Belgier spricht im Zillertal
„Für mich ist die Sechs das Herz einer Mannschaft“: Lynen über sein zweites Werder-Jahr, ein spanisches Vorbild und seine Ole-Werner-Frisur
Senne Lynen spricht im Zillertal-Trainingslager über seine Ziele für sein zweites Jahr bei Werder Bremen, die Sechserposition als „Herz einer Mannschaft“ und die Gründe für seine neue Ole-Werner-Frisur.
Zell am Ziller - Normalerweise ist Senne Lynen als cleverer Balleroberer und hartnäckiger Sechser bekannt. Doch im Österreich-Trainingslager des SV Werder Bremen hat der 25-Jährige noch ganz andere Qualitäten bewiesen. Mit dem Journey-Klassiker „Don‘t stop believin‘“ begeisterte er am vergangenen Samstag seine Mannschaftskollegen beim Teamabend. Neuzugänge müssen dort traditionell singen - und weil Lynen im Vorjahr erst nach dem Trip nach Zell am Ziller verpflichtet wurde, musste auch er nun ans Mikrofon. „Alle haben es geliebt, für mich war es auch ein großer Spaß“, blickt der Belgier zurück. Der Welthit aus dem Jahr 1981 dient dabei auch als Antrieb für die eigenen Ziele. Für eine Verbesserung in der Liga, wo es zuletzt Rang neun gab. Und vielleicht auch für den Traum vom Sprung ins internationale Geschäft. „Man sollte immer dran glauben, aber Europa ist vielleicht noch ein bisschen schnell“, sagt Lynen und fordert stattdessen: „Wir müssen mit neuem Mut, einem komplett neuen Mindset in die Saison gehen.“
Senne Lynen über sein erstes Jahr bei Werder Bremen: „Eine ganz tolle Erfahrung für mich“
Das gilt auch für den defensiven Mittelfeldspieler selbst. Im vergangenen Sommer war er ein Hoffnungsträger für den Platz vor der Abwehr, der nach seinem Wechsel von Royale Union Saint-Gilloise eine gewisse Anlaufzeit brauchte. Doch spätestens seit dem Winter ist Senne Lynen ein ganz wichtiger Faktor bei Werder Bremen, zählt konstant zur Startelf und zeigt, warum die Bremer zwei Millionen Euro für den Mann aus dem Großraum Antwerpen ausgegeben haben. „Es gab viele tolle Momente“, blickt Lynen auf sein Premierenjahr in der Bundesliga zurück. „Die Trainingsintensität ist höher als in Belgien, die Spieler sind auf einem anderen Niveau. Jede Woche solch ein Spiel spielen zu können, ist eine ganz tolle Erfahrung für mich.“
Werder Bremen-Profi Senne Lynen erklärt seine Ole-Werner-Frisur mit einer Hautbehandlung
Das sehen auch die Verantwortlichen so, die bereits während der vergangenen Rückrunde mehrfach die Stärken des laufstarken Akteurs lobten. „Er ist ein schlauer Spieler, der uns mit seiner Balance viel Stabilität gibt. Senne antizipiert gut und hat eine sehr gute Spielübersicht“, schwärmte etwa der jetzige Sportchef Clemens Fritz. Woher dieses Talent kommt? „Ich habe keine Ahnung. Ich probiere einfach, auch ohne Ball zu gucken, wie ein Spieler steht oder schaut - und dann den Ball zu erobern“, sagt Senne Lynen gelassen. Klingt einfach, ist aber bekanntlich gerade auf seiner Position nicht so einfach. Und auch der 25-Jährige weiß um die Wichtigkeit einer guten Arbeit in seinem Bereich. „Für mich ist die Sechs das Herz einer Mannschaft“, betont der Profi des SV Werder Bremen. „Wenn man Spanien bei der EM mit Rodri dort gesehen hat, dann ist das ganz klar.“ Wenig verwunderlich also, dass er diesem Vorbild nacheifert.
Zuletzt sorgte Lynen aber nicht nur sportlich für Aufsehen, auch seine neue Frisur stand im Fokus, weil der Belgier mit seinen raspelkurzen Haaren doch sehr Trainer Ole Werner ähnelte. Ein paar blöde Sprüche musste er sich deshalb von den Kollegen schon gefallen lassen. „Das war am Anfang so, ist jetzt aber vorbei“, berichtet Senne Lynen und liefert grinsend den Grund für sein verändertes Erscheinungsbild mit: „Ich habe im Urlaub eine Hautbehandlung gemacht und deshalb die Haare abgeschnitten. Aber es kommt alles wieder zurück, das braucht nur etwas Zeit.“ Zeit, die auch er hatte, um so richtig anzukommen bei Werder Bremen. (mbü)