Werder-Pleite in Leverkusen
Taktik-Analyse: Einladung ausgeschlagen - Warum Werder gegen Bayer Leverkusen den Kürzeren zog
Die Taktik-Analyse zu Werder Bremens 0:1-Niederlage gegen Bayer 04 Leverkusen: Warum das Team von Trainer Horst Steffen auch im achten Spiel in Serie sieglos blieb, analysiert Taktik-Experte Tobias Escher.
Ein Klassenunterschied ließ sich zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen nicht erkennen. In der ersten Halbzeit griffen beide Teams durch das Zentrum an. Doch nach der Führung zog sich die Werkself weit zurück. Warum Werder trotz 60 Prozent Ballbesitz in der zweiten Hälfte kaum Chancen herausspielte, erklärt Experte Tobias Escher in der Taktik-Analyse.
Werder Bremens Niederlage gegen Bayer 04 Leverkusen in der Taktik-Analyse: Keine Durchschlagskraft
Dass Werder Bremen viele Tore kassiert, kennen die Fans bereits. Dass sie nun aber auch keine Tore mehr schießen, ist neu. In vier der vergangenen fünf Partien blieben die Bremer ohne eigenen Treffer. Beim 0:1 gegen Bayer Leverkusen zeigte Werder bis zum gegnerischen Strafraum ein gutes Spiel. Spätestens dort gingen Bremens Angreifern die Ideen aus. Werders Offensive fehlte es abermals an Durchschlagskraft.
Trainer Horst Steffen schickte dieselbe Startformation auf das Feld wie beim 3:3 gegen Eintracht Frankfurt. Formativ begann Werder Bremen in einer Mischung aus 5-2-3 und 5-4-1. Romano Schmid begann auf der halbrechten Seite, während Justin Njinmah leicht nach links versetzt agierte. Die beiden Außenspieler agierten dabei in gänzlich unterschiedlichen Rollen: Während Schmid im Spielaufbau das Mittelfeld unterstützte, startete Njinmah häufig in Richtung Strafraum.
Taktik-Analyse: Werder Bremen verteidigt gegen Bayer Leverkusen im 5-4-1
Dies blieb nicht das einzige Ungleichgewicht im Bremer Spiel. Linksverteidiger Isaac Schmidt rückte weit nach vorne, um Breite zu schaffen. Rechtsverteidiger Yukinari Sugawara agierte etwas zurückhaltender. So baute Werder Bremen das Spiel aus einer Viererkette auf: Karim Coulibaly rückte an die linke Seitenauslinie. Mit dieser Viererkette gelang es Werder einige Male, das Pressing von Bayer Leverkusen ins Leere laufen zu lassen. Trainer Kasper Hjulmand hatte seine Elf in einem 5-2-3 auf das Feld geschickt. Gegen den Ball setzten sie auf ein mannorientiertes Pressing. Allerdings rückten die Außenverteidiger nur zaghaft vor. So konnte Werder in der ersten Aufbaulinie eine Überzahl herstellen.
Wenn die Werkself früh draufging, sah man bei Werder Bremen das gewohnt flache Aufbauspiel. Schmid und Marco Grüll ließen sich fallen, um den Ball im Mittelfeldzentrum zu erhalten. Anschließend versuchten sie, Justin Njinmah hinter die gegnerische Abwehr zu schicken. Bayers Abwehr blieb jedoch wachsam.
Bayer Leverkusen setzte auf eine ähnliche Spielidee. Bei ihnen ließ sich Sechser Aleix Garcia fallen. So schuf Leverkusen eine Vier-gegen-Drei-Überzahl in der eigenen Hälfte. Die Außenverteidiger wiederum rückten ins Mittelfeldzentrum. Linksverteidiger Alejandro Grimaldo bot sich praktisch durchgehend zentral an. Leverkusen wollte über die Halbräume hinter die Abwehr gelangen. Werder Bremen verhinderte diese Angriffe jedoch über ein wachsames Mittelfeld. Leverkusen musste immer wieder eigene Angriffe abbrechen. Meist blieben die Leverkusener dabei am Ball, wodurch sie sich ein klares Ballbesitzplus erarbeiteten.
