Innenverteidiger stellt sich vor
„Vorangehen und auch mal auf den Putz hauen“ – Werder-Neuzugang Wöber und sein Führungsanspruch
So tickt Maximilian Wöber! Der Neuzugang des SV Werder Bremen spricht bei seiner offiziellen Vorstellung über seinen Transfer, seine Zukunft - und seinen Anspruch, Führungsspieler zu sein.
Bremen – Als Maximilian Wöber am Donnerstagmittag zu seiner offiziellen Vorstellung erschien, war der Neuzugang des SV Werder Bremen nicht nur zwei Minuten zu früh, sondern begrüßte die anwesenden Journalisten auch mit einem lauten „Servus“. „Ich bin gebürtiger Wiener, da gehört das klassische Servus einfach dazu. Im Moment tue ich mich noch etwas schwer damit, ein Moin über die Lippen zu bringen – aber ich denke, das wird sich mit der Zeit ändern“, sagte der 27-Jährige über die kleine kulturelle Umstellung. Abseits der passenden Begrüßung hat Wöber in seinen ersten Tagen an der Weser bereits einiges erlebt – und ist bereits standesgemäß vom Bremer Wetter begrüßt worden. „Mein erster Werder-Moment war unser erstes Training am Montag – im Regen“, berichtete der Innenverteidiger lachend. „Da dachte ich kurz, es liegt an mir und ich hätte das englische Wetter aus Leeds mitgebracht. Aber die Jungs haben mir gleich gesagt, dass ich mich daran gewöhnen muss.“
Werder Bremen-Neuzugang Maximilian Wöber macht Führungsanspruch deutlich
Auf dem Platz zeigt sich der österreichische Nationalspieler seit Tag eins lautstark, präsent und engagiert. Auch bei seiner Vorstellung wirkt er offen, humorvoll und gleichzeitig ambitioniert – keineswegs zurückhaltend, wie es bei Vorstellungen von Neuzugängen mitunter häufiger der Fall ist. „Wenn ich mir meinen Platz auf dem Rasen und in der Kabine erarbeitet habe, will ich vorangehen, junge Spieler unterstützen – aber auch mal auf den Putz hauen und klare Worte sprechen, gerade wenn es sportlich mal nicht läuft“, machte Maximilian Wöber seinen Führungsanspruch deutlich. Dass er vorerst von Werder Bremen nur für ein Jahr auf Leihbasis mit Kaufoption verpflichtet wurde, spiele für ihn in dieser Hinsicht keine Rolle: „Das ändert nichts an meiner Persönlichkeit. Laut zu werden, muss ich mir nicht angewöhnen – ich bin einfach so, wie ich bin. Ich will gute Leistungen bringen, dann kommt der Rest von allein.“
Maximilian Wöber verlor in „Leidenszeit den Spaß am Fußball“: Werder Bremen hat ihn schnell überzeugt
Vorrangig ist Maximilian Wöber aber erstmal froh, überhaupt wieder fit auf dem Platz zu stehen. Im vergangenen Jahr kam er bei Leeds United verletzungsbedingt nur auf acht Liga-Einsätze. Der Grund: zwei Knieoperationen und eine lange Zeit voller Schmerzen. „Niemand wusste genau, was los ist. Ich bin jeden Tag mit geschwollenem Knie und Schmerzen auf den Platz. Die Ärzte sagten zwar, es sehe gut aus, aber ich wusste: Das ist nicht normal.“ Obwohl Leeds den Aufstieg in die Premier League schaffte, blickt Wöber auf ein für ihn sportlich verlorenes Jahr zurück. „Ich habe in dieser Leidenszeit den Spaß am Fußball ein Stück weit verloren.“ Den will er nun bei Werder Bremen zurückgewinnen. „Die schlechte Zeit ist zum Glück vorbei. Ich fühle mich nach den ersten Tagen körperlich richtig gut.“ Auch menschlich habe er schnell Anschluss gefunden: „Es ist eine extrem coole Truppe – es wird hart gearbeitet, aber auch viel gelacht.“
Genau danach hat sich der gebürtige Wiener gesehnt – denn nach dem Aufstieg mit Leeds signalisierten ihm die Verantwortlichen früh, dass er sich einen neuen Verein suchen dürfe. Bereits im Mai meldete sich Werder Bremen bei ihm – zu einem Zeitpunkt, als er selbst noch nicht genau wusste, wie es weitergeht. Doch nach Rücksprache mit seinen österreichischen Nationalmannschaftskollegen Marco Friedl, Romano Schmid sowie Marco Grüll und einem Telefonat mit Cheftrainer Horst Steffen war Maximilian Wöber überzeugt. „Mir wurde nur Gutes berichtet – familiärer Club, super Stimmung im Stadion, ehrgeizige Ziele. Das ist genau das, was man als Fußballer sucht.“
Neuzugang Maximilian Wöber hofft nach Leihe auf langfristige Zukunft bei Werder Bremen
Auch wenn der Verteidiger sportlich bereits angekommen ist – privat steht der Umzug noch bevor. „Wir sind noch auf Wohnungssuche, aber es sieht gut aus. Ich habe gerade eine Nachricht von unserer Maklerin bekommen – ich hoffe, es sind keine schlechten Nachrichten“, sagte er lachend. Was sein neues sportliches Zuhause auf dem Rasen angeht, zeigt sich der Österreicher hingegen flexibler: „Ich kann sowohl innen als auch links spielen – da bin ich komplett offen.“ Während es als Linksverteidiger spannend sei, sich auch offensiv einzuschalten, sieht Maximilian Wöber in der Innenverteidigung aufgrund seiner Größe und Physis möglicherweise noch mehr Wirkungskraft. „Mir machen grundsätzlich aber beide Positionen Spaß.“
Sein Ziel ist klar: sich sportlich durchsetzen, um im besten Fall langfristig bei Werder Bremen zu bleiben. Denn: Im Dezember erwartet Maximilian Wöber mit seiner Frau das erste gemeinsame Kind. „In den letzten Jahren war es oft eine Fernbeziehung, weil sie beruflich oft in Wien war. Aber als werdende Eltern wollen wir einen gemeinsamen Lebensmittelpunkt haben. Hoffentlich wird das Bremen.“ Spätestens dann sollte auch das „Moin“ noch leichter über die Lippen gehen. (bvo)
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