Nach dem historischen Länderspiel mit dem Kosovo
Rashica mit viel Rückenwind
Bremen - Zurück in Bremen. Und die gute Laune, die Milot Rashica mitgenommen hatte in die Länderspielpause, hat sich gehalten. Mit einem Lachen im Gesicht erscheint der Nationalspieler des Kosovo zur Medienrunde und spricht über zwei Spiele, die für ihn einfach „amazing“ waren, wie er sagt.
Also toll, einmalig, überragend. Es waren Spiele gegen Frankfurt und die Färöer, die für Rashica Höhepunkte seiner Karriere markieren. Es war der Montagabend in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo. Das Land, das zuvor noch nie in seiner jungen Geschichte ein Pflichtländerspiel gewonnen hat, empfängt in der Nations League die Färöer zum Fußballzwerge-Treffen. Es ist das erste Spiel im frisch renovierten Fadil-Vokrri-Stadion, das dem Kosovo endlich echte Heimspiele schenkt. Zwei Jahre lang musste die Nationalelf nach Albanien ausweichen, weil sie kein eigenes für Länderspiele zugelassenes Stadion besaß.
Doch gegen die Färöer gab es die Premiere. Allein deshalb spricht Rashica schon von einem „speziellen Spiel. In Albanien anzutreten, war für uns okay, für unsere Fans und Familien aber ein bisschen weit. Jetzt konnten wir endlich vor ihnen spielen. Es war eine großartige Atmosphäre.“ Und wie bestellt gab es auch den ersten Sieg. 2:0 gewonnen – Rashica spielte mit. Ein Tor gelang ihm zwar nicht, doch den Stolz auf den ersten Pflichtspielerfolg hat er bis nach Bremen getragen. „Für uns alle ist das großartig. Es war ein großer Moment für unser ganzes Land, für unsere Leute, für die wir spielen.“
Rashica hofft auf einen Startelf-Platz gegen Nürnberg
Auch wenn der Gegner nur die Färöer waren und das Ganze lediglich zur Liga D, der unteren Spielklasse der neuen Nations League gehört, gibt das historische Erlebnis dem Werder-Stürmer dennoch Rückenwind für die nächsten Aufgaben beim SV Werder. Zusätzlichen Rückenwind, muss es genauer heißen. Denn Rashica hatte sich schon vor der Abreise mit seinem Freistoßtor zum Bremer 2:1-Erfolg bei Eintracht Frankfurt gewaltig Selbstvertrauen abgeholt. Nun kommt noch eine Schippe obendrauf.
Doch was das wert ist, wird sich erst am Sonntag zeigen, wenn Werder-Coach Florian Kohfeldt die Aufstellung für das Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg verrät. Rashica hofft auf einen Platz in der Startelf, sicher sein kann sich der Angreifer aber nie. Zu stark ist die aus Martin Harnik, Yuya Osako, Florian Kainz und Johannes Eggestein bestehende Konkurrenz. Die jüngsten Erlebnisse würden ihn aber zusätzlich anspornen, meint der 22-Jährige: „Das motiviert mich, das gibt mir Kraft. Aber ich weiß auch, dass die anderen ebenfalls ihr Bestes geben.“
Es ist und bleibt ein enges Rennen auf den Bremer Außenbahnen. Rashica ist Teil eines umfassenden Angebots an guten Spielern, und bislang wurden seine Qualitäten vor allem im Tempospiel und in Eins-gegen-eins-Situationen gesehen. Doch mit dem Zauberschuss in Frankfurt hat er nicht nur seine persönliche Matchwinner-Premiere im Werder-Trikot gefeiert, sondern sich auch als Freistoßschütze empfohlen. „Ich würde es wieder versuchen“, sagt er, „und ich hoffe, dass es wieder klappen würde.“ Aber dafür muss er erstmal auf dem Platz stehen, wenn es einen Freistoß gibt. Das ist trotz allen Rückenwinds die wohl größere Hürde.