Werder-Verteidiger im DeichStube-Interview

Werder-Profi Deman im DeichStube-Interview: „Ich war nie der Typ, bei dem alle gesagt haben, dass er es schaffen wird“

Im DeichStube-Interview spricht Olivier Deman über seinen Start bei Werder Bremen, einen ganz wichtigen Rückschlag in seiner Karriere und seinen EM-Traum.
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Im DeichStube-Interview spricht Olivier Deman über seinen Start bei Werder Bremen, einen ganz wichtigen Rückschlag in seiner Karriere und seinen EM-Traum.

Im DeichStube-Interview spricht Olivier Deman über seinen Start beim SV Werder Bremen, einen ganz wichtigen Rückschlag in seiner Karriere und seine Gedanken darüber, ob ein zwischenzeitlicher Bankplatz in Bremen den EM-Traum gefährden könnte.

Bremen - Die vergangenen Wochen waren für Olivier Deman nicht immer ganz so einfach. Nachdem der 23-jährige Profi des SV Werder Bremen schon kurz nach seinem Wechsel an die Weser auf der linken Seite gesetzt war, musste er kurz vor Weihnachten plötzlich auf die Bank. Drei Spiele lang gab es nur Kurzeinsätze, dann spülte ihn eine Verletzung von Mitchell Weiser zurück in die Startelf. Im Interview mit der DeichStube spricht der Belgier über einen ganz wichtigen Rückschlag in seiner Karriere, den Start bei Werder und seinen modelnden Bruder.

Was waren Sie in der Kindheit für ein Spielertyp, Olivier Deman: Straßen-, Garten- oder Bolzplatzkicker?

Auf jeden Fall ein Gartenkicker.

Und die Rolle welches Stars haben Sie übernommen?

Das ist eine gute Frage. Ich war eigentlich nie jemand, der versucht hat, irgendjemand anderes zu sein. Aber natürlich hatte ich Idole, das größte davon war Cristiano Ronaldo. Aber eigentlich habe ich eher Champions-League- und Weltmeisterschaftsspiele nachgestellt.

Werder Bremens Olivier Deman im Interview: „Je älter du wirst, desto mehr stellen sich deine Stärken heraus“

Wann hat es angefangen, dass sie eine ganz andere Position als Cristiano Ronaldo gespielt haben?

Das war sehr spät. In der Jugend war ich Stürmer oder Flügelspieler. Dann habe ich kurzzeitig auf der Zehn gespielt. Wenn du sieben oder acht Jahre alt bist, denkst du, dass du alles kannst. Je älter du wirst, desto mehr stellen sich deine Stärken heraus. Dann versuchst du nur noch, dich weiterzuentwickeln und dein eigenes Spiel zu kreieren.

Sie sind mit zwei jüngeren Brüdern aufgewachsen. Wie dürfen wir uns das vorstellen: Die Kleinen mussten ins Tor und Sie haben ordentlich draufgehalten?

(lacht) Nicht wirklich. Einer meiner Brüder ist Torhüter, er wollte sowieso immer ins Tor. Wir haben uns immer abgewechselt, ich wollte aber eigentlich nicht so gerne hinein. Trotzdem haben wir am Wochenende regelmäßig von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang gespielt.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie besser sind als ein reiner Hobbyspieler?

Das kam sehr schnell. Ich habe mit viereinhalb Jahren in meinem Heimatverein FC Knokke angefangen und schon ein Jahr später mit Kindern gespielt, die ein Jahr älter waren. Mit sieben Jahren bin ich dann bereits zu Cercle Brügge, wo es dann auch höherklassige Gegner gab. Da lief es auch recht gut und ich bin zu Club Brügge weiter.

Das klingt nach der perfekten Karriereleiter?

Nicht wirklich. Als ich zu Club Brügge gewechselt bin, kam ich etwas ins Straucheln, hatte ein paar Verletzungen. Zudem gab es einen großen Konkurrenzkampf. Das war mental nicht so einfach, weshalb ich zurück zu Cercle bin. Da habe ich die Liebe zum Fußball wiederentdeckt und wieder auf meinem bis dahin höchsten Level gespielt.

