Trainingslager-Kritik
„Wir sind ja auch nicht zufrieden“: Nach Klartext von Marco Friedl - so reagiert der SV Werder um Sportchef Clemens Fritz
Abwehrchef Marco Friedl hat das Trainingslager des SV Werder Bremen deutlich kritisiert. So reagiert Sportchef Clemens Fritz auf den Klartext des Mannschaftskapitäns.
Zell am Ziller/Bremen – Am Samstagmorgen ging es für den SV Werder Bremen zurück in die Heimat – und das durchaus mit gemischten Gefühlen. Denn nach dem 2:2 im Testspiel gegen den englischen Zweitligisten Sheffield Wednesday hatte Kapitän Marco Friedl Alarm geschlagen und kurzerhand mal den Ablauf des kompletten Werder-Trainingslagers kritisiert. Gleichzeitig zeichnete der Österreicher dabei ein ganz anderes Bild als sein Trainer Ole Werner und Peter Niemeyer, den Leiter Profifußball. Das sorgte für jede Menge Schlagzeilen, denn solche klaren Worte in der Öffentlichkeit sind im Profi-Fußball eher die Ausnahme und werden von den Verantwortlichen nicht gerne gesehen. Am Tag danach war Werder-Geschäftsführer Clemens Fritz bemüht, die etwas unangenehme Geschichte wieder einzufangen. Der Ex-Profi gab dabei beiden Seiten Recht und gestand, dass nach den zehn Tagen in den Alpen längst nicht eitel Sonnenschein beim SV Werder herrscht.
Nach Kritik von Werder Bremens Kapitän Marco Friedl: Das sagt Sportchef Clemens Fritz
„Marco ist unser Kapitän, er kann sich so äußern. Ich halte nichts davon, Dinge schönzureden. Eine gewisse Reibung gehört dazu und kann auch guttun. Wir sind ja auch nicht zufrieden“, gestand Clemens Fritz auf Nachfrage der DeichStube und fügte noch an: „Wichtig ist, dass er uns alle in die Pflicht genommen hat. Wir können nur gemeinsam unsere Ziele erreichen. Das heißt aber auch, dass jeder seinen persönlichen Ansprüchen und denen an die Mannschaft auf dem Platz gerecht werden muss.“ Letzteres war ein deutlicher Hinweis an Marco Friedl und Co., dass sie es sind, die auf dem Platz abliefern müssen. Und der Abwehrspieler gehörte nun einmal zu der Mannschaft, die beim XXL-Test des SV Werder Bremen nach der Pause mit einem desaströsen Auftritt eine 2:0-Führung der ersten Formation hergeschenkt hatte. Zu viele Profis waren bei großer Hitze im Freibad-Modus hängengeblieben – vorneweg Marvin Ducksch, Justin Njinmah, Leonardo Bittencourt, Jens Stage und Anthony Jung. Dazu kamen enorme Probleme der Nachwuchskräfte Mio Backhaus, Leon Opitz und Joel Imasuen sowie ein Oliver Deman, der sich in eine Privatfehde mit seinem Gegenspieler verstrickt hatte.
„In der ersten Halbzeit haben wir ein gutes Spiel gemacht – mit und gegen den Ball. Die Intensität war sehr hoch“, lobte Clemens Fritz. Dawid Kownacki und Keke Topp hatten eine verdiente 2:0-Führung herausgeschossen. Dann kippte die Partie. Fritz monierte vor allem die fehlende Intensität und zudem: „Wir haben dem Gegner zu viele Räume gelassen und hatten zu wenig Durchschlagskraft. Damit können wir nicht zufrieden sein. Das werden wir analysieren und besprechen.“ Das allerdings erst am Dienstag, bis dahin haben die Grün-Weißen nach den zehn Tagen im Zillertal erstmal frei.
Bei den dann folgenden Gesprächen dürfte es aber nicht nur um das Testspiel gehen. Marco Friedl hatte schließlich nicht nur den Auftritt gegen Sheffield kritisiert: „Unter dem Strich bin ich nicht mit dem Trainingslager zufrieden. Hergeschenkt ist das falsche Wort, aber es war ein Machen, um zu machen. Es kommt ein bisschen eine negative Stimmung auf, weil es nicht so läuft.“ Im Gegensatz dazu hatten Werner und Niemeyer ein positives Fazit gezogen und sich zufrieden mit den Tagen am Ziller gezeigt, wenngleich natürlich noch Arbeit auf die Mannschaft des SV Werder Bremen warte. So ein Unterschied bei der Einschätzung ist sehr selten. Wenngleich Werner und Niemeyer schon ein bisschen den Eindruck machten, die Situation lieber entspannter einzuschätzen, um so früh in der Vorbereitung keine öffentliche Diskussion zu entfachen. Das erledigte dann Friedl, der vielen Beobachtern in Zell am Ziller durchaus aus der Seele sprach. Anders als in den Vorjahren wirkte es so, als würden die Trainingstage so dahinplätschern – passend zum Fluss direkt neben dem Parkstadion.
Sportchef Clemens Fritz reagiert auf Kritik von Kapitän Marco Friedl: Werder auf dem Transfermarkt noch etwas machen
„Ich weiß nicht, was Marco damit meint, wenn er sagt: ,Wir haben nur gemacht, um zu machen.‘ Wir hatten klare Themen, wollten inhaltlich weiterkommen und viele Meter machen. Dabei spielt inzwischen die Belastungssteuerung eine größere Rolle als früher, um Verletzungen zu vermeiden. Da sind wir ganz gut durchgekommen“, stellte sich Clemens Fritz zunächst klar hinter das Trainerteam, das für den Ablauf des Camps im Zillertal verantwortlich ist. Bei der Bewertung der Reise passte er sich dann aber fast schon mehr der Sichtweise von Marco Friedl an, indem er eher nüchtern urteilte: „In Summe war das Trainingslager okay, wenn auch nicht alles geklappt hat.“ Begeisterung klingt anders. Wobei der Sportchef des SV Werder Bremen noch erklärend nachschob: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist das aber auch nicht ungewöhnlich. Das Trainingslager war früher als vor einem Jahr.“
Etwa eine Woche. Der Pflichtspielstart steht für Werder Bremen erst in drei Wochen mit dem DFB-Pokalspiel beim Drittligisten Energie Cottbus an. „Wir haben noch Zeit, auf der wir uns aber nicht ausruhen werden. Wir sind sensibilisiert“, versicherte Fritz und machte damit durchaus deutlich, dass der schwache Auftritt gegen Sheffield in der zweiten Halbzeit und Friedls Worte Wirkung gezeigt haben. Dass sich der Kapitän dabei auch noch Werder-Neuzugänge gewünscht hatte, wollte Fritz aber nun wirklich nicht überbewertet wissen: „Was soll er auch anderes sagen? Das habe ich als Kapitän doch auch gemacht. Wir haben immer gesagt, dass wir noch etwas machen werden. Daran hat sich nichts geändert.“ (kni)