Neuer Werder-Trainer vorgestellt
„Dann ist auch mal Schluss mit lustig“: Werders neuer Trainer Horst Steffen über Ziele, Werte und Vorstellung von Fußball
Horst Steffen wurde am Montag offiziell als neuer Trainer des SV Werder Bremen vorgestellt. Die DeichStube fasst die wichtigsten Aussagen zusammen.
Bremen – Genau 45 Minuten lang stand Horst Steffen den Medien am Montag bei seiner ersten offiziellen Pressekonferenz als Cheftrainer des SV Werder Bremen Rede und Antwort. Trotz der turbulenten Tage, die hinter ihm liegen – erst vor einer Woche verpasste der 56-Jährige mit der SV Elversberg knapp den Bundesliga-Aufstieg –, wirkte Steffen ruhig, fokussiert und reflektiert. Allzu viel Zeit zum Durchatmen und Ankommen bleibt ihm jedoch nicht: In den kommenden vier Wochen bis zum Trainingsauftakt am 5. Juli stehen wichtige Weichenstellungen an – vor allem in puncto Kaderplanung und Kaderstruktur. Die DeichStube fasst den ersten öffentlichen Auftritt des neuen Werder-Trainers kompakt zusammen. Horst Steffen über…
Horst Steffen über die Anfrage von Werder Bremen und die aktuelle Mannschaft des SVW
… die Anfrage von Werder: „Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe. Es ist unglaublich spannend für mich, bei diesem Verein arbeiten zu dürfen“, erklärte der neue Cheftrainer mit einem breiten Lächeln. Dabei erinnerte er sich auch an seine aktive Zeit als Bundesliga-Profi in den 1990er-Jahren: „Zu meiner Spielerzeit musste ich ein ums andere Mal erfahren, dass es hier nicht immer ganz einfach war. Ich habe das Weserstadion als einen Ort in Erinnerung, an dem stets toller Fußball gespielt wurde.“ Genau diesen Fußball möchte Steffen künftig mit seinem neuen Team zelebrieren. Erstmals in seiner Trainerlaufbahn wird er dabei in der Bundesliga an der Seitenlinie stehen. „Es war für mich immer ein Ziel, als Trainer in der Bundesliga zu arbeiten. Wenn Werder Bremen anfragt, dann muss man nicht lange überlegen. Es war für mich schnell klar, dass ich das machen möchte.“ Und zwar auch im Falle eines Elversberger Aufstiegs: „Ich hatte eine tolle Zeit in Elversberg, aber wenn sich Werder meldet, ist das für mich eine Gelegenheit, den nächsten Schritt zu gehen.“
… Werders aktuelle Mannschaft: Bis Horst Steffen die Mannschaft des SV Werder Bremen persönlich kennenlernt, dauert es zwar noch ein paar Wochen, doch einen ersten Eindruck vom Team hat sich der neue Cheftrainer bereits verschafft. „Ich habe in den vergangenen Tagen damit begonnen, die Mannschaft im Detail zu analysieren. Es wird eine längere Phase geben, in der ich mir viele Spiele anschaue, damit ich bis zum Trainingsauftakt eine gute erste Einschätzung habe.“ Mit konkreten Zielsetzungen – insbesondere in Richtung Europa – hielt sich Steffen daher noch zurück: „Genaueres kann ich erst sagen, wenn ich die Mannschaft richtig kennengelernt habe. Grundsätzlich ist nach oben aber alles offen. Jetzt schon Versprechungen abzugeben, in welche Regionen es gehen kann, wäre aber unangebracht.“
Horst Steffen über die U19-Talente des SV Werder Bremen und seine Spielidee
… zur Rolle der U19-Talente: Der gebürtige Rheinländer gilt als Trainer, der junge Spieler enorm fördert. Ein Ruf, den er allerdings nicht überbewertet wissen möchte. „Ich baue sehr gerne junge Spieler ein, aber nur, wenn sie auch die Qualität mitbringen. Es gab auch schon junge Spieler, die es unter mir nicht geschafft haben“, sagte Steffen. Beim SV Werder Bremen ruht große Hoffnung auf dem aktuellen U19-Jahrgang, der vor wenigen Wochen den DFB-Pokal gewonnen hat. Auch Horst Steffen hat sich bereits mit den Talenten befasst: „Ich habe mir das Video des U19-Pokalfinals angeschaut und dort einige Spieler gesehen, bei denen ich die Hoffnung habe, dass sie sich weiterentwickeln können. Aber ich möchte ihnen auch keinen Rucksack aufsetzen.“ Klar sei aber: „In der Kaderplanung sind ein paar Plätze für jüngere Spieler vorgesehen – auch aus der U19.“ Eine pauschale Verjüngung des Kaders ist damit aber nicht automatisch verbunden. Steffen betonte: „Ich möchte nicht nur als Trainer gelten, der mit jungen Spielern arbeitet, während ältere außen vor bleiben. Es gibt auch viele ältere Spieler, die sich unter meiner Regie weiterentwickeln konnten. Es darf junge, mittelalte und erfahrene Spieler geben – entscheidend ist, dass wir gemeinsam ein gutes Ergebnis erzielen wollen.“
