Werder verpasst erneut einen Sieg

Alles eine Frage der Verkopfung? Werder steht sich auch beim BVB wieder selbst im Weg – was die Lösung sein könnte

Der SV Werder Bremen um Marvin Ducksch (links) und Marco Grüll spielte mehr als 70 Minuten lang in Überzahl beim BVB, geriet aber dennoch mit 0:2 in Rückstand - und rettete am Ende immerhin einen Punkt.
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Der SV Werder Bremen um Marvin Ducksch (links) und Marco Grüll spielte mehr als 70 Minuten lang in Überzahl beim BVB, geriet aber dennoch mit 0:2 in Rückstand - und rettete am Ende immerhin einen Punkt.

Werder Bremen steht sich auch beim BVB selbst im Weg, feiert trotz 70-minütiger Sieg wieder keinen Sieg in 2025! Was die Lösung für die „Verkopfung“ sein könnte!

Dortmund – Es mag auch an Ole Werners Gesundheitszustand gelegen haben, dass die Freude nicht aus ihm heraussprudelte. Der Trainer des SV Werder Bremen plagt sich mit einem Infekt herum, das Spiel bei Borussia Dortmund ließ er sich dennoch nicht entgehen. Die späte Aufholjagd nach 0:2-Rückstand samt Remis beim Abpfiff taugte trotzdem nicht zu Jubelstürmen, weil ihm vorher einiges nicht gefallen hatte. Daraus machte der 36-Jährige auch überhaupt keinen Hehl. „Wenn wir die ersten 60 Minuten sehen, dann war es überhaupt nicht das, was wir uns vorgestellt hatten“, kritisierte er. „Wir sind mit dem Vorsatz gekommen, aggressiv zu spielen, unangenehm zu sein und uns sowohl gegen den Ball als auch mit Ball was zuzutrauen. Das ist uns überhaupt nicht gelungen.“ Und da hatte der Coach noch nicht einmal die frühzeitige personelle Überzahl und die erneuten defensiven Nachlässigkeiten gegen den BVB erwähnt.

Werder Bremens Marco Friedl nach Remis beim BVB: „Wir haben über 60 Minuten sehr schlechten Fußball gespielt“

Das tat er dann aber wenig später. „Wir haben nicht die richtige Energie auf dem Platz gehabt und auch einfach viel zu fehlerbehaftet gespielt in Überzahl“, ärgerte sich Ole Werner. „Wir haben viel zu wenig versucht, den Gegner zu bewegen, sind viel zu häufig auf einer Seite geblieben beziehungsweise haben zu früh tief gespielt.“ Kurzum: Es passte eigentlich nichts zusammen. Werder Bremen wusste somit aus der Roten Karte für BVB-Verteidiger Nico Schlotterbeck nach Notbremse an Marco Grüll (20.) überhaupt keinen Profit zu schlagen. Stattdessen wurde das 0:1 durch Serhou Guirassy kassiert (28.) und nach der Pause per Eigentor von Marco Friedl ein strittiges 0:2 (51.). Werders Kapitän klagte später: „Wir haben über 60 Minuten sehr schlechten Fußball gespielt. Wenn du das Geschenk bekommst, bei Borussia Dortmund über 70 Minuten in Überzahl zu spielen, musst du es besser machen.“

Leonardo Bittencourt sah das nicht anders. „Die Gegentore dürfen uns nicht passieren, damit haben wir eine verunsicherte Mannschaft zurück in die Partie geholt“, bemängelte er. Der 31-Jährige hat andererseits aber auch schon einiges erlebt in seiner Karriere – und nutzte deshalb die Gelegenheit, um seiner Mannschaft nach dem Spiel bei Borussia Dortmund eine wichtige Botschaft mit auf den Weg zu geben. „Mir hat ein Stück weit das Vertrauen in uns selbst gefehlt. Ich kann nicht verstehen, dass wir uns da zu viel Druck machen, nur weil wir jetzt mal eine nicht so optimale Woche hatten“, erklärte er mit Blick auf die vorherigen Partien des SV Werder Bremen gegen Leipzig (2:4), Heidenheim (3:3) und Augsburg (0:2). „Die Saison ist noch sehr lang. Wir dürfen auch nicht vergessen, wo wir herkommen und wo wir in den letzten Jahren gespielt haben. Da müssen wir auch mal einen Gang runterfahren. Wir spielen phasenweise super Fußball, haben bisher 27 Punkte geholt. Bei aller Liebe, bei allem Respekt: Da soll mal einer sagen, dass wir Probleme haben.“

Werder Bremens Leonardo Bittencourt nach BVB-Remis: „Wir müssen einen Tick locker sein, das Ganze ein bisschen ruhiger angehen“

Und damit war der Appell von Leonardo Bittencourt an mehr Gelassenheit noch nicht beendet. „Wir müssen einen Tick lockerer sein, das Ganze ein bisschen ruhiger angehen“, forderte er nach der Partie beim BVB. „Wenn wir weiter an uns arbeiten, dann werden die Siege auch wieder kommen. Gerade am Anfang sind wir, auch weil der Dezember so gut gelaufen ist, vielleicht ein bisschen zu verkopft an die Sache herangegangen. Einfach mal durchatmen, locker bleiben, beide Füße auf den Boden – und dann geht‘s weiter.“ Wie Werder diese Verkopfung wieder los wird? „Am besten durch Siege“, meinte Coolness-Prediger Bittencourt lachend, präzisierte dann aber noch: „Wir dürfen nicht so viel wollen. Wir sind auf einem guten Weg, nur glaube ich manchmal, dass wir die Handbremse dann komplett loslassen und auf Teufel komm raus Sachen machen wollen.“ Die Folge: Am Ende steht Werder Bremen sich dann selbst im Weg.

Ole Werner hofft, dass seine Spieler dank der erbaulichen Schlussphase gegen Borussia Dortmund die Köpfe nun wieder etwas freier haben. „Es spricht für die Mannschaft und ist ein Erfolgserlebnis, nochmal so zurückzukommen“, meinte er nach den Treffern von Bittencourt (65.) und Marvin Ducksch (72.), die erst möglich wurden, weil von der Bank dringend benötigte Impulse kamen. „Für uns ist wichtig, dass wir erkennen, dass es keine Phase ist, in der uns Dinge zufliegen oder vor die Füße fallen. Das ist normal im Laufe einer Saison, aber dann musst du dagegen entsprechend anarbeiten – mit aller Energie, mit allem Fleiß“, unterstrich der Coach des SV Werder Bremen. „Und da können wir uns an den letzten 30 Minuten von heute orientieren.“ Eine halbe Stunde, die Marco Friedl nur bedingt versöhnte: „Da haben wir vieles richtig gemacht. Deswegen haben wir uns den Punkt verdient, der unter dem Strich trotzdem zu wenig ist.“ (mbü)

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