DeichStube-Interview

„Natürlich bekomme ich mit, was ihr da schreibt“: Schmid über Werders bisherige Saison und Kritik an seiner Person

Werder Bremens Romano Schmid spricht im DeichStube-Interview über Kritik an seiner Person und die Ziele im neuen Jahr.
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Werder Bremens Romano Schmid spricht im DeichStube-Interview über Kritik an seiner Person und die Ziele im neuen Jahr.

Bremen – Der goldene Ehering blinkt am Finger, immer wieder greift sich Romano Schmid beim Interviewtermin mit der DeichStube an das Schmuckstück, das ihn an seine kürzliche Hochzeit in Graz und natürlich an seine Frau erinnert. Im neuen Jahr hat der Profi des SV Werder Bremen einiges vor, nicht nur im Verein, sondern im Idealfall auch bei der EM im Sommer mit Österreich. Der 23-Jährige erklärt, warum es für ihn persönlich so gut läuft und wie sehr ihn manchmal die mediale Kritik an seiner Person ärgert.

Romano Schmid, zunächst einmal Glückwunsch zur Heirat. Jetzt können Sie es ja verraten: Ole Werner hat Sie beim Leipzig-Spiel kurz vor Weihnachten doch mit Absicht nicht in die Startelf gestellt, um ihre vier Tage später stattfindende Hochzeit nicht zu gefährden, richtig?

Danke. Nein, nein. Das hatte natürlich taktische Gründe und hat ja auch funktioniert.
 
Haben Sie es gemeinsam mit Ihrer Frau denn in Graz ordentlich krachen lassen?

Es war ganz gemütlich, wir haben im allerengsten Kreis der Familie gefeiert.
 
Viel Zeit für Flitterwochen blieb auch nicht. Wird die Hochzeitsreise nachgeholt?

Auf jeden Fall. Im nächsten Sommer aber garantiert nicht. Vielleicht dann im Winter darauf, wenn wir ein bisschen frei haben. Das darf meine Frau entscheiden. Da ist sie die Chefin. (grinst)
 
Wenn alles normal läuft, gehören Sie im Sommer zum Kader der österreichischen Nationalmannschaft bei der EM. Ist es eigentlich schön, der deutschen Elf wie zuletzt im Testspiel so richtig eins auszuwischen?

Inklusive dem Spiel von 2018 haben wir ja jetzt schon zweimal hintereinander gewonnen. Natürlich ist das schön, denn als österreichischer Profi kommt man nach Deutschland und darf sich schon immer ein paar Sprüche anhören.

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Werder Bremens Romano Schmid im Interview: „Da habe ich im letzten Jahr vielleicht den größten Schritt gemacht“

Der dritte Gruppengegner Österreichs wird erst noch in den Playoffs ermittelt, die anderen beiden Konkurrenten heißen Niederlande und Frankreich. Wie zuversichtlich sind Sie, dass das Gastspiel bei der Europameisterschaft kein kurzes wird?

Deutschland ist aktuell vielleicht zwar nicht mit Frankreich gleichzustellen, aber auf jeden Fall mit den Niederlanden. Und Deutschland haben wir geschlagen. Bei uns gibt es niemanden, der einfach nur froh ist, dass wir dabei sind. Wir werden mit einer großen Euphorie ins Turnier gehen und wollen richtig angreifen.
 
Wie sehr trübt die Kreuzbandverletzung von Real-Madrid-Star David Alaba die Vorfreude?

Sehr natürlich. Er ist unser Kapitän, ich habe mit keinem besseren Innenverteidiger zusammengespielt. Er hat viel Erfahrung, verfügt über eine überragende Zweikampfführung und ist unheimlich schlau auf dem Platz. Er würde uns sicherlich fehlen, aber ich hoffe nach wie vor, dass sich alles noch ausgeht. Bei jeder noch so minimalen Chance, denke ich, dass er dabei sein wird.
 