Taktik-Analyse: Erst lädt Werder Bremen Gegner Bayer 04 Leverkusen ein…
Aus taktischer Sicht verlief die erste Halbzeit ausgeglichen. Beide Teams verhinderten, dass der Gegner die anvisierten Angriffe über das Zentrum aufbauen konnte. Möglichkeiten gab es hauptsächlich nach frühen Ballgewinnen. Bayer Leverkusen setzte die schnellen Stürmer mehrere Male in Szene, nachdem Werder Bremen den Ball hergeschenkt hatte.
Werder ließ sich im Verlauf der ersten Halbzeit immer weiter in die eigene Hälfte drücken. Wenn das Pressing einmal überspielt war, zogen sich die Bremer in ein 5-4-1 zurück. Sie rückten anschließend nicht aggressiv nach, sobald Leverkusen Rückpässe spielte. So konnte Bayer das Spiel von einer Seite zur anderen verlagern. Auf diese Weise leitete die Werkself den Führungstreffer ein. Werder war nach einem Pass von Rechtsverteidiger Lucas Vazquez ins Zentrum nicht aufmerksam, sodass dieser den Ball zurückerhielt (37.).
Taktik-Analyse: ...Dann wird Werder Bremen von Bayer Leverkusen eingeladen
Schon nach dem Führungstreffer zogen sich die Leverkusener merklich zurück. Sie verteidigten fortan in einem 5-4-1 in der eigenen Hälfte. Spätestens zur zweiten Halbzeit hatte Werder Bremen ein klares Übergewicht. Am Ende der zweiten Halbzeit lag ihr Ballbesitz bei über 60 Prozent. Allerdings gelang es Werder nur selten, aus dem vielen Ballbesitz Torchancen zu kreieren. Jens Stage, Schmid und auch Grüll suchten immer wieder Lücken in der gegnerischen Formation. Allerdings fehlte in manchen Situationen die Tiefe. So kam Werder zwar bis ins letzte Drittel. Spätestens dort war Schluss.
Horst Steffen wollte mit seinen Einwechslungen mehr Durchschlagskraft erzeugen. Zunächst kam mit Jovan Milosevic (60., für Grüll) ein weiterer Angreifer. Das ließ die Balance kippen: Werder Bremen baute nun häufig in einem 3-2-5 auf, wobei manches Mal sogar sechs Spieler die letzte Linie bevölkerten. Bayer Leverkusen verteidigte jedoch so tief, dass die Angreifer nicht geschickt werden konnte.
Alternativ konnte Werder Bremen praktisch nur über die Flügel angreifen. Hier mangelte es nicht nur an Durchsetzungsfähigkeit im Eins-gegen-Eins, sondern auch an Abnehmern für Hereingaben. Von den insgesamt 18 Flanken fanden gerade einmal vier einen Abnehmer. Daran änderte auch die Einwechslung von Keke Topp (79., für Sugawara) nichts. Bitter: Keiner der Außenverteidiger brachte eine Flanke an den Mann, auch nicht der zur Halbzeitpause eingewechselte Olivier Deman. Auch deshalb musste Schmid immer wieder auf die Flügel ausweichen. Dadurch fehlte er unweigerlich im Zentrum.
Taktik-Analyse: Werder Bremen ohne Schlussoffensive gegen Bayer Leverkusen
Bis zur 75. Minute hatte Werder Bremen die Partie immerhin defensiv im Griff. Nach einigen personellen Umstellungen fand Leverkusen jedoch wieder ins Spiel. Jonas Hofmann hatte im Verlauf der Partie auf drei Positionen spielen müssen. Zu Spielschluss bot er sich als Linksaußen für Konter an. Bayer Leverkusen hatte nun eine klare Spielidee: Bei Ballbesitz formten sie ihr System zu einem 4-3-3 um. Von der halbrechten Seite aus leiteten sie Angriffe nach links ein. Leverkusen befreite sich nach und nach aus der eigenen Hälfte. Werders Schlussoffensive blieb aus.
Gerade einmal 0,31 Expected Goals erspielten sich die Bremer nach der Pause. Dabei luden die Leverkusener ihren Gegner in die eigene Hälfte ein. Horst Steffen muss schleunigst offensive Lösungen finden, sofern die Bremer nicht in den Abstiegsstrudel geraten wollen. Zu einer traditionell schwachen Defensive darf sich keine harmlose Offensive gesellen.
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