Vor Werder gegen Gladbach

„Ich weiß, das kann keiner mehr hören“: Horst Steffens Umgang mit der Werder-Krise und dem Wirbel um seine Person

Horst Steffen steht beim SV Werder Bremen nach neun Bundesliga-Spielen ohne Sieg mächtig unter Druck - so geht der Trainer damit um!

Ein Scherzbold im Internet hatte sich einen kleinen Spaß erlaubt und zwei Fotos nebeneinandergestellt. Auf dem einen war Horst Steffen zu sehen, wie er fröhlich strahlend einen Stift in der Hand hielt und vor seinem just unterzeichneten Vertrag saß. Aus dem vergangenen Sommer stammte die Aufnahme, der Rheinländer war gerade zum neuen Trainer des SV Werder Bremen ernannt worden. Das zweite Bild zeigte denselben Mann, einige Monate später – und sichtbar von den aktuellen Strapazen gekennzeichnet. Ein Leben mit Werder, das vermittelte diese Mini-Collage recht anschaulich, hinterlässt seine Spuren. Egal, ob nun für einen Coach oder leidenden Fan. Doch während Großteile der Anhängerschaft frustriert auf die Geschehnisse am Osterdeich blicken, lässt sich Steffen vom zusätzlichen Druck, der auf ihm, den Verantwortlichen sowie der ganzen Mannschaft lastet, nicht mehr beeinträchtigen als nötig. Im Gegenteil: Am Donnerstag strahlte er während der Pressekonferenz vor dem möglicherweise auch über seinen Job entscheidenden Werder-Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) eine enorme Ruhe aus. Fast so, als wäre die Werder-Welt nicht etwas aus den Angeln geraten.

Horst Steffen steht beim SV Werder Bremen nach neun Bundesliga-Spielen ohne Sieg mächtig unter Druck - so geht der Trainer damit um!

Werder Bremens Horst Steffen: „Wir hatten starke Gegner und haben gezeigt, dass wir da mithalten können – das war in der Hinrunde noch nicht so“

Horst Steffen tat einmal mehr das, was er schon in den vergangenen Wochen getan hat: Er formulierte seinen tiefen Glauben an das Team. Woher das nach neun Spielen ohne Sieg rührt? „Ich sehe, wie die Mannschaft zuletzt gespielt hat. Ich weiß, dass das wahrscheinlich keiner mehr hören kann, weil die Ergebnisse nicht gepasst haben“, sagte der 56-Jährige. Bekanntlich ist Werder Bremen inzwischen auf Rang 15 abgestürzt. Das Tabellenmittelfeld ist zwar weiterhin in greifbarer Nähe, die nicht enden wollende Harmlosigkeit in der Offensive führt vielerorts jedoch zu vielen dunklen Gedanken an einen neuerlichen Abstieg. So gut kann die Situation also eigentlich nicht sein, um sich daran hochzuziehen. Doch Steffen hält vor dem Bremer Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (live im TV) dagegen. „Wir hatten jetzt starke Gegner und haben gezeigt, dass wir da mithalten können – das war in der Hinrunde noch nicht so. Die Grundstruktur stimmt mich zuversichtlich.“

Gegen Borussia Mönchengladbach muss die aber unbedingt auch Zählbares bringen. Idealerweise in dreifacher Form. Sonst könnte es zeitnah so richtig eng werden. Für Werder Bremen allgemein und Horst Steffen im Speziellen. Ein deftiger Hauch von Endspiel-Charakter liegt in der Luft. Zuletzt hat Fußball-Chef Clemens Fritz dem Coach abermals öffentlich das Vertrauen ausgesprochen – und nicht nur dort. „Ich spüre es, ja. Die Aussage von ihm war klar. Er traf sie und revidiert sie auch dann nicht, wenn wir zusammen sind“, schilderte Steffen. „Daran hält er sich und das spüre ich. Das, was öffentlich ist, ist auch im internen Kreis so.“ Ob das im Falle einer Niederlage am Samstag noch einmal passieren würde? Offen. Kurzum: Da ist ordentlich Druck auf dem Kessel.

Werder Bremens Horst Steffen: „Ich will meine Mannschaft bestmöglich vorbereiten, ob es nun nach drei Siegen oder vier Niederlagen ist“

Druck, dem der Trainer des SV Werder Bremen mit seiner ihm eigenen Positivität begegnet. Auch deshalb überhöht er die Bedeutung der Partie gegen Borussia Mönchengladbach nicht. „Für mich ist jedes Spiel wichtig. Das lässt sich vielleicht als Antwort nicht so einfach akzeptieren, aber für mich ist es so“, betonte Horst Steffen. „Ich will meine Mannschaft bestmöglich vorbereiten, ob es nun nach drei Siegen oder vier Niederlagen ist.“ Die persönliche Anspannung minimiert er auf gewohntem Wege: „Ich gehe spazieren und mache mal nichts oder höre Musik.“ Doch viel Zeit dazu bleibe nicht, erklärte er, zu arbeitsintensiv sei die aktuelle Phase mit Vor- und Nachbereitungen der Begegnungen. Immer auf der Suche nach der passenden Lösung für die nächste Prüfung.

Jens Stage hatte da zuletzt deutlich fatalistischer geklungen. Im Nachgang der jüngsten Niederlage hatte Werders Mittelfeldspieler die mangelnde Qualität der Mannschaft moniert, um solche Spiele für sich zu entscheiden. Damit hatte er eine Aussage produziert, die ein großes Echo erzeugte. „Die Grundqualität ist da“, sagte nun Horst Steffen. „Dass Jens das angeprangert hat, hängt sicherlich mit der Enttäuschung über die ausbleibenden Ergebnisse zusammen und dass wir gegen Hoffenheim in gewissen Dingen nicht gut genug waren, um zu punkten. Wenn man derart viele Abschlüsse hat, dann dürfen wir auch das Tor treffen. In diesen Momenten hat er Recht: Da hat die Qualität gefehlt.“ Doch der Coach des SV Werder Bremen sagte auch: „Ich habe die Überzeugung, dass wir die Grundqualität dafür haben – es gilt jetzt, dass diese drei, fünf, sieben Prozentpunkte bei uns dazukommen, um enge Spiele für uns zu entscheiden.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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