Sie sind 23 Jahre alt, frisch verheiratet, schon seit einiger Zeit Vater und obendrein etablierter Bundesliga-Profi sowie inzwischen auch Nationalspieler. Was für Ziele bleiben da eigentlich noch?

Ich möchte einfach so weitermachen wie bisher und so positiv bleiben, wie die ganze Saison schon. Der Rest kommt dann von ganz allein.
 
Ist es auch Kopfsache, so positiv zu bleiben?

Bei mir ist das schon häufig der Fall.
 
Mussten Sie erst lernen, sich nach Rückschlägen nicht hängenzulassen?

Es gibt immer mal Phasen, in denen das passieren kann. Mein Ziel ist, diese Phasen immer weniger werden zu lassen. Ich bin natürlich ein Spieler, der immer spielen will und dann launischer wird als manch anderer, wenn er das nicht tut. Da habe ich im letzten halben Jahr aber vielleicht den größten Schritt gemacht. Ich habe im ersten Saisonspiel nicht von Beginn an gespielt, bin aber drangeblieben und habe dann die Chance bekommen und sie direkt genutzt. Das habe ich in den Jahren zuvor vielleicht nicht immer so gemacht und den Kopf etwas hängenlassen.

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Werder Bremens Romano Schmid über eine Nicht-Nominierung in der Startelf: „Bin einfach sauer auf die Situation“

Dann noch einmal zurück zum Leipzig-Spiel: Für uns kam Ihre Nichtberücksichtigung ziemlich überraschend – für Sie auch?

Ja. (lacht) Nein, im Ernst: Wir haben in einem anderen System und mit Justin (Njinmah, Anm. d. Red.) gespielt. Er hat es sich auf jeden Fall verdient, von Beginn an dabei zu sein. Er hat es dann ja auch richtig gut gemacht. Ich bin sowieso ein großer Fan von Justin und würde gern noch viel öfter zusammen mit ihm spielen.
 
Weil Sie ihn mit Ihren Pässen so gut schicken können?

Er besitzt einfach Qualitäten, die ganz gut zu meinem Spiel passen. Auch deshalb war ich natürlich ein bisschen enttäuscht, dass ausgerechnet ich gegen Leipzig dann nicht gespielt habe – und weil es schon spannend für mich gewesen wäre, gegen meinen Ex-Trainer und ein paar Österreicher zu spielen. Aber der Trainer hat eine andere Konstellation gewählt, und das ist dann auch okay für mich.
 
Sind Sie gut darin, Entscheidungen gegen sich zu akzeptieren?

Es kommt darauf an, wie man es argumentiert. (schmunzelt) Ich gehöre wahrscheinlich zum unteren Drittel, wenn es darum geht, das zu akzeptieren. Aber wenn man es mir gut erklärt, dann kann ich das gut annehmen.
 
Wie äußert sich Ihre Unzufriedenheit? Sind Sie sauer auf den Trainer, auf sich, auf die ganze Welt?

Ich bin einfach sauer auf die Situation. Ich will halt immer spielen, und gerade in dieser Saison habe ich vielleicht mit der Ausnahme von zwei, drei Partien immer gut gespielt. Deswegen wurmt es einen noch ein wenig mehr, weil man gerade im Flow ist und diesen nicht brechen lassen möchte.
 
Sie wirken bei Interviewterminen und Medienrunden unheimlich abgeklärt für Ihr Alter. Woher kommt dieses Selbstverständnis? Viele Menschen sind mit 23 Jahren verbal keineswegs so „erwachsen“.

Ich musste früh selbstständig sein, vielleicht kommt es davon.
 
Inwiefern?

Ich habe früh allein mit meiner Mutter gewohnt, die häufig arbeiten musste. Ich habe zwar noch zwei Schwestern, aber die sind älter, weshalb ich oft allein zu Hause war. Zudem bin ich früh ausgezogen, habe allein in einer eigenen Wohnung gelebt. Da wird man schnell selbstständig. Mit 15, 16 Jahren bin ich dann schon zu den Profis gekommen und habe viel mitgenommen.
 
