Werder zufrieden mit aktuellem Kader

„Eine Fußballmannschaft ist ein fragiles Gebilde“: Wie Werder Bremen Risiken und Chancen vor einem möglichen Winter-Transfer abwägt

Wie plant Werder Bremen Winter-Transfers? Peter Niemeyer (li.) gewährt exklusive Einblicke.
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Wie plant Werder Bremen Winter-Transfers? Peter Niemeyer (li.) gewährt exklusive Einblicke.

Wird der SV Werder Bremen in der Winter-Transfer-Phase tätig? Welche Risiken und Chancen ein möglicher Neuzugang mit sich bringen würde.

Bremen – Es ging besinnlich zu am Dienstagabend, der SV Werder Bremen hatte zur Weihnachtsfeier ins Weserstadion geladen. Nicht einfach nur die Bundesliga-Herren in kleiner Runde, der grün-weiße Rahmen sollte gern größer sein. „Es war sehr schön. Mich hat es beeindruckt, wie an jeden im Verein gedacht und mit allen zusammen gefeiert wurde“, sagt Peter Niemeyer als Leiter Profifußball im Gespräch mit der DeichStube. „Es war eine rundum gelungene Veranstaltung. Sowohl bei den Herren als auch Frauen spielen wir bisher eine ordentliche Saison, da ist das Lächeln natürlich noch ein wenig breiter.“ Im Idealfall werden am Samstag nach der letzten Herausforderung in diesem Kalenderjahr gegen den 1. FC Union Berlin (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) noch mehr Zähne gezeigt, pünktlich zur kurzen Weihnachtspause. Doch danach geht es schnell wieder zurück in den Alltag. Werder will sportlich nachlegen – was ab dem 1. Januar auch auf dem Transfermarkt getan werden kann. Oder auch nicht?

Werder Bremen sucht wohl für das zentrale Mittelfeld Verstärkung - aber wie sinnvoll wäre ein Transfer zum aktuellen Zeitpunkt?

„Eine Fußballmannschaft ist ein fragiles Gebilde, jeder Transfer birgt da Chancen und Risiken. Umso bedeutender ist es, diese im Vorfeld abzuwägen“, erklärt Niemeyer und konkretisiert: „Ein zu großer Kader, in dem es Spieler gibt, die keine wirkliche Relevanz haben, ist nicht gut. Jeder muss das Gefühl haben, dass er gebraucht wird und dazugehört.“ Doch das ist nicht der einzige Aspekt, mit dem sich die Entscheider in diesen und den nächsten Wochen auseinandersetzen. „In unsere Transferüberlegungen fließt auch mit ein, welchen Einfluss ein zusätzlicher Spieler für die bestehende Hierarchie hätte“, schildert der 41-Jährige. In der Theorie könnte da schließlich ein Akteur angeheuert werden, der zwar sportlich eine hohe Qualität mitbringt, sonst aber nicht sonderlich ins Gefüge des SV Werder Bremen passt. Da ist also Vorsicht geboten. „Wer neu hinzukommt, muss sich zu 100 Prozent integrieren können“, fordert Niemeyer deshalb und betont: „Die aktuelle Mannschaft hat während der bisherigen Hinrunde mehrfach bewiesen, wie charakterstark sie ist – das werden wir nicht gefährden.“

Nun ist das mit den Wechseln im Winter ohnehin so eine Sache. Die Suche nach optimalen Gelegenheiten ist häufig schwierig – geeignete Kandidaten lassen sich in der Regel nicht so einfach verpflichten wie etwa in der wärmeren Jahreszeit. „Die Fragen sind: Was für Spieler bekommt man im Winter? Sind das Jungs, die anderswo auf der Bank sitzen? Oder kommen sie vielleicht von Clubs, die dringend Geld brauchen und/oder bei denen ihr Vertrag im nächsten Sommer ausläuft?“, zählt Peter Niemeyer auf. Eine Soforthilfe ist da nicht garantiert. Und so soll Werder Bremen zwar nach Zuwachs für die Zentrale Ausschau halten, doch auch dort gibt es bekanntlich Konkurrenz, die erst einmal verdrängt werden will. „Klar ist, dass ein Spieler, der jetzt kommen würde, natürlich fragt, ob er in der Startelf spielen würde. Dass du aber in der Regel nicht sofort in einem Team spielst, das eigentlich gerade gut funktioniert, ist auch logisch“, meint Niemeyer.

Werder Bremen will Leih-Transfer im Winter nicht ausschließen

Und so werden sich alle Optionen offengehalten – auch was die Art einer möglichen Verpflichtung angeht. Grundsätzlich möchten Vereine natürlich Spieler lieber fest an sich binden, um später bei einem möglichen Weiterverkauf Ablösesummen generieren zu können, doch auch eine Leihe wie im Vorjahr von Skelly Alvero ist nicht ausgeschlossen. „Das hängt davon ab, was auf dem Markt passiert“, meint Niemeyer, wiederholt jedoch erneut: „Wir sind aber auch sehr glücklich mit der aktuellen Qualität und Zusammenstellung des Kaders. Wir schauen da schon ganz genau hin, ob und was wir machen. Das Wichtigste ist: Der Spieler muss voll und ganz zu Werder Bremen passen, sonst werden wir da nichts machen.“

Bislang haben die Bremer schließlich auch so angenehm viele Punkte zusammengetragen. Deren 22 sind es aktuell, schon ein weiterer Zähler gegen Union würde reichen, um annähernd einen Wert nach 15 Spieltagen zu erreichen, den es letztmals 2011 gab. Damals waren es sogar 26 Punkte, im Kader tummelten sich noch Namen wie Naldo, Sokratis, Marko Marin, Marko Arnautovic oder Claudio Pizarro. Ziemlich lange her also. Dieser 13-jährige Ausflug in die Vergangenheit lässt Peter Niemeyer allerdings ziemlich kalt. „Das habe ich vernommen, aber dafür kann man sich jetzt auch nicht wahnsinnig viel kaufen“, sagt der Leiter Profifußball des SV Werder Bremen. „Wir tun gut daran, weiterhin von Spiel zu Spiel zu schauen. Natürlich sind wir selbstbewusst, haben ein gewachsenes Selbstverständnis, individuelle Qualität und eine gute Spielanlage.“ Und die soll zu einem weiteren schönen Samstagnachmittag führen. „Die Vorfreude auf die nächste Partie ist groß“, hebt Niemeyer hervor. „Auch wenn wir wissen, dass Union Berlin eine große Qualität im Kader hat. Wir wollen aber im Weserstadion mit den Fans nochmal eine richtig schöne Weihnachtsparty-Stimmung erleben.“ Für die Transferarbeit ist dann danach noch Zeit. (mbü)

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