Werder-Keeper in der Mixed-Zone
Keine Lust auf Negativspirale: Zetterer ist seit zehn Jahren bei Werder und hat noch viel vor
Michael Zetterer hat nach zehn Jahren bei Werder Bremen noch viel vor. So denkt er über die aktuell vielen Gegentore, den Traum von der Nationalmannschaft und die „kicker“-Rangliste.
Bremen – Eine große Feier hat es nicht gegeben, „aber es war natürlich ein cooler Tag mit ein paar mehr Anrufen“, sagt Michael Zetterer über den vergangenen Montag und lacht. Zehn Jahre ist es inzwischen her, dass der Torhüter zum SV Werder Bremen gewechselt ist und eine Karriere mit Achterbahn-Charakter gestartet hat. Schwere Handverletzungen machten ihm das Leben zwischenzeitlich schwer, der Weg nach oben schien für immer versperrt. Doch Zetterer bewies Kampfgeist und Geduld, kämpfte sich über Leihen zurück ins Rampenlicht und schaffte an der Weser doch noch den Sprung zur Nummer eins. Ein Weg, der noch lange nicht zu Ende sein soll.
Wie Torwart Michael Zetterer mit Werder Bremen die vielen Gegentore abstellen will
„Ich kann mir jetzt sicherlich besser vorstellen, nochmal zehn Jahre da zu sein, als ich es mir vor zehn Jahren hätte vorstellen können“, sagt der 29-Jährige, der seinerzeit aus Unterhaching an den Osterdeich kam. „Ich bin das beste Beispiel: Man kann im Fußball nie sagen, was passiert. Allein innerhalb eines Jahres kann schon so viel passieren. Aber ich hoffe natürlich, dass ich noch viele Jahre hier spielen darf.“ So wie er es aktuell Woche für Woche tut. Und sich vielleicht sogar noch ein wenig mehr als jeder andere Teamkollege darüber ärgert, dass es allein im Kalenderjahr 2025 schon elf Gegentore für ihn und Werder Bremen gab. „Individuell fehlt ein wenig die Giftigkeit, der unbedingt Wille, nichts zuzulassen. Das hatten wir im Dezember noch mehr, als wir total solide verteidigt haben“, moniert der gebürtige Münchener, betont aber zugleich: „Wir haben in der Hinrunde aber auch schon bewiesen, dass wir gegen absolute Topmannschaften gut stehen können. Deshalb sollten wir jetzt nicht in eine Negativspirale abdriften. Die Hinrunde war wirklich gut, darauf kann man aufbauen. Wir haben totale Schlagdistanz nach oben – und das darf auch gern so bleiben.“
Michael Zetterer will dabei die Verantwortung für die defensiven Nachlässigkeiten nicht nur auf seine Vorderleute abwälzen, wenngleich er auch witzelt: „Ich kann natürlich nicht vorne die erste Spitze anlaufen und hinten dann eine Top-Parade machen. Als Torwart ist man immer auch ein Stück weit darauf angewiesen, dass die Jungs vor einem einen guten Job machen.“ Mit einem „hellwachen Torwartspiel“ will der Keeper aber logischerweise auch selbst seinen Teil dazu beitragen, dass sich die Zahl der Gegentore wieder minimiert. Im Laufe der Saison hat Zetterer schon viel Lob für seine Leistungen erhalten, sogar eine Einladung zur Nationalmannschaft stand im Raum. Aber es gab auch kritische Stimmen, unter anderem verzichtete der „kicker“ in seiner traditionellen Rangliste darauf, den Bremer als nur einen von vier Erstliga-Torhütern ins Ranking aufzunehmen. „Defizite bei Flanken, teils mit Torfolgen, entziehen dem im Aufbau auffällig starken Bremer das Ticket für die Rangliste“, lautete damals die kurze Begründung des Fachmagazins.
Werder Bremen-Torwart Michael Zetterer über „kicker“-Rangliste, DFB-Traum und seine Karriere als „Inspiration für junge Spieler“
Werders Mann zwischen den Pfosten ist dieser Umstand nicht entgangen, aber auch ziemlich unwichtig. „Ganz ehrlich, das ist mir wirklich – Entschuldigung für die harte Ausdrucksweise – scheißegal“, erklärt Michael Zetterer. „Ich höre auf das Feedback, das ich von Trainern, Experten und Ex-Spielern bekomme, die in diesem Bereich Erfahrung haben und selbst auf diesem Niveau unterwegs waren. Darauf sollte man als Profi generell mehr wert legen als auf Reporter, die irgendetwas zusammenschreiben.“ Und mit dieser Einstellung und seinen Leistungen probiert der Jubilar dann auch, weiterhin die Aufmerksamkeit des DFB auf sich zu ziehen. „Wenn man damit mal in Verbindung gebracht wird, dann ist der Traum ständig da“, gibt Zetterer zu. „Ich versuche, Spiel für Spiel Werbung in eigener Sache zu machen und zu zeigen, was ich draufhabe. Das ist das Einzige, das ich beeinflussen kann.“ Die jüngsten Ergebnisse mit Werder Bremen seien da sogar zweitrangig. „Da sind absolute Profis am Werk, die das beurteilen. Da ist nicht entscheidend, ob man das letzte Spiel 2:2 gespielt hat oder 3:1 gewinnt. Da wird nur auf die Leistung des Spielers geschaut und welchen Einfluss er aufs Spiel hat.“
Und somit geht es nach all den Blicken zurück hinein in die Zukunft. Womöglich nicht für zehn weitere Jahre, aber das steht auch gar nicht im Vordergrund. Michael Zetterer strebt nach sportlichem Erfolg mit dem Team – und ist dankbar, dass er nach jahrelangem Zuschauen nun endlich seinen Teil dazu beitragen kann. „Es erfüllt mich mit Stolz, zu sehen, wo ich jetzt stehen darf“, sagt er. „Ob ich inzwischen ein Gesicht des Vereins bin, sollen andere beurteilen. Ich habe in dieser Zeit ja nicht 400 Spiele für den Verein gemacht. Aber vielleicht ist es eine Inspiration für junge Spieler, die auch was durchmachen und so merken, dass es sich trotzdem lohnt, immer dranzubleiben und den Glauben nicht zu verlieren.“ (mbü)