„Wir sind auf dem richtigen Weg“
Werder-Verteidiger Veljkovic ist wieder fit und spricht von Europa – nur die Vertragsfrage bleibt offen
Milos Veljkovic ist nach langer Verletzungspause wieder fit - und hat einiges vor. Er steht vor einem besonderen Länderspiel und träumt von Europa mit Werder Bremen. Aber wie sieht seine Zukunft überhaupt aus? Die Vertragsgespräche verzögern sich.
Bremen – Milos Veljkovic wird gebraucht. Nicht nur beim SV Werder Bremen, sondern aktuell ganz dringend in der serbischen Nationalmannschaft. Seine Innenverteidigerkollegen Strahinja Pavlovic und Strahinja Erakovic stehen für das Nations-League-Duell mit der Schweiz am Freitag (20.45 Uhr) nicht zur Verfügung, da kommt die Genesung und Rückkehr des 29-jährigen Veljkovic allen Beteiligten sehr gelegen. Für den Bremer ist es zudem keine ganz normale Partie, wurde er 1995 doch nach der Flucht seiner Familie aus dem heimatlichen Bürgerkriegsgebiet in Basel geboren, spielte im Juniorenbereich sogar noch für die Auswahl der Eidgenossen.
Werder Bremens Milos Veljkovic spielt mit der Nationalmannschaft Serbiens erstmals in der Schweiz: „Besonderes Spiel“
Inzwischen hat er 33 Spiele für das A-Team Serbiens gemacht, bei Welt- und Europameisterschaften das Nationaltrikot auf dem Rasen getragen. „Für mich ist es immer ein besonderes Spiel, denn meine Familie lebt immer noch in Basel, ein Teil davon in Serbien“, schildert Milos Veljkovic. „Es ist das erste Mal, dass ich in der Schweiz mit der Nationalmannschaft spiele. Das wird ein besonderes Gefühl sein.“ Bei Werder Bremen steht der Defensivakteur seit 2016 unter Vertrag, kein anderer Bremer Profi bringt es aktuell am Stück auf ein gewichtigeres Treuebekenntnis. Im kommenden Sommer aber endet das Arbeitspapier – und noch ist Veljkovic‘ Zukunft völlig offen.
Zeit genug zum Reden wäre fraglos schon gewesen, doch die anvisierten Gespräche stehen weiterhin aus. Ursprünglich sollten „im Laufe der Hinrunde“ die Perspektiven ausgelotet werden, dann hieß es auf Nachfrage der DeichStube „spätestens im Winter“. Die kälteste Jahreszeit beginnt kalendarisch am 21. Dezember, vorher wird sich Stand jetzt auch nichts mehr tun. Vielmehr wird die kurze Winterpause anvisiert. Zugegeben: Der 17. Spieltag steigt für Werder Bremen erst am 15. Januar mit einem Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim (20.30 Uhr), die ursprüngliche Hinrunden-Ankündigung wäre somit bei einem vorherigen Treffen gerade noch eingehalten.
Verlängert Milos Veljkovic nochmal bei Werder Bremen? Gespräche über neuen Vertrag verzögern sich weiter
Mehr als acht Wochen hat Milos Veljkovic kürzlich wegen einer Entzündung an der Achillessehne gefehlt, auch in den vergangenen Spielzeiten gab es immer mal wieder Ausfallphasen. Verzögern sich die Vertragsgespräche also vielleicht auch wegen der häufigen Verletzungen? „Nein, gar nicht“, erklärt Peter Niemeyer, Werders Leiter Profifußball, gegenüber der DeichStube. „Wir haben gemeinsam mit ihm besprochen, dass wir uns im Winter zusammensetzen und über alles reden werden. Diese Zeit wollen wir uns alle nehmen.“ Soll heißen: Nicht nur Werder Bremen, sondern beide Parteien sind daran interessiert, sich erst demnächst über eine mögliche Verlängerung auszutauschen. Was den Grün-Weißen einerseits die Chance gibt, die ganze Angelegenheit etwas ausführlicher zu analysieren, es andererseits Veljkovic aber auch theoretisch ermöglicht, mit anderen Clubs Kontakt aufzunehmen.
Wenn der das denn überhaupt will. In der Vergangenheit hat das Mitglied des Mannschaftsrates stets betont, wie wohl er sich an der Weser fühlt. Schlechtere und bessere Zeiten hat er mit Werder Bremen durchgestanden, in 231 Pflichtspielen mal mehr, mal weniger seinen Beitrag geleistet. Über seinen Stellenwert im Kader gibt es intern keine Diskussionen, auch Trainer Ole Werner schätzt den Dauerbrenner. Nach einem Kurz-Comeback im DFB-Pokal gegen Paderborn, spielte Milos Veljkovic in Gladbach schon wieder eine Halbzeit lang, zuletzt gegen Kiel dann sogar die kompletten 90 Minuten. Auch das ist ein Signal.
Milos Veljkovic ist nach langer Verletzungspause wieder fit - und will mit Werder Bremen nach Europa
„Ja, ich bin jetzt bei 100 Prozent“, sagt Milos Veljkovic wie zur Bestätigung während einer Medienrunde beim Nationalteam. „Ich war acht, neun Wochen lang aus dem Rhythmus, was nicht einfach war. Aber ich fühle mich wirklich gut.“ Gut möglich also, dass die ständigen Personalwechsel in der Bremer Abwehr, die Werder schon in der Vorsaison regelmäßig hinnehmen musste und nun eigentlich unbedingt vermeiden wollte, im Fall Veljkovic der Vergangenheit angehören. Peter Niemeyer betont jedenfalls ganz allgemein: „Wir müssen nicht drumherum reden, dass eine gewisse Stabilität in der Defensive mit möglichst wenig personeller Fluktuation einhergeht. Je weniger Wechsel es gibt, desto eingespielter bist du.“ Und der 40-Jährige ergänzt: „Aufgrund von Verletzungen hat das leider bislang nicht so gut funktioniert, aber wir haben den großen Vorteil, dass wir sechs ganz unterschiedliche Innenverteidiger im Kader haben, die alle ihren ganz eigenen Mehrwert für die Mannschaft und das System haben.“
Eben auch Milos Veljkovic. Und der Verteidiger des SV Werder Bremen spricht nach 15 Punkten aus zehn Partien und einem aktuellen Zwei-Zähler-Rückstand auf den Tabellenvierten Bayer 04 Leverkusen sogar schon vom ganz großen Traum: „Ich habe mit dem Verein vor dieser Länderspielpause einen Sieg errungen, was allen sehr viel bedeutet, damit sie optimistischer auf die Fortsetzung der Saison blicken können. Wir wollen an einen Ort gebracht werden, der nach Europa führt. Das wird nicht einfach sein, aber ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg.“ (mbü)