Der Letzte seiner Art
Olivier Deman ist Werders einzig verbliebener fitter Außenverteidiger – und garantiert Verbleib
Außer Olivier Deman hat Werder Bremen gerade keinen fitten Außenverteidiger. Wie der Belgier darüber und über die Saisonvorbereitung denkt.
Die richtige Passschärfe hatte Olivier Deman schnell gefunden. Auch die Genauigkeit der Zuspiele stimmte, was dem Belgier am Dienstag direkt zu Trainingsbeginn allerlei Lobesbekunden einbrachte. Mal schenkte ihm Kapitän Marco Friedl ein „Bravo“, dann ließen Chefcoach Daniel Thioune oder Co-Trainer Jan Hoepner ein „Sehr gut, Olli“ hören. Deman besitzt aber nicht nur deshalb eine exponierte Rolle, der 26-Jährige ist momentan auch einmal mehr der einzige bundesligaerprobte Außenverteidiger, der sich beim SV Werder Bremen nicht mit Wehwehchen herumplagt.
Zwar trainierte auch Mitchell Weiser mit, doch nach dessen Kreuzbandriss ist weiterhin ein längerer Weg bis zum Comeback zu gehen. Und Felix Agu steht derzeit sogar überhaupt nicht auf dem Platz. „Es ist nicht immer einfach“, sagte Deman wenig später während einer Medienrunde, „aber wir versuchen, es so gut wie möglich zu machen“.
Werder Bremens letzter fitter Außenverteidiger: Olivier Deman spricht über die aktuelle Situation und die Vergangenheit
Ihm selbst kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Weil die Konkurrenz auf seiner Position bei Werder Bremen fehlt, aber weil er sich den Status der Stammkraft auch verdient hat. Insbesondere seit Daniel Thioune das Kommando übernommen hat, ist Olivier Deman zum Fixpunkt avanciert. „Ich bin dankbar für die Chance, die ich letztes Jahr erhalten habe. Aber ich habe auch versucht, diese Dankbarkeit durch Leistung auf dem Platz zu zeigen. Und ich glaube, das habe ich auch getan“, sagte der Linksfuß, der selbstverständlich unbedingt an diese Leistungen anknüpfen will. Im Sommer zuvor war der Antwerpener in ähnlich bestechender Verfassung gewesen, doch ein kurz vor dem Saisonstart erlittener Knöchelbruch machte ihm einen Strich durch die Planungen.
Olivier Deman ist aber kein Mann für den Rückspiegel. Nicht bei seiner Verletzung und auch nicht beim Blick auf die schwache Saison der gesamten Mannschaft. „Es ergibt wenig Sinn, immer zurückzugucken“, betonte er. „Wir müssen versuchen, nach vorne zu schauen. Wir Spieler müssen vom ersten Spiel an da sein. Keiner will noch einmal die gleiche Saison wie letztes Jahr erleben.“ Es sind keine zwei Wochen mehr, die Werder Bremen von der ersten Pflichtspielaufgabe trennen. Am 22. August steht der Aufgalopp im DFB-Pokal gegen den Lüneburger SK an, am Wochenende danach geht es in Freiburg um die ersten Bundesligazähler.
Wie gut die Bremer für den Ernstfall gewappnet sind, lässt sich auch weiterhin nur erahnen. „Seit ich hier bin, war die Vorbereitung nie richtig super, wir haben viel verloren“, erinnerte sich Olivier Deman, der 2023 von Cercle Brügge an die Weser gewechselt war. „Dieses Mal ist es anders. Das haben wir fast noch nie erlebt. Das ist etwas Positives, aber natürlich gibt es immer noch Raum für Verbesserung.“ Personell und auch spielerisch.
Oliver Deman bei Werder Bremen enorm wichtig: Abwehrspieler denkt nicht an Transfer
Das weiß auch sein Trainer. Und natürlich stören auch ihn die Begleitumstände eines unfertigen Kaders und vieler Ausfälle bei Werder Bremen. Dennoch hatte der 52-Jährige bereits am Montag zum Start des Harsewinkel-Aufenthalts bekräftigt: „Willkommen im Leben. Das wird uns die ganze Saison begleiten, es hat uns auch zum Ende der Rückserie begleitet. Wir haben immer das Beste daraus gemacht. Sie werden von mir auch jetzt kein Klagen hören, sondern einfach die Freude darauf, mit denen etwas zu entwickeln, die da sind.“
So wie Olivier Deman. Der obendrein keinerlei Absichten hegt, womöglich auch noch einen Tapetenwechsel zu vollziehen, der Werder Bremen etwas Geld einbringen könnte. „Ich fühle mich hier sehr wohl und spiele auch, was für mich sehr wichtig ist. In den letzten Jahren ist das eine andere Frage gewesen“, sagte er. „Ich überlege mir das auch gerade nicht. Ich versuche mich auf das zu fokussieren, was in den nächsten Wochen kommt. Ich bin bereit für die Mannschaft und für den Verein.“
Handyverbot, Teamevent und Co.: Olivier Deman und Werder Bremen arbeiten im Trainingslager auch außerhalb des Platzes
Während der Tage in Ostwestfalen soll das ganzheitliche Einheitsgefühl bei Werder Bremen generell noch weiter vertieft werden. Ein noch nicht näher bekanntes Teamevent ist geplant, zudem gelten ein paar Regeln, um den Zusammenhalt zu fördern: etwa ein temporäres Handyverbot.
Für Olivier Deman kein Problem, im Gegenteil: „Ich finde es gut. Wahrscheinlich bin ich da noch ein wenig oldschool, aber wenn du beim Mittag- oder Abendessen bist, ist es schon cool, dass du das Handy mal weglegst und man einfach miteinander redet.“ Und Deman schiebt hinterher: „Eigentlich sollte es gar keine Regel sein, aber gerade in diesen Tagen sind viele Leute oft am Handy unterwegs – da ist es vielleicht doch besser, dass es diese Vorgabe gibt.“ (mbü)
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