Hamburger Ärger nach Pleite

Rot-Flut bei Werder-Sieg: HSV ärgert sich über Platzverweise im Nordderby

Sieben Gelbe und vier Rote Karten: Nach dem Nordderby zwischen Werder Bremen und dem HSV sorgt die Schiedsrichter-Leistung für Gesprächsstoff!

Florian Exner hatte eine ganze Menge zu tun, der Schiedsrichter griff gleich mehrfach in seine Taschen. Am Ende zückte er beim Nordderby zwischen dem SV Werder Bremen und Hamburger SV (3:1) sieben Mal die Gelbe Karte, in satten fünf Fällen packte er sogar Rot aus – wenngleich der vermeintliche Platzverweis gegen Gäste-Profi Bakery Jatta nachträglich wieder einkassiert wurde. Und doch: Die farbenfrohen Begleitumstände sorgten hinterher für reichlich Gesprächsstoff, schließlich war es kurz nach dem dritten Bremer Treffer durch Cameron Puertas auch noch zu einer Rudelbildung zwischen den Bänken und insgesamt drei Roten Karten für Werders Co-Trainer Jan Hoepner sowie HSV-Assistent Loic Favé und Physiotherapeut Tim Roussis gekommen.

Schiedsrichter Florian Exner (links) zeigte im Nordderby zwischen Werder Bremen und dem HSV insgesamt fünfmal die Rote Karte - hier sieht sie Philip Otele (mitte).

HSV-Coach Merlin Polzin über Werder Bremens Tor zum 3:1: „Mir und den Jungs hat nicht gefallen, dass der Jubel in Richtung Gästeblock ging“

„Zum Derby gehört dazu, dass viele Emotionen vorherrschen, aber es hat mir und den Jungs natürlich eher nicht gefallen, dass der Jubel in Richtung Gästeblock ging“, meinte HSV-Coach Merlin Polzin später. „Da steckt vielleicht gar keine böse Absicht von Bremer Seite dahinter, aber natürlich ist es ein Moment, in dem die Emotionen dann einfach überkochen.“ Sein Freund und Kollege Daniel Thioune, Coach des SV Werder Bremen, erklärte derweil: „Der Jubel vor dem Gästeblock kam wohl zustande, weil mal ein Spieler getroffen hat, der sonst die Bälle in der Weser versenkt – das hat er heute ja auch wieder geschafft. Da wusste er dann wahrscheinlich nicht wohin mit seinem Jubel und seiner Freude.“

In der Tat hatte Puertas den Ball zuvor bei einer sehr guten Gelegenheit weit über den gegnerischen Kasten gesetzt. Umso größer das Glück des Mittelfeldakteurs nach seinem Premierentor im Trikot des SV Werder Bremen. „Der Weg zurück führt dann an der Gästebank vorbei und da passiert sowas dann mal – das muss dann jeder mit seinem eigenen Wertekompass vereinbaren“, sagte Daniel Thioune und meinte mit Blick auf sich und Merlin Polzin: „Wichtig ist, dass wir beide sehr ruhig geblieben sind.“ Zur Erinnerung: Auch während des Hinspiels im vergangenen Dezember hatte es ähnliche Szenen im Volksparkstadion gegeben, als ein HSV-Spieler aufreizend vor der Bremer Bank den Sieg bejubelt, so den Zorn der Grün-Weißen auf sich gezogen und eine Rudelbildung provoziert hatte.

Für Ärger bei den Hamburgern hatte aber auch der Platzverweis gegen Philip Otele gesorgt. Der hatte lediglich 13 Minuten nach seiner Einwechslung im Spiel gegen den SV Werder Bremen bei einem Zweikampf das Schienbein von Cameron Puertas erwischt und war nach Hinweis des VAR bestraft worden. Dadurch hat der HSV unabhängig von den Staff-Mitgliedern mittlerweile acht Rote Karten eingesammelt – und damit mehr als Siege in der Liga (7). „Acht Platzverweise, das geht nicht, das ist fehlende Cleverness, das ist doof. Immer in Unterzahl hinterherzulaufen, kostet Energie, das ist einfach scheiße“, ärgerte sich Hamburgs Nicolai Remberg, der auch keine Einwände gegen die Entscheidung des Unparteiischen hatte. „Die Szene ist schon fies. Und generell verstehe ich einfach nicht, dass uns das so häufig passiert. Es ist nicht fair, dem Schiri irgendetwas anzukreiden“, meinte der 25-Jährige, war von der grundsätzlichen Leitung sowie Kommunikation des Regelhüters allerdings weniger angetan: „Ich habe oft das Gefühl, dass er denkt, er wäre etwas Besseres.“

Doch nicht überall kam die Rote Karte gut an, TV-Experte und Ex-Werder-Bremen- sowie HSV-Profi Martin Harnik hätte es beispielsweise lieber gesehen, wenn das Spiel nach der Otele-Szene ohne Herausstellung fortgesetzt worden wäre. Exner selbst meinte derweil am „Sky“-Mikrofon: „Ich kann verstehen, wenn man sagt, dass es nicht die klarste Rote Karte der Welt ist, wir haben am Ende aber ein klares Trefferbild. Der Spieler geht einfach das Risiko, wir müssen als Schiedsrichter auch die Spieler schützen.“ Merlin Polzin bekräftigte unterdessen: „Wir sind keine unfaire Mannschaft. Philip läuft und der Bremer Kollege liegt am Boden – er trifft ihn dann mit dem Nachziehbein. Ich hoffe, dass da nichts passiert ist, aber es sah ja nicht so aus.“ (mbü/bvo)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Claus Bergmann

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