Transfererlöse benötigt

Wie radikal wird der Umbruch im Sommer? So plant Werder Bremen

Wie viele seiner wichtigen Spieler kann der SV Werder Bremen im Sommer halten?
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Wie viele seiner wichtigen Spieler kann der SV Werder Bremen im Sommer halten?

Der SV Werder Bremen hat einen Umbruch für kommenden Sommer angekündigt. Doch wie radikal wird dieser ausfallen? Das sagen die Grün-Weißen.

Bremen – Clemens Fritz hat einen Reizpunkt gesetzt. Mit seiner Aussage, dass dem SV Werder Bremen in den nächsten Monaten ein Umbruch ins Haus steht, hat der Fußballchef fraglos aufhorchen lassen – aber auch für zusätzlichen Druck gesorgt. Denn nun werden die handelnden Personen am Osterdeich noch mehr als ohnehin schon an ihren Taten gemessen. In Milos Veljkovic und Anthony Jung werden zwei Verteidiger älteren Semesters den Verein im Sommer auf jeden Fall verlassen, das steht bereits fest. André Silva kehrt im Anschluss an seine Leihe nach Leipzig zurück, auch im Fall von Issa Kaboré gibt es ungeachtet der Leistungen keine Abmachungen mit Manchester City über eine etwaige Weiterbeschäftigung. Das sind, Stand jetzt, vier fixe Personalien. Und dann? Eine Radikalkur erscheint zumindest unwahrscheinlich. Vielmehr könnte es auch auf einen Umbruch light hinauslaufen, je nachdem, welche Optionen der Markt bereithalten wird.

Peter Niemeyer: „Werder Bremen wird immer ein Verein sein, der von Transfererlösen leben wird“

Komplett alles wollen sie in Bremen jedenfalls nicht auf den Prüfstand stellen, wie zu vernehmen ist, aber eben auch keine Garantien aussprechen. Das jedenfalls verdeutlichen die Worte von Peter Niemeyer, Werders Leiter Profifußball, wenn er darauf angesprochen wird, ob es nicht auch Profis im aktuellen Kader gibt, die unverkäuflich sind. „Werder Bremen wird immer ein Verein sein, der von Transfererlösen leben wird“, hebt der 41-Jährige im Gespräch mit der DeichStube hervor. „Es wird immer eine Summe geben, bei der man ins Nachdenken kommt. Grundsätzlich finde ich es aber gut, dass wir die Entscheidungsgewalt haben.“ Bekanntlich muss Werder unbedingt Transfererlöse generieren, kann sich demnach aber genauestens überlegen, wann grünes Licht gegeben wird und wann nicht. Der absolute Zwang ist wesentlich geringer als er es in der Vergangenheit schon war. Auch deshalb ist schwer abzuschätzen, wie ausgiebig der Wandel vollzogen wird. „Wie groß der Umbruch am Ende ausfällt, wird sich zeigen“, sagt Niemeyer. „Da spielen immer mehrere Faktoren eine Rolle.“

Als Betrachter der gegenwärtigen Ereignisse auf dem Rasen verfestigt sich recht flink der Eindruck, dass eine größere Renovierung zielführender sein könnte als eine Schönheits-OP im Detail. Fußballerische Nachlässigkeiten ziehen sich durch alle Mannschaftsteile, die hohe Zahl an Patzern führt auch in diesem Jahr zu einer wahren Gegentorflut. Nicht wenige Fans schrauben ihre Erwartungen immer weiter herunter – und werden trotzdem regelmäßig aufs Neue enttäuscht. Wie zuletzt gegen Gladbach. Ein Zustand, der frustriert. Unabhängig vom Gegner läuft Werder Bremen stets Gefahr, von einer Verlegenheit in die nächste zu stürzen. „Keine Frage, das ist auffällig. Es gilt, die Fehlerquote zu minimieren und sich bewusst zu machen, dass man in jedem Moment des Spiels voll da sein muss und sich keine Unachtsamkeit erlauben darf“, fordert auch Peter Niemeyer, der eine generelle Systemfrage nicht stellen will. „Eine taktische Problematik sehe ich daher nicht. Das Trainerteam reflektiert stets sich sowie die Spiele und sucht sowie findet die richtigen Lösungen.“

Trotz wichtiger Transfer-Erlöse: Werder Bremen plant langfristig mit Kapitän Marco Friedl

Wie groß die Sorgen auch innerhalb der Mannschaft sind, verdeutlichen die jüngsten Aussagen von Kapitän Marco Friedl ganz gut. „Ich will, dass sich der Verein für die nächsten beiden Jahre gut aufstellt und gute Entscheidungen getroffen werden. Das ist für jeden, der einen Vertrag unterschreibt oder verlängert, von Bedeutung“, hatte der 27-Jährige am Samstag mit Blick auf die ungewisse Zukunft erklärt. Er selbst besitzt noch einen Vertrag bis zum Sommer 2026 an der Weser, aufgrund eines derzeitigen Marktwerts von zehn Millionen Euro zählt auch der Österreicher neben Landsmann Romano Schmid (15 Millionen Euro) und Jens Stage (12 Millionen Euro) zu jenem Kandidatenkreis, der den SV Werder Bremen etwas reicher machen könnte – aber sportlich auch ärmer. Letzteres sehen auch die Entscheider so, weshalb Peter Niemeyer bereits signalisiert, dass mit Friedl langfristig geplant werde. „Wir möchten gern mit Marco weitermachen und wollen mit unserem Kapitän nicht ohne Verlängerung in das letzte Vertragsjahr gehen“, erklärte der Ex-Profi. „Da wollen wir im Sommer Klarheit haben.“

Nach den feststehenden Abschieden von Veljkovic und Jung sollen eigentlich auch Niklas Stark und Amos Pieper, deren Arbeitspapiere ebenfalls bis 2026 laufen, sowie Julian Malatini zu Konstanten in der Abwehr werden. „Auch mit Amos, Julian und Niklas sind wir zufrieden, von unserer Seite geht es daher auch mit allen weiter“, sagt Peter Niemeyer, hat jedoch abermals eine Einschränkung parat. „Aber natürlich werden wir uns nach der Saison zusammensetzen und besprechen, wie sie ihre Situation sehen.“ Pieper erlebt beispielsweise eine Spielzeit, in der er nach auskurierter Verletzung erneut häufig Reservist blieb, erst zuletzt wieder vermehrt auflief. Bei ihm würde es jedenfalls nicht überraschen, wenn er – sofern es Angebote gibt – ins Grübeln käme. Malatini wird derweil im nächsten Sommer auch schon 24 Jahre alt sein, ist dann zwar um einiges an Erfahrung, aber auch folgenschwere Fehler reicher. Nicht ausgeschlossen, dass auch dort noch einmal andere Pfade betreten werden, die zu mehr Erfolg führen. Es bleibt ein Balanceakt mit vielen Unbekannten. Nicht nur in der Defensive des SV Werder Bremen. Doch es müssen tragende und nachhaltige Lösungen her. Sonst wird es schwer mit dem dringend benötigten Gleichgewicht. (mbü)

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