Verabschiedungen bei Werder
„Da hat man selbst einen Kloß im Hals“: Tränenreicher Abschied für Veljkovic und Co. bei Werders Heimspiel-Finale
Neun Jahre spielte Milos Veljkovic für den SV Werder Bremen. Die Verabschiedung bei seinem letzten Heimspiel verlief besonders emotional.
Bremen – Milos Veljkovic weinte. Und weinte. Hemmungslos. Es war der Moment, in dem der serbische Innenverteidiger endgültig realisierte, dass seine Zeit beim SV Werder Bremen bald zu Ende geht. Unmittelbar vor dem Heimspiel der Norddeutschen am Samstag gegen RB Leipzig waren Veljkovic und fünf weitere Profis (Anthony Jung, Oliver Burke, André Silva, Issa Kaboré und Abdenego Nankishi) unter dem großen Applaus der Zuschauer verabschiedet worden – doch niemanden des Sextetts nahm dieses Ereignis so mit wie den 29-Jährigen, der demnächst in seine Heimat zu Roter Stern Belgrad wechseln wird.
Werder Bremen-Trainer Ole Werner über Milos Veljkovic und andere verabschiedete Spieler: „Sie werden vermisst werden“
„Danke, dass ihr alle gekommen seid“, schluchzte Milos Veljkovic ins Mikrofon von Stadionsprecher Arnd Zeigler. „Es bedeutet mir alles. Ich habe gar keine Worte. Ich dachte, dass dieser Tag nie kommen würde – doch jetzt ist er da. Danke für alles.“ Mehr als neun Jahre spielte und lebte er in Bremen, erzählte einst, dass seine ganze Familie auf dem Balkan inzwischen mit dem Werder-Virus infiziert sei. Der Nationalspieler machte an der Weser Höhen und Tiefen mit dem Team durch, stieg mit ihr in die 2. Bundesliga ab und schuftete für die Rückkehr ins Oberhaus. Das verbindet. Und nicht nur das. Veljkovic wohnt den sprichwörtlichen Steinwurf vom Stadion entfernt, er spürt täglich, was Werder Bremen für die Menschen und die Stadt bedeutet. Und wie groß die Bedeutung für ihn selbst ist, zeigten die Tränen am Samstagnachmittag.
„Entscheidungen, getrennte Wege zu gehen, sind Teil unseres Berufes“, sagte Chefcoach Ole Werner zwar, „auf der anderen Seite hat man selbst einen Kloß im Hals, wenn sich Spieler wie Milos oder Anthony Jung nach so vielen Jahren verabschieden. Anhand ihrer Reaktionen und der der Mitspieler sieht man, was es ihnen bedeutet hat, hier zu spielen.“ So ergebe sich über den sportlichen Aspekt hinaus ein Verlust für Werder Bremen, der erst einmal aufgefangen werden müsse, ist sich Werner sicher. „Man muss sich um beide nicht sorgen, sie werden ihren Weg woanders fortsetzen. Aber es gehen zwei Spieler, die auf dem Platz und in der Kabine maßgeblich dafür mitverantwortlich sind, dass der Verein heute wieder dort steht, wo er steht.“ Und der 37-Jährige betonte: „Sie werden vermisst werden und Lücken hinterlassen, die andere Spieler füllen müssen und auch werden.“
Viele Tränen bei Verabschiedung von Milos Veljkovic bei Werder Bremen: Trägt er noch einmal das SVW-Trikot?
Als das letzte Heimspiel der Saison dann beendet war, ging es für Milos Veljkovic und Jung noch in die Ostkurve zu den Fans und auch dort auf den Zaun. Ein letztes Stelldichein mit der Anhängerschaft. Außerdem wurden die beiden von der Mannschaft noch einmal hochleben gelassen und in die Luft geworfen. In der kommenden Woche könnten beide noch einmal das Trikot des SV Werder Bremen tragen, das nun bedeutungslose Auswärtsspiel gegen den 1. FC Heidenheim (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) böte eine ganz gute Gelegenheit – oder womöglich die drei Testpartien in kleinerem Rahmen in der Woche nach der Spielzeit. So oder so steht für Abwehrkollege Niklas Stark fest: „Die haben hier sensationelle Arbeit geleistet über die Jahre, haben hier Schweiß und Tränen gelassen. Deswegen gebührt ihnen da ein ganz hoher Respekt.“ Und der frühere Herthaner ergänzte: „Ich weiß, wie es ist, wenn man jahrelang bei einem Verein spielt und dann verabschiedet wird. Das ist nicht einfach, damit klarzukommen.“ (mbü)