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Werder Bremens Olivier Deman im Interview: „Ich habe ein gutes Level für mein erstes halbes Jahr in der Bundesliga erreicht“

Gab es Momente, in denen Sie gedacht haben, dass Sie es nicht schaffen würden?

Ja. Als ich erstmals bei Cercle in die erste Mannschaft kam, war ich wieder der Jüngste. Nachdem ich dann mein Debüt gegeben und ein paar Spiele gemacht hatte, kam ein neuer Trainer, der überhaupt nicht auf mich gesetzt hat. Er hat mich direkt zur zweiten Mannschaft geschickt und auf zwei andere Jungs gesetzt. Ich habe sehr darunter gelitten, aber ich habe dadurch eine Menge gelernt. Und als der Coach nach sechs Monaten wieder weg war, ging es für mich zurück in die erste Mannschaft und es lief richtig gut.

Haben Sie vor allem gelernt, geduldig zu sein?

Auf jeden Fall. Das war der beste Rückschlag, den ich haben konnte. Ich hatte mein Debüt mit 18 Jahren gegeben, war immer mit einer der Leistungsträger in der Jugend und in der zweiten Mannschaft. Doch jetzt ging es zurück und ich konnte stärker wiederkommen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich diesem Trainer wahrscheinlich am meisten dankbar sein muss. Er hat nicht an mich geglaubt, aber ich habe daraus aus heutiger Sicht am meisten gelernt.

Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Start bei Werder?

Mit dem Auftakt war ich sehr zufrieden, ich bin sehr schnell ins Team gekommen und konnte sofort helfen. Ich habe gute Spiele gezeigt und auch einige, bei denen ich weiß, dass ich es besser kann. Ich komme aus einer kleineren Liga mit einer geringeren Intensität und einem etwas niedrigeren fußballerischen Niveau. Aber ich habe ein gutes Level für mein erstes halbes Jahr in der Bundesliga erreicht, da war es natürlich nicht so einfach, wenn man dann auf einmal nicht spielt. Aber so ist nun einmal der Fußball. Größere Vereine haben viele gute Spieler und es wird häufiger mal rotiert. Aber in zwei, drei Spielen bekommst du wieder eine neue Chance.

Ist es einfach für Sie, sich selbst zufriedenzustellen oder streben Sie immer nach Perfektion?

Es ist schwierig. In meinen Augen habe ich in dieser Saison viele gute Spiele gemacht, doch hinterher denke ich immer darüber nach, was ich noch hätte besser machen können. Das einzige Mal, dass ich wirklich kurz zufrieden gewesen bin, war, als ich das erste Mal für Belgien gespielt habe. Da habe ich fünf Minuten gedacht: ,Wow, du hast es tatsächlich schon so weit gebracht.‘ Doch exakt nach diesen fünf Minuten habe ich schon wieder überlegt, was ich noch alles erreichen will. Nach meinem ersten Werder-Spiel war es ähnlich. Da habe ich mich gefreut, ein Bundesligaspieler zu sein. Doch danach wollte ich schnell noch besser werden.

Werder Bremens Olivier Deman im Interview: „Es ist eine große Ehre, für Werder Bremen und sein Land zu spielen“

Ihr Landsmann Senne Lynen musste noch viel häufiger zuschauen. Wie intensiv tauschen Sie sich über Ihre Situationen in Bremen aus?

Nicht wirklich – oder zumindest nicht bewusst. Manchmal redet man einfach darüber, denn für ihn ist es sicherlich nicht ganz einfach. Er ist von einem der größten Clubs Belgiens gekommen, hat ein tolles letztes Jahr gespielt. Da hatte er hohe Erwartungen. Aber zuletzt hat er ja gezeigt, wie gut er helfen kann. Wir haben nicht den größten Kader, aber alle Spieler sind auf einem ähnlichen Niveau. In Belgien gibt es das nicht. Da gibt es nicht so viele Möglichkeiten zu rotieren.

