Werder-Trainer unter Druck
Werners Weg aus der Krise: Der Werder-Coach wird etwas lauter und sucht noch nach der optimalen Besetzung
Trainer Ole Werner hat mit dem SV Werder Bremen einen schlechten Saisonstart hingelegt und steht nun vor der Aufgabe, einen Weg aus der sportlichen Krise zu finden - am besten schon im wichtigen Heimspiel gegen den 1. FC Union Berlin.
Bremen – Ole Werner war laut, sehr laut. Beim Start in die Trainingswoche hatte der Coach des SV Werder Bremen seinem Personal immer wieder einiges zu sagen. Der 35-Jährige wirkte durchaus engagierter als sonst. Kein Wunder, es sind auch besondere Tage an der Weser. Nach nur sechs Zählern aus acht Spielen blickt die Werder-Welt gespannt auf den nächsten Samstag, wenn der 1. FC Union Berlin ins Wohninvest Weserstadion kommt (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker). Schafft Werner mit seinem Team nach drei Niederlagen in Folge die Wende und welchen Weg geht er dabei?
Noch kann sich der 35-Jährige dabei der Rückendeckung seiner Vorgesetzten sicher sein. Die hoffen darauf, dass der noch junge Coach sich und seine Spieler weiterentwickelt. Aber endlos Zeit für diesen Beweis hat Ole Werner auch nicht – und dabei werden die Aufgaben für den SV Werder Bremen in den nächsten Wochen mit Gegnern wie Wolfsburg, Frankfurt und Leverkusen wahrlich nicht leichter. Das sorgt vor dem Spiel gegen den 1. FC Union Berlin für noch mehr Druck.
Werder Bremens Milos Veljkovic über Ole Werner: „Er ist wie am ersten Tag immer noch klar in seiner taktischen Auswahl“
„Er bleibt immer noch ruhig“, sagte Milos Veljkovic am Dienstag über seinen Trainer. Das war allerdings vor der etwas lauteren Trainingseinheit. Aber der Innenverteidiger meinte ohnehin Ole Werners grundsätzliche Art. „Er ist wie am ersten Tag immer noch klar in seiner taktischen Auswahl, deswegen ist alles okay“, betonte Veljkovic und lobte: „Es hat jeder gesehen, dass wir gegen Dortmund taktisch gut eingestellt waren.“ Dabei hatte der Coach des SV Werder Bremen leichte Veränderungen vorgenommen. Aus der Dreier- quasi eine Fünferkette gemacht, vor der im gegnerischen Ballbesitz auch noch drei Mittelfeldspieler auf einer Linie das eigene Tor verteidigten. Dadurch wurde die zuletzt so löchrige Werder-Abwehr durchaus kompakter und ließ nur ein Gegentor zu. Weil aber kaum etwas nach vorne ging, stand am Ende eine 0:1-Niederlage auf dem Ergebniszettel. Das ist erträglich gegen einen Vize-Meister, bringt aber keine Punkte.
Werder Bremens Leonardo Bittencourt übernimmt verbal das Kommando - und setzt Ole Werner damit indirekt unter Druck
Dass der Auftritt dennoch als Mutmacher genutzt wird, ist nachvollziehbar. In so einer Phase müssen sich Teams an Kleinigkeiten hochziehen. So wurde zum Beispiel endlich mal wieder von der ersten Minute an als Team gekämpft. Da passte also die Mischung auf dem Platz. Wobei Ole Werner in Person von Leonardo Bittencourt für eine Überraschung gesorgt hatte. Der einstige Stammspieler des SV Werder Bremen schien nach seinem öffentlichen Disput mit dem Coach nach seiner Auswechslung am ersten Spieltag gegen die Bayern eigentlich weg vom Fenster, nun ist er wieder mittendrin.
Verbal übernimmt der 29-Jährige auch gleich mal das Kommando und fordert vor allem Kampfeswillen: „Wer das nicht begriffen hat – das tut mir leid, der ist bei uns falsch. Es ist doch klar, wie wir Spiele gewinnen müssen. Das geht nur auf diese Art und Weise.“ Auf der Suche nach Führungsspielern hat Leonardo Bittencourt damit ein deutliches Zeichen und den Trainer des SV Werder Bremen indirekt unter Druck gesetzt. Den giftigen Deutsch-Brasilianer kann Ole Werner eigentlich so schnell nicht wieder draußen lassen, wenngleich dieser spielerisch auch keine Bäume ausgerissen und sich vor der Crunchtime der Partie leicht angeschlagen verabschiedet hat.
Werder Bremens Trainer Ole Werner ist im Sturm auf der Suche nach einem geeigneten Nebenmann für Marvin Ducksch
Aber nicht nur Leonardo Bittencourt bleibt eine spannende Personalie. Was macht Ole Werner im Sturm? In Dortmund wurde ganz deutlich, dass Marvin Ducksch als Führungsspieler aufgebaut werden soll. Leistungsmäßig hätte sich der 29-Jährige durchaus für eine Auswechslung angeboten, aber das wäre für sein Standing und seine Stimmung nicht gut gewesen. Und es muss nun einmal feste Größen im Team geben. Gesucht wird bei Werder Bremen also weiterhin nur ein geeigneter Nebenmann von Ducksch – und da hat Werner inzwischen alle Kandidaten durch. Das schreit nach Konstanz.
Noch befindet sich Ole Werner in der Experimentierphase. So wurde gegen den BVB Jens Stage vom Achter zum Sechser gemacht – und damit die eigentlich dafür vorgesehenen Senne Lynen und Christian Groß auf die Bank gesetzt. Der Coach des SV Werder Bremen vergrößert damit auch selbst seinen Umbruch, wenngleich die Positionsveränderung von Stage eigentlich schon viel früher erwartet worden war.
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Werder Bremens Ole Werner: „Wir sind in einer Situation, in der wir Punkte brauchen“
Im Team ist also gerade jede Menge in Bewegung. Von einer Aufbruchstimmung kann dennoch keine Rede sein. Ole Werner ist nicht der Typ, der über diese emotionale Schiene kommt – weder intern noch extern. Er mag die Sachlichkeit, will die Probleme vor allem durch intensive Arbeit auf dem Platz lösen. Von Aktionismus hält er nichts, die Abläufe bleiben gleich. Deshalb fällt es schon auf, wenn der Coach des SV Werder Bremen ein bisschen an seinem Lautstärkeregler dreht und seinen Bewegungsradius etwas erweitert. Ganz ohne Hintergedanken wird er das gewiss nicht tun. Hatte er bislang den Blick auf die Tabelle so früh in der Saison als wenig zielführend bezeichnet, meinte Ole Werner nun nach der Niederlage in Dortmund: „Wir sind in einer Situation, in der wir Punkte brauchen.“ Deshalb ist das Heimspiel gegen den 1. FC Union Berlin auch ein ganz besonderes, denn in dem kriselnden Champions-League-Teilnehmer kommt schließlich ein Tabellennachbar nach Bremen. (kni)