36-Jährigen enormen Gegenwind einbrachte.

Max Kruse und Martin Harnik plaudern offen über ihre Karrieren, Werder Bremen und Florian Kohfeldt

Eine Entschuldigung in Richtung Gerhardt folgte zwar prompt, doch ihren grundsätzlichen Kurs wollen die Flatterball-Protagonisten beibehalten. „Fehler gehören dazu. Es wird uns aber hoffentlich nicht mehr so häufig passieren – oder am besten gar nicht –, dass wir jemanden in Schwierigkeiten bringen“, betonte Martin Harnik. „Wir sind ehrlich und offen. Es macht uns und unseren Podcast aus, dass wir auch mal unangenehme Dinge ansprechen. Dazu gehört dann auch, mal über den Charakter eines Trainers zu sprechen, der anscheinend nicht so geil war. Es ist halt nicht alles immer Friede, Freude, Sonnenschein.“
 
Dieser Ansatz muss nicht jedem Hörer gefallen. Interessante Eindrücke liefert er mitunter dennoch. Speziell Fans des SV Werder Bremen kommen regelmäßig auf ihre Kosten, wenn die beiden Ex-Profis die eine oder andere Anekdote aus ihrer Zeit am Osterdeich auspacken. Da geht es dann um Schnitzel-Büffets im Parkhotel vor Heimspielen, Fahrten im Teambus oder Kartenspiele mit hohen Einsätzen. Auch über Ex-Trainer Florian Kohfeldt wurde eifrig diskutiert. Martin Harnik urteilte: „Ich hatte anfangs ein sehr gutes Verhältnis, aber das ist später in die Brüche gegangen. Das ist sicherlich subjektiv, aber mein Gefühl war, dass die Charakterköpfe wegsortiert wurden, weil er sich bedroht gefühlt hat.“ Max Kruses Konter: „Er ist sehr offen. Ich hatte nach ein, zwei Wochen ein sehr, sehr gutes Gefühl. Er hat mir aber natürlich auch eine Position gegeben, in der ich Freiräume hatte und schalten und walten konnte, wie ich wollte.“ Doch es werden auch noch andere Türen geöffnet, selbst das Thema Geld ist kein Tabu. Haarklein wird skizziert, wie die Gehälter gestiegen sind und welche Auswirkungen das auf sie im Speziellen hatte, aber auch auf junge Kicker im Allgemeinen haben kann.

Max Kruse verrät erste Gehälter beim SV Werder Bremen und was er damit angestellt hat

Und so ergibt sich ein durchaus hörenswerter Einblick in eine Parallelwelt. Max Kruse schilderte etwa, wie sich sein Leben nach dem ersten Lehrjahr als Speditionskaufmann mit dem Wechsel nach Bremen schlagartig veränderte. „Ich war 17 Jahre alt. Ich hatte einen A-Jugend-Vertrag und habe 1200 Euro bekommen. Du kommst von 400 Euro und Werder gibt dir einfach 1200 Euro. Da denkst du dir: boah, krass!“, gestand Kruse. „Richtig los ging es bei mir erst mit 18 Jahren, als ich meinen ersten Profi-Vertrag unterschrieben habe. Da kam ein Sprung auf 6000 Euro im Monat. Für mich als junger Spieler war es schwierig, das einzuordnen. Je mehr Geld ich bekam, desto leichtfertiger habe ich es ausgegeben.“
 
Martin Harnik war da defensiver unterwegs – auch weil sein Bruder stets ein Auge auf die Ausgaben gehabt habe. Einen exklusiven Lebenswandel gab es dennoch, auch weil durch Prämien für Siege oder Tore noch kräftige Finanzspritzen folgten. Ein teures Abendessen, kostspielige Clubbesuche oder den Kauf von Luxusgütern habe es deshalb durchaus gegeben – „weil die ,Fußball-Bubble‘ das auch so vorlebt“, wie Harnik sagte. So habe er einmal miterlebt, wie es einst im Vorfeld eines Auswärtsspiels des SV Werder Bremen in Frankfurt im Teamhotel einen Raum gegeben habe, wo externe Personen Uhren eigens an die liquiden Profis verkauft hätten. Nicht jeder Spieler könne bei Gelegenheiten wie diesen widerstehen, wolle mitunter mithalten, schilderte Harnik. Auch Max Kruse räumte aufgrund mancher Verlockung ein: „Ich habe irgendwann die Relation zum Geld verloren. Ich habe bei St. Pauli damals 12.000 Euro im Monat verdient und mir einen M3 und Mercedes C63 AMG geleast. Ich habe das Geld einfach rausgehauen.“ Nicht nur dort: „Ich habe Online-Poker gespielt, da mein Geld verballert, bin abends ins Casino gegangen, habe da mein Geld verballert. Mein Lebensmotto war immer, im Hier und Jetzt zu leben.“

Ex-Werder-Bremen-Profi Max Kruse und die „dumme Idee“ bei der deutschen Nationalmannschaft

Mitunter brachte ihn das auch sportlich in Bedrängnis, so wie im November 2013, als Max Kruse Stress bei der deutschen Nationalmannschaft bekam. „Wir haben erst Poker gespielt. Und wie ich halt so bin, komme ich auf dumme Ideen und habe mir dann kurzerhand nach 23 Uhr jemanden aufs Zimmer bestellt“, erklärte Werder Bremens einstiger Publikumsliebling. „Ich habe die Frau reingelassen, wir haben uns ein bisschen unterhalten, dies das... Fünf Minuten später klopft es auf einmal an meiner Tür. Ich wollte durch das Schlüsselloch gucken. Aber da wurde die Hand von außen vorgehalten. Ich habe die Tür aufgemacht und da standen Oliver Bierhoff (DFB-Geschäftsführer; Anm. d. Red.) und Hansi Flick (Co-Trainer, d. Red.). Bierhoff sagte: Schick die Frau nach Hause, über den Rest reden wir morgen.“
 
Das nächste Kapitel einer ereignisreichen Karriere war geschrieben. Und es sollten noch einige folgen. Max Kruse und Martin Harnik erzählen ausführlich davon, nehmen kein Blatt vor den Mund. So wollen sie ihre Hörer mitnehmen, ihnen den Mythos des Profijobs näherbringen. Und vielleicht irgendwann tatsächlich der zweitbeste Fußball-Podcast werden. (mbü)

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