Ex-Werder-Profi will Trainer sein
„Es ist kein Geheimnis, dass ich Cheftrainer sein will“: Double-Held Paul Stalteri über seine Zukunftspläne und einen Beleidigungs-Wettstreit mit Werder-Legende Ailton
Mit dem SV Werder Bremen gewann Paul Stalteri 2004 das Double aus Meisterschaft und Pokal: Am Rande des 20-jährigen Jubiläums sprach der Kanadier über seine Zukunftspläne und einen Beleidigungs-Wettstreit mit Ailton.
Bremen – Der letzte offizielle Besuch war schon eine ganze Weile her. 2019 hatte Paul Stalteri dem SV Werder Bremen einen Besuch abgestattet. Die 20-Jahr-Feier des Doubles war nun der perfekte Anlass für den Kanadier, um mal wieder vorbeizuschauen. Und so war der einstige Außenverteidiger natürlich auch am vergangenen Wochenende dabei, als im Weserstadion noch einmal an den Coup aus Meistertitel und Pokalsieg 2004 erinnert wurde. Und seinen alten Spezi Ailton nahm er auch direkt wieder aufs Korn – so, wie er es eigentlich immer gemacht hat.
„Wir waren damals zusammen auf dem gleichen Zimmer, wenn wir vor den Spielen im Hotel waren“, verriet Paul Stalteri. Bei den gemeinsamen Übernachtungen ging es stets ordentlich zur Sache. Und zwar verbal. Das einstige Duo des SV Werder Bremen hatte nämlich große Freude daran, sich gegenseitig die übelsten Beleidigungen an den Kopf zu werfen und sich bei der Schärfe der Worte zu überbieten. Und hat es auch heute noch. „Das passiert alles im Spaß. Es geht beispielsweise darum, was er so ist und wie viel er läuft“, schilderte Stalteri lachend, der auf eine explizite Kostprobe dann aber doch lieber verzichtete. Aber es war spürbar: Die Chemie zwischen den beiden Zimmergenossen stimmte direkt wieder so, als seien sie sich nur ganz kurze Zeit nicht begegnet. „Wir haben noch immer ein gutes Verhältnis, er ist ein super Typ. Es hat mich sehr gefreut, ihn jetzt wiedergesehen zu haben.“
Werder-Bremen-Legende Paul Stalteri: „Das Double war für mich das Top-Highlight meiner Karriere“
So wie natürlich auch all die anderen ehemaligen Weggefährten von Johan Micoud über Andreas Reinke, Nelson Valdez, Pekka Lagerblom, Frank Baumann oder Krisztian Lisztes. „Wir haben uns alle lange nicht gesehen, es war sehr schön, wieder zusammen zu sein“, meinte Paul Stalteri, für den der SVW noch immer eine große Rolle spielt. „Ich schaue jede Woche, was Werder macht, spreche häufig mit deutschen Zeitungen über den Verein und die Liga. Mich interessiert das immer noch sehr“, erklärte er. Und auch das Double tauche immer wieder vor seinem geistigen Auge auf. „So etwas passiert nicht oft in einer Karriere. Für mich war es das Top-Highlight“, betonte der inzwischen 46-Jährige, der insgesamt 196 Pflichtspiele (neun Tore) für Werder Bremen bestritten hat, darüber hinaus auch noch für Borussia Mönchengladbach, Tottenham Hotspur und den FC Fulham auflief. In Kanada wurde er zudem gleich zweimal zum Spieler des Jahres gekürt (2001/2004).
Genau dort hinterlässt er auch weiterhin seine Spuren im Fußballgeschäft. „Ich bin jetzt in der dritten Saison beim Toronto FC. Zwei Jahre war ich dort Co-Trainer in der Major League Soccer, nun bin ich bei der U17“, erzählte Paul Stalteri. „Auch bei der Nationalmannschaft habe ich als Co-Trainer geholfen, doch nun gibt es dort einen neuen Coach – da muss man dann mal sehen, wie es weitergeht.“ Wenn der frühere Verteidiger des SV Werder Bremen diese Worte spricht, dann klingen sie nicht etwa skeptisch, sondern komplett gelassen. Stalteri strahlt eine unheimliche Ruhe aus, lässt sich bei seiner Karriereplanung überhaupt nicht treiben. „Es ist kein Geheimnis, dass ich irgendwann mal Cheftrainer einer Profimannschaft sein will. Aber momentan bin ich auch glücklich und zufrieden mit der Situation, so wie es ist“, sagte er. Ein Engagement in Europa sei später jedoch absolut vorstellbar. „In den nächsten Jahren will ich unbedingt in Toronto bleiben. Danach ist mein Sohn dann hoffentlich an der Uni und endgültig unabhängig. Da werden wir dann sehen, was passiert.“ (mbü)