Werder verliert mit 0:3

Nicht der Maßstab: Warum die Pleite gegen Leverkusen für Werder mehr Mahnung als Drama ist

Werder Bremens Niklas Stark (ze.) und Marvin Ducksch klatschen sich nach der Pleite gegen Bayer Leverkusen ab.
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Werder Bremens Niklas Stark (ze.) und Marvin Ducksch klatschen sich nach der Pleite gegen Bayer Leverkusen ab.

Der SV Werder Bremen hat deutlich mit 0:3 (0:2) gegen Bayer Leverkusen verloren. Diese Niederlage ist zwar kein Weltuntergang, die Sinne schärfen, sollte das Spiel aber dennoch. Der Nachbericht zur Heimpleite.

Bremen – Nach einer 0:3-Heimniederlage, einer ziemlich deutlichen also, läuft es in der Regel so, dass aus den Statements der unterlegenen Mannschaft jede Menge Unzufriedenheit trieft, dazu Frust und Enttäuschung, vielleicht sogar Wut – darüber, vor dem eigenen Anhang kein besseres Ergebnis erzielt zu haben. Beim SV Werder Bremen war das nach dem 0:3 (0:2) gegen Spitzenteam Bayer 04 Leverkusen am frühen Samstagabend jedoch anders. Wofür es nachvollziehbare Gründe gibt.

Einerseits hatten sich die Gastgeber über weite Strecken durchaus stabil und ordentlich präsentiert. Und andererseits ist Leverkusen eben Leverkusen – die derzeit aufregendste, weil beste Mannschaft der Bundesliga, die keines ihrer nun zwölf Saisonspiele verloren, sondern stolze elf davon gewonnen hat. Anders ausgedrückt: Selbst kühnste Optimisten hätten vor der Partie wohl eher keine hohen Geldsummen auf einen Heimsieg von Werder Bremen gesetzt. Wie also dieses 0:3 einordnen, das immerhin den Bremer Mini-Aufschwung von drei Spielen am Stück ohne Niederlage beendet hat? Vorschlag: Nicht als Drama an sich, aber dafür als ziemlich unangenehme Erinnerung an die bisherigen Versäumnisse in dieser Saison.

Werder Bremens Mitchell Weise nach Pleite gegen Bayer Leverkusen: „Diese Punkte müssen wir jetzt aufholen

Als ehemaliger Leverkusen-Profi sowie Bremer Leistungsträger war Mitchell Weiser nach der Partie selbstredend ein gefragter Gesprächspartner in den Katakomben des Wohninvest Weserstadions, wo er sich den Fragen der Journalisten stellte – inklusive der Bitte um Einordnung von Werder Bremens aktueller sportlicher Lage. Elf Punkte nach zwölf Spieltagen, wie das zu bewerten sei, wurde Weiser gefragt. Seine Antwort: „Ich gucke nicht auf die Tabelle, aber ich kann schon einschätzen, dass wir zu diesem Zeitpunkt ein paar Punkte zu wenig auf dem Konto haben.“ Zu wenig jedenfalls, um den Blick in der Tabelle nicht immer wieder bang in Richtung Keller werfen zu müssen. Es folgte ein Einschub, der Weiser wichtig war: „Diese Punkte haben wir aber in anderen Spielen liegen lassen, nicht unbedingt heute. Und diese Punkte müssen wir jetzt aufholen.“

Auch wenn der Profi die Vereinsnamen nicht in den Mund nahm, waren die Gedanken natürlich schnell bei den Aufsteigern 1. FC Heidenheim und Darmstadt 98, gegen die Werder bekanntlich jeweils mit 2:4 verloren hatte. Auch die Last-Minute-Pleiten gegen Freiburg (0:1) und Hoffenheim (2:3) schwangen mit, vielleicht sogar das 2:2-Unentschieden gegen Frankfurt, bei dem Werder Bremen zwischenzeitlich mit 2:0 geführt hatte.

Werder Bremens Clemens Fritz hält trotz Niederlage gegen Bayer Leverkusen fest: „In den letzten Wochen sehr stabil gespielt“

„Den Punkten laufen wir jetzt ein Stück weit hinterher“, musste auch Clemens Fritz als Werder Bremens Leiter Profifußball konstatieren, wollte sich vom 0:3 gegen Bayer Leverkusen aber nicht die zuletzt wieder aufgehellte Stimmung rund um seinen Verein verhageln lassen. „Trotz der Niederlage habe ich heute wieder viel Positives gesehen. Es ist wichtig, dass wir das mitnehmen und nicht in Selbstmitleid verfallen“, forderte der 42-Jährige und betonte: „Natürlich können wir die Tabelle lesen, aber trotzdem haben wir in den letzten Wochen sehr stabil gespielt.“ Das hatte Werder in der Tat, auch gegen Leverkusen setzte sich dieser Trend – mit Abstrichen – fort. Am Ende waren es dennoch ein Eigentor von Olivier Deman (9.) sowie Treffer von Jeremie Frimpong (43.) und Alejandro Grimaldo (76.), die die unter dem Strich verdiente Niederlage gegen ein schnelleres, energischeres, ja einfach besseres Leverkusen besiegelten.

Im Nachgang ließ bei Werder Bremen entsprechend niemand einen Zweifel daran, dass dieser Gegner nicht der eigene Maßstab sein kann. Während Fritz Leverkusen als „absolute Top-Mannschaft“ adelte, sagte Werders Co-Trainer Patrick Kohlmann, der am Samstag sämtliche Medientermine für den erkälteten Chefcoach Ole Werner übernahm: „Sie sind ein Team, das nicht zu Unrecht ganz oben steht, weil sie wirklich sehr guten Fußball spielen.“ Was Werder fraglos etwas über die Heimpleite hinwegtröstete, aber nichts daran ändert, dass in den verbleibenden vier Spielen bis zur Winterpause noch dringend Zähler hermüssen, wenn es über Weihnachten und den Jahreswechsel nicht ungemütlich werden soll.

Nach Heimspiel gegen Bayer Leverkusen - Werder Bremen mit anspruchsvollem Restprogramm vor der Winterpause

Das Problem: In Stuttgart und Leipzig hält der Spielplan zwei weitere Gegner von oben bereit, dazwischen liegen die Duelle gegen die direkten Konkurrenten Augsburg und Gladbach. „Wir lernen aus so einem Spiel wie gegen Leverkusen, dass wir zu 100 Prozent an unsere Leistungsgrenze kommen müssen und einen perfekten Tag brauchen, um solche Gegner zu besiegen“, hielt Kohlmann fest. Am Samstag gegen die Werkself war nicht so ein Tag, was – wie gesagt – für sich genommen kein großes Drama ist. Angesichts der bereits liegengelassenen Punkte in der laufenden Serie und der angestrebten Aufholjagd könnte es aber gut sein, dass Werder Bremen von diesen Tagen noch den einen oder anderen brauchen wird, um sein Saisonziel – den Klassenerhalt – ohne großes Zittern erreichen zu können. (dco/kni)

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