Unverhoffte Werder-Premiere

Hein muss rein: Werder-Ersatzkeeper vertritt verletzten Backhaus gegen FC Bayern - Bundesliga-Debüt gegen Kane und Co.

Die Schulterverletzung von Mio Backhaus spült plötzlich Karl Hein ins Tor des SV Werder Bremen. Der Este wird gegen den FC Bayern München (Freitag, 20.30 Uhr) sein Bundesliga-Debüt feiern. Die DeichStube stellt den neuen Werder-Keeper vor.

Bremen – Etwas mehr als vier Wochen ist es jetzt her, dass Karl Hein an die Weser gewechselt ist. Und während der SV Werder Bremen das Leihgeschäft mit dem Premier-League-Club FC Arsenal über die Bühne brachte, fragten sich viele Fans erstaunt: Karl wer? Spätestens am Freitagabend, wenn das schwierige Auswärtsspiel beim Rekordmeister FC Bayern München ansteht (20.30 Uhr, DeichStube-Liveticker), besteht nun auf großer Bühne die Chance, sich ein genaues Bild vom 23-Jährigen zu machen. Weil sich Stammkraft Mio Backhaus bei einem Zusammenprall im Training eine Schulterverletzung zugezogen hat und erst einmal auf unbestimmte Zeit ausfällt, wird der Este ausgerechnet gegen den derzeit überragenden Tabellenführer sein Bundesligadebüt feiern. Doch Hein kennt sich mit vermeintlich aussichtslosen Herausforderungen bestens aus. Und zwar schon ziemlich lange.

Karl Hein wird im Auswärtsspiel gegen den FC Bayern München seine Bundesliga-Premiere im Trikot des SV Werder Bremen feiern.

Nach Backhaus-Verletzung: Karl Hein vor Bundesliga-Debüt für Werder Bremen gegen den FC Bayern

Der Torhüter war gerade einmal 18 Jahre alt, als er in seiner Heimat zum Nationalkeeper des A-Teams aufstieg. Satte 41 Länderspiele hat der 1,93 Meter große Profi inzwischen absolviert, nicht selten ist das aus etwas mehr als 1,3 Millionen Einwohnern bestehende Estland in den Partien Außenseiter. In der WM-Qualifikation stand Anfang September etwa das ungleiche Duell mit dem vierfachen Weltmeister Italien an – und Hein kassierte fünf Treffer. Zur Wahrheit gehört aber auch: Mit mehreren guten Paraden verhinderte der estnische Star-Spieler eine noch höhere Niederlage. Die jüngste Länderspielphase endete dann mit einem versöhnlichen Ergebnis, gegen Fußballzwerg Andorra hieß es in einem freundschaftlichen Vergleich 0:0. „Estland ist kein großes Land, deshalb ist es immer eine besondere Ehre für mich, wenn ich das Land und meine Familie auf so einer großen Bühne repräsentieren darf“, sagte Karl Hein bereits bei seinem Dienstantritt in Bremen.

Beim Besuch in der Allianz-Arena wird der Mann aus Pölva nun überhaupt erst der dritte Spieler aus Estland sein, der es in die Bundesliga schafft. Innenverteidiger Ragnar Klavan war 2012 der Erste, zudem zählt aktuell beim FC St. Pauli Karol Mets zum Kader – nicht ausgeschlossen also, dass sich die beiden Nationalmannschaftskollegen am kommenden Wochenende bei Werders Heimspiel gegen die Kiezkicker begegnen werden. Doch vor Hamburg ist München. Und dort wird für Karl Hein ein Traum in Erfüllung gehen. „Ich habe schon als Kind die Bundesliga verfolgt. Es war immer aufregend, wenn ich in Estland im Fernsehen die Spiele oder Highlights sehen konnte und ich hatte auch jetzt immer ein Auge darauf, was dort passiert“, sagte er kürzlich. „Es ist eine starke Liga, eine der besten auf der Welt, mit einer überragenden Atmosphäre und qualitativ guten Spielern.“

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Karl Hein vertritt verletzten Mio Backhaus bei Werder Bremen gegen den FC Bayern: „Er darf sich auszeichnen“

Mit den womöglich besten Akteuren aus Deutschlands Beletage bekommt er es nun direkt zu tun – allen voran natürlich mit Top-Stürmer Harry Kane, der aktuell von einem Torrekord zum nächsten eilt. Werder Bremens Cheftrainer Horst Steffen plagen aber keinerlei Sorgen, dass sein eigentlicher Ersatzkeeper der Herausforderung womöglich nicht gewachsen sein könnte. „Er darf sich auszeichnen“, sagt der 56-Jährige lächelnd. „Das wird sicherlich auf ihn zukommen. Wir brauchen es bestimmt, dass er ein paar Paraden zeigt und Bälle abfängt.“ Und genau das könne Karl Hein. „Er soll es genauso machen wie im Training. Die dortigen Eindrücke geben mir viel Zuversicht, dass er das auch schafft.“ Und sicherlich auch die Erfahrungen aus der Vorsaison. Da war der Rechtsfuß schon einmal von seinem Heimatverein aus London verliehen worden, seinerzeit ging es in die erste spanische Liga zu Real Valladolid. Bei den Iberern war Hein klar die Nummer eins, erlebte beim 0:7 gegen den FC Barcelona allerdings auch eine ganz unangenehme Partie. Letztlich stand er beim späteren Absteiger in 31 Ligapartien zwischen den Pfosten und kassierte 68 Treffer, in fünf Fällen stand aber auch die Null nach 90 Minuten.

Wer Karl Hein während der wöchentlichen Einheiten beobachtet, erkennt schnell, dass der Schlussmann ein sehr kommunikativer Vertreter seiner Zunft ist. Fast durchgängig dirigiert er mit lauten Ansagen seine Vorderleute, zeigte schon direkt nach seinem Wechsel zu Werder Bremen keinerlei Berührungsängste. Dafür hat Hein auch einfach schon zu viel erlebt. Trotz seines jungen Alters. „Er ist ein sehr engagierter Mensch, der arbeiten will und im Training seinen Mann steht. Ich freue mich sehr darauf, ihn zu sehen“, erklärt Horst Steffen. Und womöglich darf sich Karl Hein noch längere Zeit im Werder-Tor beweisen, denn bei Mio Backhaus müssen erst die ärztlichen Untersuchungen für Klarheit dafür sorgen, wie lange der Nachfolger des zu Eintracht Frankfurt abgewanderten Michael Zetterer tatsächlich ausfallen wird. „Ich bin kein Arzt, kein Therapeut und habe keine Prognose“, sagt Horst Steffen. „Möglicherweise haben die Bänder etwas abbekommen, aber knöchern ist nichts – das ist die Botschaft, die erst einmal raus darf. Alles Weitere werden wir dann sehen.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Marcel von Fehrn

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