Sie haben die Nationalmannschaft und ihr Debüt im vergangenen Jahr angesprochen. Haben Sie eigentlich schon realisiert, wie verrückt 2023 für sie persönlich war?

Es war wirklich verrückt. Es ist ein Jahr, auf das ich wirklich stolz sein kann. Sportlich wie privat. Aber ich hoffe natürlich, dass da noch viele bessere Jahre kommen. Es ist erst der Anfang, eigentlich habe ich noch gar nichts erreicht. Ich habe keinen Pokal oder eine Meisterschaft gewonnen, noch nie in der Champions League gespielt. Trotzdem kann ich glücklich sein. Es ist eine große Ehre, für Werder Bremen und sein Land zu spielen.

Und verlobt sind Sie seit Ende des Jahres auch noch…

Es ist wirklich perfekt. Natürlich ist Fußball sehr wichtig im Leben, aber am Ende hast du eine Familie und Freunde. Das sind die Personen, die dich glücklich machen, wenn du nach Hause kommst und ein wenig den Fußball in den Hintergrund treten lassen kannst.

Ist es überhaupt möglich, ein noch besseres Jahr zu erleben?
Natürlich. Ich werde 2025 heiraten, also wird das schon einmal ein gutes Jahr. (grinst) Und natürlich hoffe ich, in diesem Sommer bei der Europameisterschaft dabei zu sein.

Heiraten Sie auch deswegen erst 2025?

Nein, sechs Monate sind einfach zu kurz, um alles zu organisieren, wenn man es gut machen möchte. Und wenn wir es auch bei Werder und bei der EM gut machen, wäre das also auch ein richtig gutes Jahr. Andererseits würde ich auch ziemlich traurig in die Zukunft schauen, wenn das jetzt schon das Highlight meines Lebens war. (lacht)

Werder Bremens Olivier Deman im Interview: „Es geht für mich darum, so schnell wie möglich zurück ins Team zu kommen“

Haben Sie Angst, dass ein zwischenzeitlicher Bankplatz in Bremen den EM-Traum gefährden könnte?

Klar. Ich könnte mir aber auch nicht sicher sein, beim Turnier dabei zu sein, wenn ich vorher bei Werder jedes Spiel mache. Wir haben eine gute Mannschaft in Belgien mit tollen Spielern. Ich konzentriere mich aber nicht darauf, für mich hat Priorität, eine gute Saison mit Werder zu spielen. Hier geht es für mich jetzt darum, so schnell wie möglich zurück ins Team zu kommen.

Viel ist über die „Goldene Generation“ des belgischen Fußballs in den vergangenen Jahren gesprochen worden. Wie schwierig ist es, Teil der nächsten Generation zu sein?

Die „Goldene Generation“ war wirklich sehr stark. Wir sind derzeit für mich individuell nicht auf dem Level wie von vor vier Jahren, haben aber viele gute junge Akteure und jetzt auch echte Flügelspieler. Dazu kommt Romelu Lukaku im Sturm, der noch immer so unfassbar viele Tore macht und so wichtig ist. Und dann kommt natürlich Kevin de Bruyne (fiel monatelang wegen eines Muskelteilabrisses im Oberschenkel aus, Anm. d. Red.) noch zurück. Was er jetzt schon wieder bei Manchester City zeigt, ist unglaublich. Er hat überhaupt nichts von seiner Qualität eingebüßt. Und weil die Jungen zusätzlich so gut sind, sagt man vielleicht in vier, fünf Jahren in Belgien, dass wir eine neue „Goldene Generation“ haben. Es würde mich jedenfalls nicht überraschen.

Ist es deshalb einfacher, nicht zu viel Respekt zu haben, wenn Sie Spieler wie Romelu Lukaku oder Kevin De Bruyne zum ersten Mal sehen?