Was genau?

Ich habe für mich mitgenommen, wie man sich geben sollte. Früher war ich noch viel wilder unterwegs und hätte hier jetzt nicht so gesessen. Es ist mir wichtig, das jetzt so beizubehalten.

Werder Bremens Romano Schmid im DeichStube-Interview: „Wir machen echt gute Spiele“

Sie legen also großen Wert auf gute Manieren…

Gute Manieren hatte ich schon immer, aber bei mir ist es so – und vielleicht ist das auch ein Fehler: Ist man zu mir respektvoll, dann bin ich auch respektvoll. Wenn nicht, dann kann ich auch unangenehm sein.
 
Kehren wir zum Sport zurück: Wie wichtig sind Ihnen Titel in Ihrer Laufbahn?

(lacht) Ich habe ja schon zwei Titel. (Österreichischer Meister mit RB Salzburg sowie Pokalsieger mit Sturm Graz, Anm. d. Red.)
 
Und hier in Deutschland?

Natürlich spielt man, um zu gewinnen. Und je häufiger man gewinnt, desto eher werden auch Titel kommen. Für uns als Verein ist aber genauso wichtig, dass wir uns immer weiterentwickeln. Wir hatten diese schlechte Phase mit dem Abstieg und machen jetzt einen Schritt nach dem nächsten. Auch wenn es in dieser Saison negativer dargestellt wird, weil wir viele Schwankungen hatten, bin ich der Meinung, dass wir aktuell auf dem richtigen Weg sind. Wir machen echt gute Spiele. Grundsätzlich haben wir 16 Punkte, aber natürlich Spiele wie gegen Heidenheim oder Darmstadt verloren. Das sind die Punkte, die uns richtig wehgetan haben. Auswärts haben wir natürlich noch viel Luft nach oben. Wenn ich aber von den Heimspielen rede, haben wir sehr guten Leistungen gezeigt.
 
Woran machen Sie das genau fest?

Wir spielen guten Fußball und können auch Gegner dominieren, die ein größeres Budget und deren Spieler höhere Marktwerte haben – wie gegen Leipzig oder Frankfurt. Manchmal fehlen nur Kleinigkeiten. In dieser Saison muss man von zwei, drei Spielen reden, die wirklich katastrophal waren, aber über den Rest der Saison kann ich nur sagen, dass wir hier richtig guten Fußball gespielt haben.
 
Wird das in der Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen? Zählt da zu häufig nur schwarz oder weiß?

Das ist ja häufig so, aber in dieser Saison finde ich es noch extremer. Natürlich geht es um Punkte, aber für mein Gefühl spielen wir eben richtig guten Fußball.
 
Ist es in Deutschland schwierig, ein Fußball-Profi zu sein, weil man ständig gesagt bekommt, dass es noch besser geht?

Wenn es um die gesamte Mannschaft geht, ist es nicht schwierig. Wenn es einen persönlich trifft, ist es schon schwieriger als etwa in Österreich. Dort hast du deine Ruhe.

Werder Bremens Romano Schmid im DeichStube-Interview über Kritik von außen: „Das wurmt mich schon“

Warum ist das so? Ist der Umgang respektvoller?

Das hat nichts mit Respekt zu tun. Die Thematik ist einfach nicht so präsent. Bei manchen Spielen sind nur 2.000 oder 4.000 Zuschauer im Stadion, die Medien brauchen zudem nicht so viel zum Schreiben. (grinst)
 
Wenn Sie sagen, dass Sie eine gute Hinrunde gespielt haben – wo geht es denn noch besser?

(schmunzelt) Das wisst ihr ja am besten.
 
Die fehlenden Tore. Lediglich ein Treffer steht bislang auf Ihrem Konto, dabei haben sie noch einige gute Chancen gehabt. Und wer Sie regelmäßig im Training sieht, weiß, dass es eigentlich nicht am Abschluss hapern kann. Aber woran dann?

