DeichBlick-Kolumne
Ex-Werder-Star Nils Petersen: „Gladbach als Endspiel für Horst Steffen? Völlig überzogen!“
Nils Petersen schreibt in seiner DeichBlick-Kolumne über die Krise des SV Werder Bremen, Probleme in der Mannschaft und die Lage von Trainer Horst Steffen.
Werders Situation ist brisant, klar, aber ich halte nichts davon, jetzt alles an Trainer Horst Steffen festzumachen. Er durfte und konnte im vergangenen Sommer nicht die Spieler nach Bremen holen, die er holen wollte – allein deshalb sollte man ihn länger schützen. Ich finde es völlig überzogen, Gladbach als Endspiel für Steffen auszurufen, und denke da nur an Christian Ilzer, der mit Hoffenheim letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt auch nicht viel mehr Punkte gesammelt hatte, dann die passenden Puzzleteile für seinen Fußball bekommen hat – und heute von allen abgefeiert wird.
Dass Werder Bremen aktuell da steht, wo es steht, ist für mich gar nicht überraschend. In meinen Augen gibt der Kader auch nicht viel mehr her als die derzeitigen 18 Punkte. Was aber Anlass zur Sorge gibt, ist der Negativtrend. Das Problem ist, dass sich kein Gegner mehr vor Werder erschreckt, denn für echte Torgefahr steht gerade kein Bremer. Dass die größte Wette auf einen Treffer Jens Stage, also ein Mittelfeldspieler ist, zeigt, dass etwas gehörig schiefläuft.
Werder-Bremen-Ex-Profi Nils Petersen: „Müssten eigentlich vier von sechs Trainingseinheiten in der Woche in der Box stattfinden“
Immerhin: Offensiv hat Werder Bremen im Jahr 2026 Fortschritte gemacht. Wenn du wie zuletzt 26 Torschüsse gegen Hoffenheim verbuchst oder die zweite Halbzeit gegen Leverkusen, zumindest bis zum Strafraum, dominierst, dann sieht das grundsätzlich nicht verkehrt aus. Was der Mannschaft aber nach wie vor abgeht, ist der Killerinstinkt. Bis kurz vor dem Tor sieht es gut aus, aber im Abschluss schwingt mir zu viel Prinzip Hoffnung mit. Da müssten eigentlich vier von sechs Trainingseinheiten in der Woche in der Box stattfinden.
Dazu kommt hinten das Problem, dass fast alles, was verteidigen kann, in der Physiotherapie liegt. Da hilft jetzt nur eines: Ein Erfolgserlebnis gegen ebenfalls kriselnde Gladbacher, damit wieder etwas mehr Ruhe am Osterdeich einkehrt.
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