Werder-Keeper (nicht) am Ziel
Erst Kahn, dann Neuer und ter Stegen: Zetterer erklärt, warum er als Werders neue Nummer eins so gut Fußball spielt
Am Samstag stand Michael Zetterer erstmals als neue Nummer eins für Werder Bremen in der Bundesliga auf dem Rasen, in einer Medienrunde am Dienstag stand er dementsprechend gut gelaunt Rede und Antwort.
Bremen – Es ist der Tag der Premieren für Michael Zetterer: Erstmals kommt er als echte Nummer eins des SV Werder Bremen zum Training, und erstmals steht er in dieser neuen Rolle im Medienraum den Journalisten Rede und Antwort. Eines vorweg: Der 28-Jährige wirkt glücklich und auffallend tiefenentspannt. Dabei gibt es nicht nur angenehme Fragen – wie zum Beispiel nach seinem Verhältnis zu Jiri Pavlenka, der nun zuschauen muss. Michael Zetterer über . . .
. . . die größten Veränderungen
Erst mal muss Michael Zetterer da etwas klarstellen: „Das ändert nichts an meiner Arbeitseinstellung.“ Er werde auch weiterhin seine Hausaufgaben erledigen und bei Werder Bremen sein zusätzliches Training absolvieren. Der größte Unterschied sei die Vorbereitung auf das Spiel, speziell am Tag davor mit einer Video-Einheit. „Und man macht sich selbst mehr Gedanken, was da auf einen vom Gegner zukommt, schaut sich die letzten Tore von den gegnerischen Stürmern und noch einiges mehr an.“
Oliver Kahn und Co.: Werder Bremens neue Nummer eins Michael Zetterer nennt seine Vorbilder
. . . Vorbilder auf der Torhüter-Position
„Ganz früher Oliver Kahn“, schießt es da sofort aus Michael Zetterer heraus – mit einem lachenden Zusatz: „Fußballerisch habe ich mir aber nicht so viel von ihm abgeguckt.“ Der „Titan“ vom FC Bayern München war der klassische Torwart, anders als die beiden Keeper, die Zetterer als nächstes nennt: „Marc-André ter Stegen und Manuel Neuer haben das Torwartspiel wirklich geprägt, von ihnen habe ich mir viel abgeschaut.“
. . . seine Qualität als Fußballer
„Ich war lange Feldspieler und hatte da als Stürmer extrem viel Spaß“, erinnert sich Zetterer. Erst in der B-Jugend sei er fest ins Tor gekommen – nach einem kleinen Streit seiner Trainer: „Der eine meinte, ich sei super im Tor, der andere, ich sei super im Feld.“ Der Torwarttrainer setzte sich schließlich durch. „Ich hatte im Tor auch mehr Spaß, weil ich weniger laufen musste“, scherzt Michael Zetterer, der auch heute bei den Profis des SV Werder Bremen im Training gerne mal im Feld aushilft.
Jiri Pavlenka als Nummer eins bei Werder Bremen verdrängt – Michael Zetterer erreicht selbst gestecktes Ziel
. . . sein Verhältnis zu Jiri Pavlenka
Des einen Freud ist des anderen Leid: Jiri Pavlenka hat seinen Status als Nummer eins verloren, muss nun sogar um seine EM-Chance bei den Tschechen fürchten. „Ich weiß um seine Situation“, sagt Michael Zetterer und präsentiert sich ziemlich offen: „Hätten wir nicht so ein gutes Verhältnis, wäre es mir wahrscheinlich total egal, weil wir im Leistungsfußball sind. Da will jeder spielen – und im Tor kann das nur einer.“ Der heißt bei Werder Bremen nun Zetterer und nicht mehr Pavlenka. Groß gesprochen wird darüber nicht. „,Pavlas’ braucht da jetzt keine Tipps von mir. Er ist 31 Jahre alt und weiß damit umzugehen. Er verhält sich sehr professionell.“
. . . seine Verbindung zum SV Werder Bremen
„Ich habe wahrlich nicht diese typische Profi-Karriere – vom Talent, das den Sprung zu den Profis schafft und dann nimmt so eine Karriere ihren Lauf“, blickt Michael Zetterer zurück: „Bei mir war das anders. Ich bin durch Verletzungen und Sachen, die ich nicht beeinflussen konnte, zurückgeworfen worden.“ Zwei Kahnbeinbrüche und weitere Handoperationen bremsten ihn ordentlich aus. Der Keeper wurde ausgeliehen – erst zu Austria Klagenfurt, dann zu PEC Zwolle. „Ich bin aber immer hierher zurückgekommen und habe den Anschluss gefunden. Deswegen war für mich klar: Den nächsten Step möchte ich hier machen – und das ist mir jetzt gelungen.“ Sofort legt sich ein Strahlen auf das Gesicht des gebürtigen Münchners, der 2015 von der SpVgg Unterhaching an die Weser gewechselt ist. „Ich kenne hier fast jeden Mitarbeiter persönlich. Das ist anders als bei anderen Vereinen, wo man nur zum Training kommt und wieder nach Hause fährt.“
Michael Zetterer sieht sich bei Werder Bremen noch nicht am Ende seiner Entwicklung
. . . über seine Geduld als Ersatzmann
Da grinst Michael Zetterer. „Ich bin positiv verrückt und lasse mich nicht von Stimmen beeinflussen, die lauter werden und fordern: ,Probier’ es doch mal woanders.’“ Das sei für ihn nicht infrage gekommen. „Ich wollte hier die Nummer eins werden und in der Bundesliga spielen.“ Deswegen sei es für ihn normal gewesen, „rund um die Uhr zu trainieren. Ich hatte kein Motivationsproblem“. Jetzt ist es sein Ziel, durch die Einsätze bei Werder Bremen „ein noch besserer Torwart zu werden“. (kni)