Es liegt natürlich an mir, dass ich nicht schon drei, vier Tore habe. Gegen Mainz oder Augsburg hätte ich einfach treffen müssen. Das ist vielleicht auch Kopfsache. Natürlich bekomme ich mit, was ihr da schreibt. Man sagt ja gern, dass ein Profi das abkönnen muss, aber es wurmt mich schon, wenn ihr schreibt, dass ich nicht schießen kann oder mein Abschluss eine Schwäche ist. Ich weiß schließlich ganz genau, was ich schon für Tore geschossen habe – auch für Werder. Ich arbeite weiter hart daran, im Training gibt es vielleicht keinen anderen Spieler, der so viele Tore schießt wie ich. Ich muss das einfach aufs Spiel ummünzen. Wenn ich diese zwei, drei Scorerpunkte mehr habe, dann redet man bei mir ja nicht mehr von einer guten, sondern einer sehr guten Saison.
 
Wenn Sie die Medien für die Berichte über Ihren Abschluss kritisieren, fällt Ihnen denn im Gegenzug auch auf, dass Sie häufig für andere Qualitäten gelobt werden oder tritt das in den Hintergrund?

So viel lese ich nicht mehr, weil mich das wirklich mitgenommen hat. Aber ich habe durch ein paar Freunde natürlich mitbekommen, dass ihr mich in letzter Zeit ein bisschen besser bewertet habt. (lacht) Ich versuche das alles aber insgesamt auszublenden und einfach meinen Job zu machen, weil ich weiß, dass ich gut darin bin. Aber ich werde versuchen, noch besser zu werden.
 
Sie haben im Dezember vorzeitig Ihren Vertrag bei Werder Bremen verlängert. Was war der ausschlaggebende Grund dafür?

Der Verein war sehr bemüht, das muss ich wirklich sagen. Meine Familie und ich fühlen uns aber auch sehr wohl. Die sportliche Entwicklung geht in die richtige Richtung, und Werder ist für mich nach wie vor ein Riesenverein. Mir macht es einfach Spaß hier.

Werder Bremens Romano Schmid im Interview über Borré: „Rafa ist ein wichtiger Spieler für uns und ein toller Charakter“

Gab es denn andere Offerten?

Viel kann ich dazu nicht sagen, aber wenn ich so gut spiele, glaube ich schon, dass Interesse vorhanden ist. Aber mein erster Ansprechpartner war immer Werder.
 
Was muss passieren, damit Sie Ende Mai sagen, es war eine richtig gute Saison?

Ich möchte mich persönlich weiterentwickelt haben und natürlich noch ein paar Scorerpunkte sammeln. Aber auch bei den Vorlagen ist das ja so eine Sache. Ich hätte auch schon mehrere Punkte haben können, denn ich habe bestimmt vier, fünf Pässe gespielt, nach denen wir frei vor dem Torhüter waren, aber nichts daraus gemacht haben.
 
Obendrein gelten Sie als Meister des vorletzten Passes.

Das war schon immer eine große Stärke von mir, gerade in der Jugend. Wenn man die Schnittstellenpässe spielen kann und danach noch einmal quergelegt wird. Diese Qualität wird manchmal ein bisschen unterschätzt, weil gerade hier bei uns viele Angriffe über mich gehen. Auch daran arbeite ich, dass es noch mehr werden. Wir als Mannschaft müssen uns einfach weiterentwickeln und so viele Punkte wie möglich holen. Ich bin davon überzeugt, dass wir eine gute Rückrunde spielen werden.
 
Wie sehr nervt es da, wenn ein wichtiger Spieler wie Rafael Borré mit einem schnellen Wechsel liebäugelt?

Es gehört dazu, dass gute Spieler mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht werden. Rafa ist ein wichtiger Spieler für uns und ein toller Charakter. Ich mache mir da aber wirklich nullkommanull Gedanken, was über irgendeinen Spieler geschrieben wird. (mbü)

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