Nein, man hat sehr viel Respekt. Du fängst nicht einfach an, sie anzusprechen, du lässt sie auf dich zukommen. Aber das sind sehr gute Jungs. Mit Kevin habe ich noch nicht zusammengespielt, weil er verletzt war, aber Romelu kam direkt am ersten Tag auf mich zu, und sagte: ,Wenn es irgendetwas gibt, wobei ich dir helfen kann, lass es mich einfach wissen.‘ Sie beruhigen dich und dann bist du wieder in deiner Komfortzone.

Nochmal zurück zu Ihrer Familie in Belgien. Wir haben über Ihren Bruder geredet, der Torwart ist.

Er war einer und hat jetzt aufgehört.

Weil er jetzt als Model arbeitet, richtig?

Ja, das stimmt.

Hier können Sie es ja sagen: Sieht er wirklich so gut aus?

(lacht) Ich weiß es nicht. Das ist schwer für mich zu sagen. Er hat erst noch beides kombiniert, aber am Ende hat er zu viele Model-Anfragen von überall bekommen. In der Branche rufen sie einen nur zwei bis drei Tage vorher an und sagen, dass du in zwei Tagen da oder dort sein sollst.

Werder Bremens Olivier Deman im Interview auf die Frage, ob er auch als Model arbeiten wollen würde: „Das ist nichts für mich“

Es gibt nicht wenige Werder-Fans, die der Meinung sind, dass Sie auch als Model arbeiten könnten. Ist Ihnen das bewusst?

Nein, das wusste ich nicht. Aber nein, das ist nichts für mich. Ich mag es sehr, was ich mache. Ich denke, ich bleibe beim Fußball, das passt besser zu meinen Fähigkeiten. (grinst)

Ihre Eltern müssen sehr stolz auf Ihre erfolgreichen Söhne sein…

Ich hoffe zumindest, dass sie das sind. Am Ende macht es für sie aber keinen Unterschied, ob du in einem normalen Angestelltenverhältnis arbeitest oder als Fußballer und Model. Mein anderer Bruder arbeitet in einem Restaurant, auf ihn sind sie genauso stolz, denn es geht um den Menschen.

Ist es Ihnen dennoch wichtig, Ihren Eltern etwas zurückzugeben?
Ja und Nein. Ich komme aus einem guten Elternhaus. Alles, was ich ihnen gebe, mache ich aus freien Stücken, weil ich das möchte. Sie erwarten nichts. Sie wollen meistens nicht mal etwas von mir, obwohl ich es anbiete. Sie sind der Meinung, ich habe mir das selbst verdient. Natürlich haben sie mir in meinen jungen Jahren aber viel geholfen, mich überall hingefahren. Dafür bin ich sehr dankbar.

Werder Bremens Olivier Deman im Interview: „Ich war nie der Typ, bei dem alle gesagt haben, dass er es schaffen wird“

Weil Sie sagen, Sie haben sich das Erreichte selbst verdient. Würden Sie sich als harten Arbeiter beschreiben?

Ich glaube schon. Das zeigt auch meine Spielweise. Ich arbeite viel auf dem Platz und im Training. Ich laufe viel, gehe in viele Zweikämpfe. Das ist auch der Weg, den ich damals gewählt habe, als ich jünger war. Ich war nie der Typ, bei dem alle gesagt haben, dass er es schaffen wird.

Jetzt haben wir das Interview die ganze Zeit in Englisch geführt. Wie schaut es mit Ihren Deutsch-Kenntnissen aus?

(Antwortet auf Deutsch) Es geht mittlerweile. Ich verstehe das meiste, aber sprechen ist ein bisschen schwieriger. Ich kann mich auf Deutsch noch nicht so gut ausdrücken.

Das war jetzt aber richtig gut. Verstehen Sie auch alles, was der Coach oder die Kollegen sagen?

(Wechselt zurück ins Englische) Natürlich. Aber wenn jemand fünf Meter entfernt von mir steht, sehr schnell spricht und ich es nicht richtig höre, bekomme ich nicht alles mit. Aber normalerweise verstehe ich alles. Unsere Sprachen sind sehr ähnlich. (mbü)

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