Dritte Pleite in Folge
Auf der Suche nach Konsequenz: Werder-Trainer Ole Werner nimmt sein Team nach Niederlage gegen Union Berlin in die Pflicht
Der SV Werder Bremen hat mit 1:2 (0:0) gegen den 1. FC Union Berlin verloren und die dritte Pleite in Folge kassiert: Die Bremer sind auf der Suche nach Konsequenz - Trainer Ole Werner nimmt sein Team nun in die Pflicht.
Berlin – Es gibt da beim 1. FC Union Berlin diesen speziellen Brauch, mit dem der Verein fraglos ein Alleinstellungsmerkmal in der Bundesliga hat. Zum Tragen kommt er immer erst dann, wenn das Spiel längst vorbei und die meisten Fans bereits auf dem Heimweg sind. So auch am frühen Samstagabend. Nachdem der SV Werder Bremen vollkommen verdient mit 1:2 (0:0) gegen Union verloren hatte, kamen die beiden Trainer, Ole Werner und Nenad Bjelica, tief in den Katakomben der Alten Försterei zur Pressekonferenz zusammen, die sie, anders als sonst allgemein üblich, im Stehen absolvierten, jeweils hinter einem kanzelartigen Pult. Auf gewisse Weise verlieh das speziell dem Auftritt von Werder-Coach Werner zusätzliche Schwere und Ernsthaftigkeit – stehend von der Kanzel gesprochen verfehlte der folgende Satz seine Wirkung jedenfalls nicht: „Union hat uns heute vorgemacht, wie Konsequenz aussieht.“ Gemeint waren damit vor allem die ersten sieben Minuten der zweiten Hälfte, als sich die Bremer erst vorne und dann zweimal hinten sträflich inkonsequent in Köpenick präsentiert hatten.
So hätte Justin Njinmah nach einer zähen ersten Halbzeit, in der es auf beiden Seiten praktisch keine Höhepunkte gegeben hatte, kurz nach Wiederanpfiff für das Bremer 1:0 sorgen können - wenn auch aus abseitsverdächtiger Position, entschied sich im Strafraum aber gegen den Abschluss und für einen Haken; Chance verpufft (46.). „Wir haben eine super Möglichkeit, bei der wir frei aufs Tor zu laufen, dann aber nicht im Tempo bleiben“, ärgerte sich Ole Werner, der kurz nach der Szene hatte mit ansehen müssen, wie man es auch machen kann. Erst Yorbe Vertessen (50.) und dann der starke Brenden Aaronsen (52.) brachten den 1. FC Union Berlin per Doppelschlag mit 2:0 in Führung – die Defensive des SV Werder Bremen sah in beiden Szenen alles andere als gut aus.
Schon gelesen? So seht ihr Werder Bremens Testspiel gegen Hannover 96 am Donnerstag live im Internet-TV und Livestream!
Werder Bremens Keeper Michael Zetterer über die Tore von Union Berlin: „Da haben wir komplett gepennt“
„Da haben wir komplett gepennt“, ärgerte sich Torhüter Michael Zetterer, „vor allem beim zweiten Tor hören wir einfach auf zu verteidigen und begleiten nur.“ Trainer Ole Werner fasste beide Szenen so zusammen: „Wir waren einfach zu schwach im Zweikampfverhalten.“ Dass Union Berlins Mikkel Kaufmann vor dem ersten Treffer ungeahndet im Abseits gestanden und Torhüter Michael Zetterer die Sicht versperrt hatte, ärgerte den Chefcoach des SV Werder Bremen natürlich sehr. Die Inkonsequenz seines eigenen Teams, das durch Mitchell Weiser im weiteren Verlauf nur noch auf 1:2 herangekommen war (63.), aber genauso. Zumal sie in abgewandelter Form inzwischen auch nach dem dritten Spieltag in Folge Thema war.
Erst 1:2 gegen Hoffenheim, auch wegen mangelnder Chancenverwertung. Dann 1:2 gegen Dortmund, vor allem wegen zu wenig Ideen in der Offensive. Und nun das 1:2 gegen Union Berlin, wo sich die fehlende Konsequenz hinten bemerkbar machte. „Ich glaube, dass in allen drei Spielen Punkte möglich gewesen wären, aber wenn dir am Ende immer ein Tor fehlt, dann ist das für mich nicht nur mit der Qualität der Gegner zu erklären und auch nicht nur mit der eigenen Personalkonstellation, sondern dann hast du einfach in spielentscheidenden Situationen nicht die Konsequenz an den Tag gelegt wie in den Spielen davor“, hielt Ole Werner fest – und der Trainer des SV Werder Bremen forderte: „Diese Konsequenz müssen wir uns jetzt möglichst schnell wieder zurückholen, um wieder bessere Ergebnisse zu erzielen.“
Auch interessant: Verfolgt das Testspiel des SV Werder Bremen gegen Hannover 96 im DeichStube-Liveticker!
Werder Bremens Ole Werner: „Es ist wichtig, dass wir wieder eine andere Konsequenz haben in der Art und Weise wie wir spielen“
Zeit dafür hat Werder Bremen jetzt erstmal, wegen der Länderspielpause steht die nächste Aufgabe in der Bundesliga erst in zwei Wochen gegen den kriselnden VfL Wolfsburg an (Samstag, 30. März, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker). Bis dahin will sich die Mannschaft das zurückholen, „was uns bis vor ein paar Wochen noch so stark gemacht hat“, sagte Michael Zetterer, den die Tabelle nach dem 26. Spieltag übrigens höchstens am Rande interessiert: „Darauf sollten wir nicht schauen, sondern darauf, dass wir unsere Abläufe wieder reinkriegen.“ Dass Werder mit weiterhin 30 Punkten auf dem Konto Zehnter ist, dürfte trotzdem irgendwie zum Torhüter durchdringen. Es ist eine Platzierung, die aktuell jenseits von Gut und Böse liegt. Immer noch komfortable elf Zähler Vorsprung sind es auf den Relegationsplatz. Die Träume von internationalen Reisen in der kommenden Saison, die vor ein paar Wochen noch immer gehaltvoller zu werden schienen, sind andererseits angesichts der jüngsten Auftritte erstmal abgekühlt.
Auch Ole Werner wollte sich nach der Niederlage gegen Union Berlin wenig überraschend nicht auf eine Einordnung tabellarischer Perspektiven einlassen, sondern sagte abschließend: „Im Endeffekt ist es für uns wichtig, dass wir wieder eine andere Konsequenz haben in der Art und Weise wie wir spielen.“ Womit das Wort des Tages des SV Werder Bremen in Köpenick zum letzten Mal genannt worden war: Konsequenz. (dco)