Werder gewinn in Köln
Verteidigen hat Vorrang: Werder hat seinen fußballerischen Fokus verändert – und ist damit erfolgreich
Der SV Werder Bremen zeigte beim 1:0-Auswärtssieg gegen den 1. FC Köln vor allem defensiv erneut eine starke Leistung und kletterte durch den Erfolg vorerst auf Platz sieben. Cheftrainer Ole Werner ist mit der Entwicklung seiner Mannschaft zufrieden - und verbietet seinen Spielern nicht, auf die Blitztabelle schauen.
Köln – Es gab gleich mehrere Worte, die am späten Freitagabend im Stadion des 1. FC Köln ziemlich hoch im Kurs standen, zumindest in den Gesprächen mit den Protagonisten des SV Werder Bremen. Diese Worte lauteten unter anderem: „Kampfspiel“, „Abnutzungskampf“ und „dreckig“ – und sie tauchten, zum Teil leicht variiert, in beinahe jedem Statement zur Partie auf. Womit der Charakter der vorangegangenen 90 Minuten ziemlich treffend umrissen war.
Werder Bremen, so muss man das sagen, hatte die akut abstiegsbedrohten Hausherren nicht etwa fußballerisch beherrscht, sondern beim knappen 1:0-Erfolg vielmehr niedergearbeitet. Entschlossen, nicht elegant, mit Leidenschaft, nicht Leichtigkeit. So war die Mannschaft von Cheftrainer Ole Werner beim 1. FC Köln aufgetreten und hatte dabei zum wiederholten Male eine neue Qualität offenbart – nämlich, dass sie im Jahr 2024 plötzlich auch Spiele gewinnen kann, ohne dabei gut auszusehen. Spiele, in denen die Widerstände und Probleme groß, die drei Punkte am Ende aber trotzdem auf dem eigenen Konto sind. „Wir können jetzt auch dreckige Spiele gewinnen“, freute sich Siegtorschütze Justin Njinmah – was durchaus die Frage aufwirft, wo das tabellarisch eigentlich noch hinführen soll?
Werder Bremen gewinnt knapp beim 1. FC Köln - und klettert in der Bundesliga-Tabelle vorerst auf Platz sieben
Zunächst einmal, das ist schnell beantwortet, auf Platz sieben, den Werder Bremen in der Nacht von Freitag auf Samstag innehatte. Mit 29 Punkten auf dem Konto bewegen sich die Bremer nach nunmehr 22 Saisonspielen in einer Sphäre, die Fans durchaus träumen lässt. Auch Cheftrainer Ole Werner wollte seinen Spielern den Blick auf die Blitztabelle nicht verbieten. „Ich werde bei den Jungs nicht über die Schulter schauen und kontrollieren, was sie am Handy oder Laptop machen“, sagte der 35-Jährige, der das Thema Tabellenstand aber ganz schnell beiseiteschob: „Wir haben erst den 22. Spieltag, es ist noch nicht einmal das letzte Drittel der Saison angebrochen. Wir wollen lieber auf Leistungen und Entwicklungen achten.“
Gut, bleiben wir erstmal dabei. Dann ist festzuhalten: Überzeugend war die Leistung gegen den 1. FC Köln sicher nicht, unter fußballerischen Aspekten, was auch Ole Werner in seinem Resümee keineswegs verschwieg. Und dennoch war der Trainer zufrieden mit seiner Mannschaft, „weil wir mit viel Leidenschaft und Disziplin gespielt haben und gut organisiert waren“. Was dem SV Werder Bremen in der Tat nicht abzusprechen war – und direkt zum anderen von Werner angesprochenen Thema führt: Entwicklung.
Werder Bremens Kapitän Marco Friedl: „Die Verteidigung ist der Weg zum Erfolg“
Dass Werder Bremen in den bisher fünf Rückrundenspielen nur drei Gegentore kassiert hat, sich sogar dreimal komplett schadlos hielt, trägt einen, wenn nicht den zentralen Teil zur starken Ausbeute von zwölf Punkten aus diesen Spielen bei. Und Zufall ist das nicht. „Wir haben uns nach Neujahr zusammengesetzt und darüber gesprochen, dass die Verteidigung der Weg zum Erfolg ist“, berichtete Kapitän und Innenverteidiger Marco Friedl – und führte aus: „Vorne sind wir immer für ein Tor gut, aber jetzt haben wir drei Mal in Folge auswärts zu Null gespielt. So holen wir die Punkte.“
Zur Not eben auch dreckig, so wie gegen den 1. FC Köln, wo ein tiefer, seifiger Boden den perfekten Rahmen für diese Art von Spiel bildete. „Nach vorne ging nicht viel, wir haben keinen guten Fußball gespielt, aber dafür sind wir hinten da, dass uns auch mal ein Tor reicht, um drei Punkte zu holen“, sagte Marco Friedl. Auch sein Trainer zeigte sich mit dem neuen Fokus aufs Verteidigen, der nicht zuletzt aus der Mannschaft selbst heraus entstanden ist, mehr als einverstanden.
Der Defensive sei Dank: Werder Bremens Auswärtssieg beim 1. FC Köln in der Taktik-Analyse!
Werder Bremens Ole Werner: „Wenn man die letzten Spiele sieht, verteidigen wir einfach sehr gut“
„Ich glaube, dass es einfach gute Verteidigungsarbeit ist und ein diszipliniertes Verhalten als Mannschaft“, sagte Ole Werner, als der Chefcoach des SV Werder Bremen erklären sollte, warum es zuletzt auswärts so gut lief. „Wenn man die letzten Spiele sieht, verteidigen wir einfach sehr gut. Wir gestehen dem Gegner relativ wenig klare Torchancen aus einfachen Ballverlusten heraus zu. Das ist immer die Grundlage.“ Und die scheint inzwischen fest von der Mannschaft verinnerlicht worden zu sein. Nach dem 1:2 zu Hause gegen Heidenheim hat sie jedenfalls schnellstmöglich wieder zurück in die Spur gefunden und es vermieden, aus einem Positiv- in einen Negativlauf abzurutschen.
Am kommenden Samstag (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) gastiert nun Abstiegskandidat Darmstadt 98 im Wohninvest Weserstadion, gegen den es mit Blick auf das 2:4 im Hinspiel noch einiges gutzumachen gibt. Spätestens in dem Moment, wenn das tatsächlich gelungen sein sollte, wird die folgende Frage übrigens wieder auftauchen: Wo soll das tabellarisch eigentlich noch hinführen? Justin Njinmah versuchte sich nach dem Spiel beim 1. FC Köln schon einmal an einer Antwort. „Man spielt freier auf, wenn man sich unten etwas abgesetzt hat und hat weniger Gedanken im Kopf. Es macht einfach Spaß, denn ich gucke lieber nach oben als nach unten“, sagte der 23-jährige Angreifer des SV Werder Bremen und entgegnete auf die Frage, ob es denn noch weiter nach oben gehen könne, seinerseits eine Frage: „Wieso denn nicht?“ (dco)