Wichtige Mitgliederversammlung
Machtkampf am Osterdeich: So läuft Aufsichtsratswahl – Wintermann und Hiller ausgebootet
Bei der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen im November wird ein neuer Aufsichtsrat gewählt. Alle Infos zur Wahl.
Bremen – Der Name des Veranstaltungsorts, so viel vorweg, dürfte bei der Auswahl der Location nicht einmal eine untergeordnete Rolle gespielt haben – und doch passt er ganz hervorragend zu dem, was dem SV Werder Bremen in wenigen Wochen bevorsteht. Am Sonntag, 16. November, bittet der Verein seine Angehörigen ab 11 Uhr zur turnusmäßigen Mitgliederversammlung, die erstmals in der Bremer Überseestadt abgehalten wird. Genauer: in der modernen „Energieleitzentrale“, was in diesem Falle einem „telling name“ gleichkommt. Schließlich stehen bei Werder Wahlen auf der Tagesordnung, und zwar nicht irgendwelche, sondern unter anderem die des Aufsichtsrats. Es geht um prestigeträchtige Posten, die die Zukunftsausrichtung des SVW, seinen Energiefluss, um im Bild zu bleiben, in den kommenden Jahren maßgeblich mitbestimmen werden.
Zwei bisherige Mitglieder ausgebootet: So lief das Auswahl-Verfahren der Kandidaten für den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen
Insgesamt vier von neun Sitzen im Aufsichtsrat des SV Werder Bremen werden am 16. November neu vergeben, weil die Amtszeit der von den Mitgliedern gewählten Gremiumsvertreter Harm Ohlmeyer, Dr. Florian Weiß, Ulrike Hiller und Dirk Wintermann nach vier Jahren endet. Am Sonntag hat der Wahlausschuss nun seine offizielle Kandidatenliste bekannt gegeben – und damit durchaus für eine Überraschung gesorgt. Während die bisherigen Aufsichtsräte Ohlmeyer und Weiß erneut zur Wahl zugelassen wurden, stehen Hiller und Wintermann nicht mehr auf der Liste, obwohl beide eine erneute Kandidatur angestrebt hatten.
Seit Sommer 2024 hatte sich der Wahlausschuss, der sich wiederum aus Mitgliedern des Ehrenrats und des Vereinspräsidiums zusammensetzt, laut Aussage seines Vorsitzenden Manfred Jacobi mit möglichen Kandidaten befasst, wobei erstmals eine externe Agentur beratend und unterstützend zur Seite stand. „Das war ein intensiver Prozess“, sagt Jacobi in einem Interview, das Werder Bremen am Sonntag auf seiner Internetseite veröffentlicht hat – und erklärt: „Wir haben zahlreiche Gespräche mit verschiedenen Kandidat*innen geführt und aus diesem Kreis diejenigen ausgewählt, die aus unserer Perspektive am besten für das Amt geeignet sind.“ Wozu Wintermann und Hiller augenscheinlich nicht mehr zählen.
Dirk Wintermann steht nicht zur Wiederwahl: Wie bei Werder Bremen die neuen Aufsichtsratsmitglieder gewählt werden
Nach Informationen der DeichStube soll die Art und Weise, wie Fan-Vertreter Wintermann seine Rolle als Aufsichtsrat interpretiert hat, an einigen Stellen im Verein für Missfallen gesorgt haben. Der 58-Jährige trat bisweilen ungewöhnlich öffentlichkeitswirksam für einen Aufsichtsrat auf, war beispielsweise in Podcasts zu Gast und bezog zu verschiedensten Themen Stellung, während sich seine Gremiumskollegen bedeckt hielten. So wie auch die ehemalige Staatsrätin Ulrike Hiller, bei der der Wahlausschuss ebenfalls den Daumen senkte. Alle Bewerber für einen Platz im Gremium, sprich auch die vier amtierenden Aufsichtsräte, hatten vor dem Wahlausschuss vorsprechen müssen.
Durchgesetzt haben sich dabei neben Ohlmeyer und Weiß vier weitere Personen, namentlich: Dr. Julian Deutz, Chadia Freyhat, Torsten Hoppe und Prof. Dr. Christina Reuter. Zusätzlich wurden Lene Knoll und Daniela Schmidt als Ersatzkandidatinnen aufgestellt. Das Prozedere wird am 16. November dann so aussehen: Im ersten Wahlgang werden aus den sechs Kandidaten die vier neuen Aufsichtsräte des SV Werder Bremen gewählt, ehe in einem zweiten Wahlgang unter den beiden nicht-gewählten Anwärtern sowie den beiden Ersatzkandidatinnen die Reihenfolge möglicher Nachrücker festgelegt wird – für den Fall, dass ein Aufsichtsrat sein Amt während der Amtszeit niederlegt.
Frauenanteil im Aufsichtsrat des SV Werder Bremen: Wie wird das neu zusammengesetzte Gremium aussehen?
Beim Blick auf die sechs Namen, die vorrangig für den Aufsichtsrat kandidieren, fällt schnell auf, dass es sich bei ihnen um vier Männer und zwei Frauen handelt. Das ist insofern interessant, als dass Werder Bremen bereits 2024 erklärt hatte, seine Gremien bis möglichst 2026 paritätisch besetzen, zumindest aber einen Frauenanteil in Höhe von 25 Prozent erreichen zu wollen. In der vierköpfigen Geschäftsführung ist diese Quote seit dem Einstieg von Anne-Kathrin Laufmann im September 2022 erfüllt. Im Aufsichtsrat saß in Ulrike Hiller zuletzt jedoch nur eine Frau. Das könnte sich bei der Werder-Mitgliederversammlung am 16. November (11 Uhr im DeichStube-Liveticker) ändern – oder auch nicht. Sollten sowohl Chadia Freyhat als auch Prof. Dr. Christina Reuter den Sprung ins Gremium schaffen, wäre die 25-Prozent-Quote bei neun Mitgliedern zumindest annähernd erreicht. Angesichts der Ausgangslage durch die Kandidatenliste ist es aber ebenso möglich, dass dem Gremium nach der Wahl gar keine Frau mehr angehört. (dco)
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