Nach Werders 1:0-Sieg in Köln
Der Defensive sei Dank: Werders Auswärtssieg beim 1. FC Köln in der Taktik-Analyse
Werder Bremen gewinnt mit 1:0 (0:0) beim 1. FC Köln, ein Offensivfeuerwerk brannte das Team von Trainer Ole Werner aber nicht ab. Das derzeitige Erfolgsgeheimnis ist die Defensive, meint DeichStube-Kolumnist Tobias Escher in seiner Taktik-Analyse. Gegen Köln überzeugten die Bremer demnach vor allem mit ihrer kompromisslosen Manndeckung.
Ein Spektakel war das Spiel des SV Werder Bremen beim 1. FC Köln wahrlich nicht. Beim Bremer 1:0-Sieg gab es auf beiden Seiten nur wenige Chancen. Wahrscheinlich ist genau dieser Umstand das aktuelle Erfolgsgeheimnis der Bremer. Trainer Ole Werner hat in den vergangenen Monaten die Defensive stabilisiert. Auch in Köln lautete die Strategie: Die Defensive geht vor!
Ole Werner schickte den SV Werder Bremen in der bekannten Mischung aus 3-4-3 und 5-3-2 auf das Feld. Personell nahm er im Vergleich zur Niederlage gegen Heidenheim drei Wechsel vor: In der Abwehr kehrte Mitchell Weiser nach seiner Verletzung zurück, dafür musste Olivier Deman auf die Bank. Weil Niklas Stark mit Hüftproblemen ausfiel, begann erstmals Neuzugang Julián Malatini von Beginn an. Im Angriff ersetzte Nick Woltemade Shooting-Star Justin Njinmah. Im Sturm setzte Werner damit auf Spielstärke: Sowohl Woltemade als auch Marvin Ducksch kommen weniger über ihr Tempo, sondern über ihre Fähigkeiten als Kombinationsspieler.
Der 1. FC Köln begann das Spiel in einem 4-2-3-1-System. Trainer Timo Schultz hatte besonders im Sturm mit Ausfällen zu kämpfen. Er versuchte dies zu kompensieren, indem er auf schnelle und wendige Spieler setzte. So übernahm Jan Thielmann gegen Werder Bremen die Rolle des Stürmers. Ein Strafraumstürmer fand sich in der Kölner Startaufstellung hingegen nicht.
Werder Bremens Auswärtssieg beim 1. FC Köln in der Taktik-Analyse: Mannorientierungen auf dem ganzen Feld
Werder Bremen begann die Partie abwartend. Sie wagten kein allzu hohes Pressing, sondern setzten auf eine enge Deckung. Sie verteidigten wesentlich näher am Mann, als sie dies noch in den vergangenen Wochen getan hatten. Nicht nur die Mittelfeldspieler verfolgten ihre Gegenspieler im Zentrum. Auch aus der Abwehr rückten immer wieder Verteidiger heraus, um sich an die Fersen der Angreifer des 1. FC Köln zu heften.
Der 1. FC Köln mühte sich, gegen die mannorientierten Bremer ein kreatives Aufbauspiel aufzuziehen. Doch meistens bekamen nur die Innenverteidiger Zeit am Ball, alle anderen Akteure störte der SV Werder Bremen sofort. Kölns Innenverteidiger gehören jedoch nicht zu den kreativsten Aufbauspielern der Bundesliga.
Nach und nach versuchten die Mittelfeldspieler des 1. FC Köln, ihre Kollegen im Spielaufbau zu unterstützen. Denis Huseinbasic ließ sich aus dem Sechserraum auf die Außen fallen, auch Florian Kainz fiel von seiner Zehner-Position aus in die letzte Linie zurück. Doch die Verteidiger des SV Werder Bremen klebten an ihnen. In einer Situation verfolgte Malatini seinen Gegenspieler Kainz sogar bis weit in die Kölner Hälfte.
Werder Bremens Auswärtssieg beim 1. FC Köln in der Taktik-Analyse: Keine Chancen auf beiden Seiten
Der 1. FC Köln fand kein Mittel, die Bremer Mannorientierungen zu umspielen. Sobald der Ball ins Mittelfeld kam, gingen die Gäste energisch in die Zweikämpfe. Werder Bremen schaffte es so, den Gegner aus dem Zentrum herauszuhalten. Senne Lynen und Jens Stage taten sich hier erneut als dynamisches Duo hervor: Stage rückte nach vorne und verfolgte die gegnerische Doppelsechs, während Lynen sich zurückhielt und die Tiefe sicherte.