… seine Spielidee: „Ein Spiel dreckig zu gewinnen, ist nicht unbedingt der Ansatz, für den ich stehe. Wir wollen versuchen, attraktiven Fußball zu spielen und dabei Begeisterung zu entfachen“, gab Horst Steffen einen ersten Einblick in seine Spielphilosophie. „Im Vordergrund stehen dabei Spielfreude, Einsatzbereitschaft und Intensität.“ Zugleich betonte er: „Wir haben feste Abläufe, wie wir Spiele angehen, aber innerhalb dieser Abläufe darf es gerne auch Kreativität geben. Es soll immer spürbar sein, dass die Mannschaft mutig und mit viel Selbstvertrauen Fußball spielt.“ Ob Werder Bremen in der neuen Saison weiterhin mit einer Dreierkette (wie unter Vorgänger Ole Werner) agiert, ließ Steffen offen, erwähnte aber: „Grundsätzlich habe ich zuletzt in einer Viererkette spielen lassen.“
Neuer Trainer des SV Werder Bremen: Horst Steffen spricht über seine Familie und seine Werte abseits des Platzes
… seine Werte abseits des Platzes: „Ich bin ein Freund davon, dass sich die Jungs wohl- und gut behandelt fühlen. Umgekehrt verlange ich das aber natürlich auch“, beschrieb Horst Steffen seine Herangehensweise ans Trainersein – auch beim SV Werder Bremen. „Ich gehe da auch ein Stück weit in Vorleistung, indem die Jungs von mir absolutes Vertrauen bekommen. Die Spieler werden in mir eine gewisse Verlässlichkeit finden – meine Stimmungsschwankungen sind zum Glück relativ gering.“ Doch der 56-Jährige kann auch anders: „Es kommt schon vor, dass ich Tacheles rede – dann ist auch mal Schluss mit lustig. Aber grundsätzlich ist es sehr erwünscht, dass viel gelacht wird. Über allem steht die Frage: Was hilft gerade der Gruppe und unserer Leistung?“ Eine gute Beziehung zu seinen Spielern ist Steffen besonders wichtig – auch über die gemeinsame Zeit hinaus: „Ich finde es schön, wenn ich später von ehemaligen Spielern Nachrichten bekomme, wenn sie an mich denken. Das zeigt mir, dass ich etwas hinterlassen habe. Ich möchte so mit Menschen umgehen, dass nachdem man auseinandergeht, beide das Gefühl haben, es war eine gute Zeit.“
… seine Familie: Nach der Frage, ob er mit seiner gesamten Familie (vier Kinder, vier Enkel) nach Bremen ziehe, musste Steffen lachen: „Wenn Sie wüssten, wie groß meine Familie ist, dann wäre klar, dass das eher schwierig wird. Aber meine Frau wird versuchen, so viel wie möglich hier zu sein.“ Der gemeinsame Heimatstandort am Niederrhein bleibt bestehen – auch aus pragmatischen Gründen. „Bei früheren Stationen wurde deutlich, dass so ein Engagement auch kürzer dauern kann. Deshalb möchte ich niemandem zumuten, alles aufzugeben.“ Mit regelmäßigen Familienbesuchen in Bremen ist aber zu rechnen – vor allem an Heimspieltagen des SV Werder Bremen, wie Horst Steffen mit einem Grinsen andeutete: „Es kann gut sein, dass ich eine Menge Tickets brauche, wenn wir hier im Weserstadion spielen.“ Bevor die Vorbereitung startet, steht aber idealerweise noch eine kurze Auszeit mit der Familie auf dem Plan. „Wir werden nach einem Reiseziel umsehen und hoffen, dass es eine Woche Urlaub gibt. Ganz arbeitslos wird die aber wohl nicht“, ahnt Steffen, der mit einem Augenzwinkern hinzufügte: „Meine Frau kennt mich. Sie weiß, dass es passieren kann, dass sie bei einem Strandspaziergang schon mal vorgeht, während ich noch telefoniere.“ (bvo)
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