Keita kann gegen Hannover nicht überzeugen
Nur ein Tempo: So ist Naby Keita keine Hilfe für Werder
Naby Keita konnte bei Werder Bremens Testspiel-Pleite gegen Hannover 96 nicht überzeugen. Insbesondere fielen erneut seine Tempo-Defizite auf. In der aktuellen Verfassung ist der 29-Jährige keine Verstärkung für die Grün-Weißen.
Hannover – Als Naby Keita zur Pause Richtung Kabine ging, da wurde er von Trainer Ole Werner noch auf dem Rasen in Empfang genommen. Der Trainer des SV Werder Bremen wollte beim Testspiel in Hannover wissen, ob der einstige Topstar des FC Liverpool noch weitermachen kann und will, wie er später verriet. Diese Szene und die Erklärung dazu, aber vor allem auch der Auftritt Keitas machten bei der 1:3-Testspielpleite beim Zweitligisten Hannover 96 deutlich, wie kompliziert diese Personalie tatsächlich ist und wie weit weg sich der 28-Jährige von einer für die Bundesliga ausreichenden körperlichen Verfassung befindet.
Werder Bremens Ole Werner über Keita: „Dass Naby das kann, darüber müssen wir alle nicht reden“
Erstmals seit Oktober hatte Naby Keita bei Werder Bremen in der Startelf gestanden – und er wirkte dabei nicht unmotiviert als Achter im Mittelfeld, wenn auch nicht engagierter als die Teamkollegen, um sich besonders in Szene zu setzen. Er bot sich immer mal wieder an und wählte dann meistens den sicheren Pass. Riskierte der Ex-Leipziger mal etwas mehr, war der Ball meistens wieder weg. Doch noch viel mehr fiel etwas anderes ins Auge: Das fast immer gleich bleibende Tempo in seinen Aktionen. Keita trabte regelrecht über den Rasen, machte kaum schnelle Bewegungen - und Sprints gab es von ihm gar nicht zu sehen. Wo war nur die Dynamik, die ihn in seiner Karriere so ausgezeichnet hatte? „Das ist selbsterklärend. Wenn dich immer wieder Dinge zurückwerfen, dann ist es genau das, was dir fehlt“, verwies Ole Werner auf die vielen Ausfallzeiten des Werder-Profis wegen Muskelverletzungen oder Erkrankungen. „Dass Naby das kann, darüber müssen wir alle nicht reden. Aber dafür braucht man einen Rhythmus, Trainingseinheiten und Spieleinsätze – aber halt auch in der Reihenfolge. Genau da wollen wir ihn hinbringen“, betonte der Coach und gab sich mit wenig zufrieden: „Positiv ist erst einmal, dass er diese 60 Minuten in die Beine bekommen hat und auf dem Platz stand. Alles andere wird kommen, wenn er gesund bleibt, mehr Trainingseinheiten und bei entsprechender Leistung auch mehr Einsatzzeiten bekommt.“
„Das ist ein schmaler Grat“, sagt Werder Bremens Ole Werner über Naby Keitas Fitnesszustand
Allerdings läuft die Saison nur noch zwei Monate, lediglich acht Partien stehen in der Bundesliga noch auf dem Programm. Ist dabei überhaupt noch mit einem Naby Keita bei 100 Prozent zu rechnen? „Ich hoffe es“, antwortete Werner. Der Coach des SV Werder Bremen beschrieb allerdings auch, wie schwierig der Weg dorthin ist. Er sprach von einer „gewissen Vorsicht“, die sowohl Trainer als auch Spieler genauso wie „eine gewisse Ungeduld“ begleiten würden: „Das ist ein schmaler Grat. Den versuchen wir, richtig zu treffen, sodass wir vorankommen und nicht in eine neue Verletzung hineinlaufen.“
Dazu gehörte dann auch das Gespräch in der Pause. Naby Keita signalisierte, dass er sich noch etwas mehr als die bisherigen 45 Minuten zutraue. Und das hätte ihm beinahe ein besonderes Erfolgserlebnis beschert. Denn nach Vorarbeit von Marvin Ducksch stand Keita, der wegen der Verletzung von Dawid Kownacki nach der Pause als Stürmer agierte, in der 56. Minute plötzlich allein vor dem Tor. Doch sein viel zu harmloser Schuss wurde pariert und zeigte einmal mehr, wie verunsichert dieser einst so großartige Fußballer inzwischen ist. Wenig später war die Partie für ihn beendet, er wurde ausgewechselt – immerhin wie abgesprochen und nicht wegen einer Verletzung.
Clemens Fritz lobt Werder Bremens Naby Keita: „Hat die eine oder andere gute Aktion gehabt“
Deshalb war Ole Werner auch durchaus zufrieden – und von Clemens Fritz gab es sogar ein kleines Lob: „Naby ist recht gut unterwegs gewesen, hat die eine oder andere gute Aktion gehabt.“ Allerdings war Werders Leiter Profifußball auch weit weg von jeglicher Euphorie und meinte vielsagend: „Wir werden ihn Stück für Stück darauf vorbereiten, dass er auch die körperliche Verfassung hat, um in der Bundesliga zu spielen.“ In Hannover war Keita davon noch sehr weit entfernt und es wurde klar, warum ihm Werner in der Vergangenheit lange Zeit nicht vertraut hat: Keita ist so keine Hilfe für die Mannschaft. (kni)