Auf Kölner Seite gelang es nur einem einzigen Akteur, die Bremer Defensive zu sprengen: Linksverteidiger Max Finkgräfe wagte sich immer wieder in Eins-gegen-Eins-Duelle. Sieben der 15 erfolgreichen Kölner Dribblings gingen auf seine Kappe. Doch selbst wenn er an den Bremern vorbeikam: Vorne fand er keine Anspielstation. Der 1. FC Köln kam in der gesamten Partie zwar auf 20 Flanken, diese kamen aber mangels Zielspieler so gut wie nie an. Die Defensive des SV Werder Bremen stand an diesem Abend bombenfest.
Werder Bremens Auswärtssieg beim 1. FC Köln in der Taktik-Analyse: Werder setzt auf Konterfußball, ohne zu kontern
Nach vorne ging jedoch auch bei Werder Bremen herzlich wenig. Man könnte sagen: Werder spielte Konterfußball, nur ohne zu kontern. Vorne fehlte ein schneller Stürmer, der nach Balleroberungen in die Tiefe sprintete. Woltemade und Ducksch bekamen kaum Bälle – und wenn, verloren sie diese prompt wieder.
Der 1. FC Köln zog sich in der Defensive eng zusammen. Mal störten sie in einem 4-2-4, mal ließen sie sich in einem 4-4-2 etwas tiefer fallen. Werders Versuch, über die Doppelsechs durch das Zentrum aufzubauen, lief ins Leere: Köln stand hier gut gestaffelt. Sie verhinderten, dass sich die Spieler des SV Werder Bremen aufdrehen konnten.
Auch den Angriffen des SV Werder Bremen fehlte ein gewisser Überraschungsmoment. Wenn Bremer Akteure aus dem starren Korsett ausbrachen, erfolgte dies meist auf der rechten Seite. Weiser zeigte sich beweglich wie eh und je. Auch der halbrechte Verteidiger Malatini wagte sich immer mal wieder nach vorne. So gelang es Werder wenigstens einige Male, die kompakte Defensive des 1. FC Köln zu knacken. Zu Großchancen kamen jedoch auch die Gäste nicht.
Werder Bremens Auswärtssieg beim 1. FC Köln in der Taktik-Analyse: Mit Justin Njinmah kommt das Glück
Nach etwas mehr als einer Stunde gab Ole Werner das Experiment Woltemade auf. Er brachte mit Justin Njinmah einen schnellen Stürmer. Die Idee sollte nur wenige Minuten später fruchten: Werder Bremen spielte einen starken Angriff durch das Zentrum, Lynen verlagerte das Spiel auf die rechte Seite. Weisers Flanke musste Njinmah nur ins Tor befördern (70.). Bedanken durfte er sich bei Kölns Torhüter Marvin Schwäbe, der die Flanke falsch einschätzte.
Werders Tor sollte die einzige Großchance der Partie bleiben. Der 1. FC Köln löste zwar die Defensive auf, sie warfen fortan im 4-2-4 alles nach vorne. Die letzte Durchschlagskraft entwickelten die Kölner jedoch nicht. Auch Werder Bremen entfachte weiterhin keine Gefahr bei Kontern. Das Umschaltspiel verbesserten weder Njinmah noch der später eingewechselte Rafael Borré.
Der Sieg des SV Werder Bremen beim 1. FC Köln blieb dennoch ungefährdet. Die drei Punkte verdanken die Bremer einer robusten Defensive. Die Partie reiht sich damit ein in die allgemeine Entwicklung der Mannschaft. An den ersten elf Spieltagen fing Werder noch 22 Gegentore, an den folgenden neun Spieltagen haben sie nur zwölf Tore kassiert – und das, obwohl sie unter anderem auf Leipzig, Leverkusen und Stuttgart trafen und auswärts in der Allianz Arena antreten mussten. Werders Spiele mögen weniger spektakulär sein, dafür holen sie Punkte. Da lässt sich als Bremer Fan das fehlende Offensivfeuerwerk leicht verschmerzen.
